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Der ukrainische Präsident Poroschenko traf in Istanbul mit Außenminister Cavusoglu (l.) sowie mit Staatschef Erdogan (r.) zusammen.
Der ukrainische Präsident Poroschenko traf in Istanbul mit Außenminister Cavusoglu (l.) sowie mit Staatschef Erdogan (r.) zusammen.(Foto: imago/ITAR-TASS)
Montag, 09. April 2018

Gemeinsame Energieprojekte: Poroschenko besucht überraschend Erdogan

Seit Jahren streiten sich Kiew und Moskau um das Gas. Nun reist der ukrainische Präsident Poroschenko zu einem unangekündigten Besuch in Istanbul. Die Ukraine will Gas aus Katar importieren. Dafür ist allerdings eine türkische Genehmigung nötig.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko ist zu einem Überraschungsbesuch nach Istanbul gereist, um über Energieprojekte mit der Türkei und ihrem Verbündeten Katar zu sprechen. Dabei traf Poroschenko mit Außenminister Mevlüt Cavusoglu sowie mit Staatschef Recep Tayyip Erdogan zusammen, wie die Präsidialämter in Ankara und Kiew mitteilten.

Bei dem Treffen sei es um die Umsetzung gemeinsamer Energieprojekte zwischen der Ukraine, der Türkei und Katar gegangen, teilte das ukrainische Präsidialamt in Kiew mit. Die Ukraine will angesichts eines seit Jahren schwelenden Gasstreits mit Russland Flüssiggas aus Katar importieren. Erst im März besuchte Poroschenko deshalb das Golfemirat Katar, das ihm die Lieferung von Flüssiggas in Aussicht stellte.

Sondergenehmigung nötig

Auf dem Weg in die Ukraine müssten die Tankschiffe allerdings den Bosporus passieren, wofür eine Sondergenehmigung der Türkei notwendig wäre, die bisher den Transport von Gefahrgütern wie Flüssiggas auf der Seestraße durch die Millionenmetropole Istanbul verweigert. Die Türkei unterhält gute Beziehungen zur Ukraine, hat sich in den vergangenen Jahren aber auch Russland angenähert, das im Konflikt mit Kiew liegt.

Bei dem Treffen in Istanbul, das einen Tag vor einem Besuch Poroschenkos in Berlin erfolgte, ging es laut der Erklärung aus Kiew auch um die Situation auf der ukrainischen Halbinsel Krim, die 2014 von Russland eingegliedert worden war. Die Türkei hatte dies damals scharf kritisiert. Außerdem begrüßte die Türkei eine mögliche UN-Friedensmission im Osten der Ukraine und bot an, sich an einem Blauhelmeinsatz zu beteiligen.

Der jüngste Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine war Anfang März und damit noch mitten im Winter eskaliert. Damals kündigte Gazprom an, alle Verträge mit dem ukrainischen Versorger Naftogaz zu kündigen. Die beiden Unternehmen streiten sich seit 2014, als Russland die Halbinsel Krim annektierte. Seitdem liefert Gazprom kein Erdgas mehr an Naftogaz. Beide verklagten sich vor dem Schiedsgericht in Stockholm gegenseitig auf Milliardensummen.

Quelle: n-tv.de