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Schon 28 Corona-Tote in Klinik Potsdam bittet Bundeswehr um Hilfe

Das Ernst-von-Bergmann-Klinikum. Foto: Christophe Gateau/dpa

Im Ernst-von-Bergmann-Klinikum in Potsdam ist das Coronavirus außer Kontrolle geraten.

(Foto: Christophe Gateau/dpa)

Das zweitgrößte Krankenhaus Brandenburgs scheint der Corona-Lage im eigenen Haus nicht mehr Herr zu werden. Nun bittet die Stadt Potsdam wegen des Ausbruchs im Ernst-von-Bergmann-Klinikum die Bundeswehr um Hilfe.

Im größten Potsdamer Krankenhaus ist ein Coronavirus-Ausbruch außer Kontrolle geraten. Bereits 28 Menschen seien gestorben, berichten die "Potsdamer Neuesten Nachrichten" (PNN) unter Berufung auf einen Bericht des Robert-Koch-Instituts, den Oberbürgermeister Mike Schubert bei einer Präsentation in der vergangenen Woche nur unvollständig wiedergegeben haben soll. Die Stadt Potsdam habe nun sogar die Bundeswehr um Hilfe gebeten. Man benötige "unterstützendes medizinisches Personal für die Bewältigung der Ausbruchsereignisse der vergangenen Tage", zitiert die Zeitung interne Dokumente.

Dem von der Zeitung vorgestellten internen RKI-Bericht zufolge ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich viele Patienten erst im Klinikum "Ernst von Bergmann" angesteckt hätten. 15 Menschen müssten derzeit auf der Intensivstation beatmet werden. 83 Corona-Patienten gebe es insgesamt (Stand 11. April), zugleich seien 103 Mitarbeiter positiv getestet. Das RKI empfehle, den derzeit geltenden Aufnahmestopp "dringend" beizubehalten. Vergangenen Mittwoch hatte ein Arzt aus der Klinik gegenüber ntv.de gesagt, dass das Personal davon ausgehe, dass es sich anstecken werde. Dem Mediziner zufolge bestehe auch in anderen Krankenhäusern eine erhöhte Infektionsgefahr.

In der Potsdamer Klinik sei in den kommenden Wochen mit "einer hohen Anzahl an schweren Verläufen mit Intensiv- und Beatmungspflichtigkeit" zu rechnen, zitieren die PNN den Bericht des Instituts. Das RKI hatte die Klinik am 3. April inspiziert. Zum ungewöhnlich starken Ausbruch könnte laut den Experten beigetragen haben, dass ganze Stationen umgezogen seien und noch nicht erkannte Infizierte das Virus weiter verbreitet haben könnten. Da das Virus bis zu 72 Stunden auf toten Oberflächen überlebe, könne dies ebenfalls ein Infektionsherd im Haus gewesen sein.

Da der Ausbruch nicht unter Kontrolle sei, solle laut RKI-Bericht überlegt werden, in dem Haus ausschließlich Corona-Patienten zu behandeln. Der Zeitung zufolge könnte das Haus damit zur Corona-Klinik für ganz Brandenburg werden. Diese Information habe Oberbürgermeister Schubert bei der Präsentation des Berichts in der vergangenen Woche zurückgehalten. Die Stadt Potsdam teilte den PNN nun mit, dass es keine Pläne dieser Art gebe. Der SPD-Bürgermeister hatte die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, um zu ermitteln, ob drei Ärzte ihrer Meldepflicht nicht nachgekommen waren. Ebenso soll ein mögliches Versagen der Geschäftsführung geprüft werden.

Quelle: ntv.de, vpe