Politik

"Ich will nicht zu früh sterben" Polizist tötet unbewaffneten Schwarzen

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Freunde und Verwandte des Toten bei einem Gedenkgottesdienst vor einer Kirche in Arlington.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Ein Jahr nach den tödlichen Schüssen von Ferguson wird ein schwarzer Jugendlicher in den USA von einem Polizisten erschossen. Wieder ist der Schütze weiß und der Getötete unbewaffnet.

Erneut ist ein unbewaffneter Schwarzer in den USA von einem weißen Polizisten erschossen worden. Der 19-jährige Christian Taylor wurde am Freitag im texanischen Arlington von einem Polizisten getötet, nachdem er in ein Autohaus eingebrochen war.

Ein von einem Lokalsender veröffentlichtes Video einer Überwachungskamera zeigt Taylor, wie er auf dem Parkplatz des Autohauses auf einem Wagen steht und dessen Windschutzscheibe eintritt. Später klettert er in das Auto und verlässt es durch die Fahrertür. Anschließend geht er zurück zu dem Jeep, mit dem er gekommen war, schiebt eine Schranke beiseite und fährt auf das Firmengelände. Nach Angaben der Polizei durchbrach Taylor mit dem Jeep ein Schaufenster - auf dem Video ist das nicht zu erkennen.

Der Polizeichef von Arlington, Will Johnson, sagte, die Beamten seien von einer Firma gerufen worden, die die Überwachungskameras betreut. Bei der Ankunft der Polizisten habe Taylor sich "frei im Verkaufsgebäude bewegt".

Der Zeitung "Star-Telegram" zufolge sagte Johnson, die Beamten hätten Taylor von außerhalb des Gebäudes angesprochen. Auf die Anweisung, sich auf den Boden zu legen, habe er nicht reagiert, sondern sei zu einer Tür geflüchtet. Daraufhin seien die beiden Polizisten in das Gebäude eingedrungen, um Taylor festzunehmen. Warum der Polizist die Schusswaffe benutzte, ist unklar. Der Polizeichef verwies lediglich auf eine Auseinandersetzung zwischen den Beamten und Taylor.

24 Tote in diesem Jahr

Der Schütze war ein 49-Jähriger, der trotz seines Alters den Lehrgang zum Polizisten gerade erst beendet hatte und im Anschluss daran eine 16-wöchige Praxisausbildung absolvierte. Begleitet wurde er von einem anleitenden Beamten.

Der Polizist gab vier Schüsse auf Taylor ab, auch eine Elektroschockpistole ("Taser") kam zum Einsatz. Johnson zufolge ist noch unklar, welche Waffe zuerst benutzt wurde und ob der Taser von dem Polizeischüler oder seinem Ausbilder eingesetzt wurde. Die Polizei von Arlington bat die Bundespolizei FBI, bei der Untersuchung zu helfen.

Vor einem Jahr, am 9. August 2014, war in Ferguson im Bundesstaat Missouri der 18-jährige Michael Brown von einem weißen Polizisten erschossen worden. In Ferguson soll an diesem Sonntag an Brown sowie an andere Opfer von Polizeigewalt in den USA erinnert werden.

Nach Angaben der "Washington Post" wurden in den USA in diesem Jahr bereits 24 unbewaffnete schwarze Männer von Polizisten erschossen. Das seien 40 Prozent der insgesamt 60 unbewaffneten Todesopfer - obwohl Schwarze nur einen Anteil von 6 Prozent an der US-Bevölkerung hätten. Der "Post" zufolge ist es für schwarze Männer sieben Mal wahrscheinlicher als für Weiße, unbewaffnet durch Polizeischüsse zu sterben.

"Polizisten haben viel Macht und sie nutzen das aus"

Polizeichef Johnson räumte ein, der Tod von Christian Taylor habe sich nicht "isoliert ereignet", sondern in einer Zeit, in der "unsere Nation mit den Themen von sozialer Ungleichheit, Ungerechtigkeiten, Rassismus und polizeilichem Fehlverhalten ringt".

Adrian Taylor, ein älterer Bruder des Toten, sagte, er wolle nicht, dass der Vorfall zu einem "Schwarz-und-Weiß-Ding" gemacht werde. Zugleich warnte er vor polizeilicher Willkür. "Ich will, dass Mütter und Väter ihren Kindern beibringen, wie man sich vor Polizisten benimmt. Polizisten haben viel Macht und sie nutzen das aus." Es sei leicht für Polizisten, aus schwierigen Situationen herauszukommen. Sie würden - wie der Polizist, der seinen Bruder erschossen hat - bei vollen Bezügen beurlaubt. "Andere Leute können nicht einfach auf Neustart drücken. Sie sind einfach weg."

Christian Taylor spielte Football an der Angelo State University in San Angelo. Auf seinem Twitter-Account hatte er vor einem Jahr nach den tödlichen Schüssen auf Michael Brown geschrieben, er fühle sich von der Polizei nicht geschützt. Wenige Tage vor seinem Tod twitterte er: "Ich will nicht zu früh sterben."

Quelle: ntv.de, hvo