Politik

Prognose zu PräsidentschaftswahlPortugal: Sozialist und ein Rechtsextremer gehen in Stichwahl

18.01.2026, 22:23 Uhr
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16-01-2026-Portugal-Porto-Jose-Seguro-l-der-sozialistischen-Partei-Portugals-begruesst-Anhaenger-am-Eingang-des-Mercado-do-Bolhao-in-Porto-waehrend-er-fuer-die-Praesidentschaftswahlen-am-Sonntag-wirbt
Jose Seguro, Kandidat der sozialistischen Partei Portugals, überrascht bei den Hochwahlen. (Foto: dpa)

Der rasante Aufstieg der Rechtspopulisten sorgt in Portugal für Aufsehen. Die Wahl des Staatsoberhaupts droht, die Sorgen vieler zu verstärken. Doch bei den Hochrechnungen überrascht dann ein anderer Kandidat den rechtsextremen Favoriten.

Bei der Präsidentschaftswahl in Portugal zeichnet sich eine Stichwahl zwischen dem Sozialisten Antonio Jose Seguro und dem rechtsextremen Kandidaten Andre Ventura ab. Zwei Hochrechnungen nach der ersten Wahlrunde sahen Seguro zwischen 30 und 35 Prozent der Stimmen und Ventura zwischen knapp 20 und rund 24 Prozent. In Umfragen vor der Wahl hatte Ventura knapp vor Seguro gelegen.

Auf Platz drei unter den insgesamt elf Kandidaten landete demnach Joao Cotrim de Fegueiredo von der rechtsgerichteten, wirtschaftsfreundlichen Partei "Liberale Initiative", der 16 bis 21 Prozent erreichte. Kommt kein Kandidat in der ersten Runde auf 50 Prozent oder mehr, müssen die beiden Erstplatzierten in eine Stichwahl. Diese ist vorläufig für den 8. Februar angesetzt.

Das Präsidentenamt hat in Portugal weitgehend zeremoniellen Charakter. Allerdings verfügt der Amtinhaber über einige wichtige Befugnisse, darunter die Auflösung des Parlaments, die Einberufung von vorgezogenen Neuwahlen und die Möglichkeit, ein Veto gegen Gesetze einzulegen.

Wahrscheinlich nur ein Prestigeerfolg

Das gute Abschneiden des 43-jährigen rechtsextremen Ventura im Kampf um die Nachfolge des konservativen Amtsinhabers Marcelo Rebelo de Sousa untermauert im EU-Land den rasanten Aufstieg der Rechtspopulisten. Nur sechs Jahre nach ihrer Gründung war Venturas Partei Chega (Es reicht) erst im Mai vorigen Jahres bereits zur zweitstärksten Kraft im Parlament in Lissabon avanciert.

In der Stichwahl werden Ventura derweil kaum Siegeschancen eingeräumt. Der Grund: Mehr als 60 Prozent der Befragten gaben in den Umfragen an, in einer Stichwahl auf keinen Fall für den Rechtspopulisten stimmen zu wollen. Medien sprachen von einem erneuten Prestigeerfolg für den aufstrebenden Politiker.

Aufgrund des knappen Rennens muss jedoch die Auszählung der Stimmen abgewartet werden, um Gewissheit über den Ausgang der Abstimmung zu haben. Mit aussagekräftigen offiziellen Ergebnissen wird in der Nacht zum Montag gerechnet. Den Prognosen zufolge weiß man aber schon jetzt: Da kein Kandidat reelle Chancen auf eine absolute Mehrheit hat, wird erstmals seit 1986 bei der Wahl des Staatsoberhauptes in Portugal eine Stichwahl nötig sein.

Quelle: ntv.de, toh/dpa/rts

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