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Friedenskonferenz in Kabul Präsident bietet Taliban Waffenruhe an

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Vertreter aus 26 Ländern sind in Kabul zusammengekommen, um Absätze für den Frieden mit den Taliban zu diskutieren.

(Foto: picture alliance / Rahmat Gul/AP)

Die Taliban terrorisieren immer noch große Gebiete Afghanistans. Präsident Ghani will nun unter internationalem Druck ein Friedensangebot mit ihnen aushandeln. Das Problem: Die radikal-islamische Miliz lehnt bislang Gespräche mit der Regierung ab.

Zum Auftakt der Friedenskonferenz in der afghanischen Hauptstadt Kabul hat Präsident Aschraf Ghani den radikalislamischen Taliban eine Waffenruhe und andere weitreichende Zugeständnisse angeboten. Falls sich die Taliban, die zu der Konferenz nicht eingeladen worden waren, auf einen Friedensprozess einließen, sollten sie auch als politische Gruppe anerkannt werden, sagte Ghani. Außerdem könne auf Wunsch die Verfassung überarbeitet werden.

Ghani bot den Taliban zudem afghanische Pässe an, ein Büro in Kabul, die Entlassung von Gefangenen und die Streichung von Sanktionen. Der Präsident bestand aber darauf, dass Wahlen abgehalten werden. Er forderte die Taliban außerdem auf, die Regierung anzuerkennen.

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Präsident Aschraf Ghani bot der Taliban weitreichende Zugeständnisse an.

(Foto: REUTERS)

In seiner Auftaktrede sagte Ghani: "Anführer der Taliban und alle Mitglieder - die Entscheidung ist in euren Händen. Akzeptiert den Frieden. Kommt an den Verhandlungstisch und lasst uns dieses Land gemeinsam aufbauen." Er bot auch dem Nachbarland Pakistan, dem Afghanistan und die USA vorwerfen, die Taliban zu unterstützen, einen Neustart der zurzeit schwer belasteten Beziehungen an.

Taliban antworten auf Friedensangebot

Die Taliban reagierten mit Lob, aber auch Ablehnung auf das Friedensangebot. In einer auf einer Taliban-Webseite veröffentlichten Stellungnahme hieß es, es gebe keinen Zweifel, dass Ghani eine "ausgezeichnete Rede" voller neuer Angebote gehalten habe. Es sei eine friedensorientierte Rede gewesen. Sie habe aber einen wichtigen Punkt vermissen lassen: "Es ist klar, dass der Hauptgrund für den Krieg in Afghanistan die Präsenz ausländischer Truppen ist", heißt es in der Erklärung. Dazu habe Ghani aber kein Wort gesagt. Die Taliban erklärten, sie hätten immer gesagt, dass es Friedensgespräche nicht geben könne, solange ausländische Truppen im Land seien.

Die Taliban lehnen direkte Verhandlungen mit der afghanischen Regierung ab. Sie nennen sie ein "Marionetten-Regime". Wie sie erst am Montag in einer Stellungnahme wiederholt hatten, wollen sie mit den USA verhandeln, dem größten Truppensteller im Konflikt. Die USA hatten 2017 die Zahl ihrer Soldaten im Land aufgestockt und auch die Zahl ihrer Luftangriffe massiv gesteigert. Die Taliban kontrollieren oder beeinflussen nach offiziellen Angaben derzeit wieder mindestens 13 Prozent des Landes. Weitere 30 Prozent des Landes sind umkämpft.

"Frieden ohne Vorbehalte"

Für die eintägige Konferenz im Rahmen des sogenannten Kabul-Prozesses waren unter schweren Sicherheitsvorkehrungen Vertreter aus 26 Ländern zusammengekommen, darunter aus Deutschland sowie von drei internationalen Organisationen. Für Deutschland war der Sonderbeauftragte der Bundesregierung für Afghanistan und Pakistan, Markus Potzel, angereist. Er bot laut einem Tweet des stellvertretenden deutschen Botschafters Andreas von Brandt eine dritte Bonn-Konferenz an, um den Friedensprozess zu unterstützen. Eine erste Konferenz hatte Ende 2001 auf dem Petersberg in Königswinter stattgefunden, eine zweite wurde Ende 2011 in Bonn abgehalten.

Quellen aus dem Kreis der Organisatoren sagten, die internationale Gemeinschaft habe starken Druck ausüben müssen, um in Kabul das Signal für einen "Frieden ohne Vorbehalte" durchzusetzen. Die afghanische Regierung ist durch eine landesweite Serie von Attentaten der radikalislamischen Taliban schwer angeschlagen. In Kabul hatten diese erst im Januar bei zwei Anschlägen rund 130 Menschen getötet.

Nach dem zweiten Anschlag hatte Präsident Ghani gesagt, die Tür zu Friedensgesprächen sei für die Attentäter nun geschlossen. Sein oberster Sicherheitsberater soll nach afghanischen Medienberichten vergangene Woche in Doha, der Hauptstadt des Golfemirats Katar, Verhandlungen zur Schließung des dortigen halboffiziellen Taliban-Büros begonnen haben. Dies habe nicht dazu beigetragen, Frieden zu schaffen. Die erste Konferenz des "Kabul-Prozesses" war im vergangenen Jahr ohne konkrete Ergebnisse zu Ende gegangen.

Quelle: n-tv.de, hny/hul/dpa

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