Politik

Juristin plötzlich gegen Krieg Putin schmeißt sein "Postergirl" raus

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Natalja Poklonskaja sprach sich gegen den Krieg in der Ukraine aus.

(Foto: imago images/Russian Look)

Sie steht auf ukrainischen Fahndungslisten, gilt in Russland als "Putins Postergirl" und Star mit Hunderttausenden Instagram-Fans, löst in Japan einen Manga-Kult aus. Doch nun hat die Juristin Natalja Poklonskaja den Angriff auf die Ukraine kritisiert - und wird prompt vom Kreml-Chef gefeuert.

Nachdem sie sich kritisch über Russlands Krieg gegen die Ukraine geäußert hat, entließ Kreml-Chef Wladimir Putin eine prominente Juristin aus dem Staatsdienst. Per Dekret entzog Putin Natalja Poklonskaja ihren Posten als stellvertretende Leiterin von Rossotrudnitschestwo - eine ans russische Außenministerium angegliederte Organisation, die sich unter anderem für Russlands Interessen in anderen Ex-Sowjetstaaten einsetzt.

Auf Instagram schrieb Poklonskaja, dass Putin "ein Dekret unterzeichnet" hätte, mit dem sie von ihrem Posten "entbunden wurde, da ich eine andere Aufgabe übernommen habe". Die 42-Jährige bedankte sich bei "unserem Präsidenten für seine Unterstützung und sein Vertrauen".

Die geborene Ukrainerin Poklonskaja war nach Russlands Annexion der Schwarzmeer-Halbinsel Krim von 2014 schlagartig berühmt geworden - als Generalstaatsanwältin, die dem Kreml treue Dienste erwies und die Expansionslinie Russlands stets stramm unterstützte. Medien nannten sie "Putins Postergirl", auf Instagram sammelte sie 215.000 Follower. Noch bizarrer wurde der Kult um Poklonskaja aber in Japan. Weil die Juristin einem spezifischen Charakter aus der japanischen Videospiel-Serie "Phoenix Wright: Ace Attorney" ähnlich sieht, entstand ein regelrechter Manga-Kult um sie.

"Hört bitte auf!"

Später war sie zwischenzeitlich Abgeordnete des russischen Parlaments und Botschafterin im afrikanischen Kap Verde. In der Ukraine wurde sie als Verräterin beschimpft. Sie steht auf ukrainischen Fahndungs- und EU-Sanktionslisten.

Nach Russlands Einmarsch in die Ukraine Ende Februar aber sprach Poklonskaja von einer "Katastrophe". An die Russen - aber auch an die Ukrainer - gerichtet, sagte sie außerdem: "Hört bitte auf! Mir scheint, dass wir zu weit gegangen sind, und es an der Zeit ist, aus eigener Kraft den Mut für die Zukunft aufzubringen und sie nicht in die Hände derer zu legen, die bewaffnet sind."

Später bezeichnete sie den Buchstaben Z, der als Propaganda-Symbol für Russlands Krieg gegen die Ukraine gilt, als Sinnbild für "Tragödie und Trauer sowohl für Russland als auch für die Ukraine". Nach diesen Äußerungen kündigte die Staatsorganisation Rossotrudnitschestwo, für die Poklonskaja erst einige Monate lang arbeitete, "Konsequenzen" an.

(Dieser Artikel wurde am Montag, 13. Juni 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, dbe/dpa

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