Politik

"Gelbwesten"-Proteste in Paris Polizisten zum Selbstmord aufgerufen

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Szene von den "Gelbwesten"-Protesten am Samstag in Paris.

(Foto: imago images / IP3press)

Ein Video von den Protesten der "Gelbwesten" in Paris schockiert Frankreich. Darin rufen Demonstranten Polizisten auf, sich das Leben zu nehmen. Polizei-Gewerkschaften und Politiker verurteilen die Äußerungen auf das Schärfste.

Bei den jüngsten "Gelbwesten"-Protesten in Paris haben Demonstranten die Sicherheitskräfte in Sprechchören zum Suizid aufgefordert und damit öffentliche Empörung ausgelöst. Die größte französische Polizeigewerkschaft Alliance sprach von einem "Höhepunkt des Hasses" auf Polizisten. Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung wegen der "gemeinschaftlichen Beleidigung von Amtsträgern" ein.

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Auch französische Politiker zeigten sich entsetzt. Innenminister Christophe Castaner twitterte, die Betroffenen sollten sich schämen. Nizzas Bürgermeister Christian Estrosi nannte den Vorfall "abscheulich". "Dieser Hass auf die Polizei ist ideologisch und leider systematisch in den Reihen der Anarchisten", erklärte die Rechtspopulistin Marine LePen.

Bei den Protesten hatte es aus den Reihen der Teilnehmer den Sprechchor "Bringt euch um, bringt euch um" gegeben - eine Anspielung auf eine Reihe von Selbstmorden unter Polizisten seit Beginn des Jahres. Castaner hatte jüngst eine bessere psychologische Betreuung der Beamten angekündigt. Der Journalist Lucas Burel veröffentlichte während der Proteste ein entsprechendes Video. Er schrieb dazu, einige Demonstranten hätten das in Richtung der Polizei gerufen.

"Unerträglich und inakzeptabel"

Frédéric Lagache von der Gewerkschaft Alliance sagte der Nachrichtenagentur AFP: "Das ist eine Beleidigung für die verstorbenen Polizisten, ihre Familien und die gesamte Polizei." Die Äußerungen von Kundgebungsteilnehmern seien "unerträglich und inakzeptabel". Lagache forderte, die Verantwortlichen zu identifizieren. Die Gewerkschaft Unité SGP Police bezeichnete den Vorfall als "Schande" und "Skandal". Die Gewerkschaft Alternative Police CFDT rief die Behörden auf, der "Hasswelle gegen Polizisten" ein Ende zu setzen.

Bei den "Gelbwesten"-Protesten war es zudem erneut zu Ausschreitungen gekommen. Sicherheitskräfte nahmen in Paris mehr als 200 Menschen fest. Seit fünf Monaten protestieren die "Gelbwesten" für mehr soziale Gerechtigkeit und niedrigere Steuern. Am kommenden Donnerstag will Frankreichs Präsident Emmanuel Macron seine Reformpläne vorstellen, die er unter dem Druck der anhaltenden Demonstrationen entwickelt hat.

Journalisten beklagen unterdessen, dass während der Demonstrationen am Samstag Reporter festgenommen worden seien. "2 unabhängige Journalisten festgenommen und mehrere andere im Visier von Hartgummigeschossen, obwohl sie eindeutig als Presse identifiziert wurden", teilte die Organisation Reporter ohne Grenzen mit. "Wenn Journalisten festgenommen werden - was passieren kann -, werden sie natürlich nicht in ihrer Eigenschaft als Journalisten festgenommen, sondern wegen der festgestellten Straftaten", sagte Innenminister Castaner.

Quelle: n-tv.de, mli/AFP/dpa

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