Politik

Hunderte auf Algeriens Straßen Proteste gegen Präsidenten reißen nicht ab

In Algerien protesti

Trotz massiver Proteste hält Abdelaziz Bouteflika an seiner Kandidatur fest.

(Foto: REUTERS)

In Algerien ist kein Ende der Proteste gegen die erneute Kandidatur des 82-jährigen Präsidenten in Sicht. Erneut kommt es in mehreren Städten zu Demonstrationen. Die Polizei verschärft indessen die Sicherheitsvorkehrungen.

In mehreren algerischen Städten sind erneut Demonstranten gegen eine weitere Kandidatur des 82-jährigen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika auf die Straße gezogen. Augenzeugen berichteten, Hunderte protestierten unter anderem in den Städten Constantine und Jijel. Aktivisten verbreiteten zudem Bilder von Demonstrationen aus anderen Orten. Offenbar beteiligten sich daran vor allem Studenten.

In der Hauptstadt Algier verschärften am Morgen Sicherheitskräfte in Erwartung neuer Proteste ihre Kontrollen. Am Himmel waren zahlreiche Überwachungshubschrauber zu sehen. Bouteflika hatte am Sonntag trotz massiver Proteste offiziell seine Kandidatur bei der Präsidentenwahl am 18. April verkünden lassen. Sollte er wiedergewählt werden, wäre es für ihn die fünfte Amtszeit. Allerdings kündigte er an, er werde nicht die gesamte Amtszeit regieren und er wolle Reformen vorantreiben.

Bouteflika regiert das Land seit fast 20 Jahren. Derzeit befindet er sich in einer Genfer Klinik. Am Sonntag verlas das Staatsfernsehen einen Brief des Präsidenten. Wenn er bei der Wahl im Amt bestätigt werde, solle eine "nationale Konferenz" einen Termin für eine vorgezogene Wahl festsetzen, bei der er nicht mehr antreten werde, hieß es. Zeiträume wurden nicht genannt. Weiter hieß es in dem Brief: "Ich habe zugehört und die Rufe aus den Herzen der Demonstranten vernommen und insbesondere der Tausenden jungen Menschen, die an mich wegen der Zukunft unserer Heimat appelliert haben."

Staatschef als Marionette?

Der 82-jährige Bouteflika hat sich seit einem Schlaganfall vor sechs Jahren weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und sitzt im Rollstuhl. Kritiker halten den gebrechlichen Staatschef daher für eine Marionette seines Umfeldes. Algeriens Botschafter in Frankreich wies dies am Montag zurück. Der Präsident habe "zwar nicht mehr die Gesundheit eines 20-Jährigen", sagte Abdelkader Mesdoua dem Sender CNews. "Er hat aber den Verstand eines 20-Jährigen." Der Präsident treffe die wichtigen Entscheidungen selbstständig, beteuerte der Botschafter.

Neben Bouteflika ließ sich unter anderem der pensionierte General Ali Ghediri für die Präsidentenwahl im April registrieren. Der bei jungen Menschen beliebte Geschäftsmann Rachid Nekkaz kündigte ebenfalls seine Kandidatur an, allerdings gilt es als zweifelhaft, dass er die formellen Bedingungen für die Zulassung seiner Kandidatur erfüllt.

Die Hälfte der algerischen Bevölkerung ist unter 30 Jahre alt. In dem autoritär geführten Maghreb-Staat gibt es trotz des Ölreichtums große soziale Probleme: Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Korruption grassiert. Zwar kündigte Bouteflika Reformen an, als der Arabische Frühling 2011 die Region erschütterte. Menschenrechtsgruppen kritisieren aber weiterhin eine Unterdrückung von Opposition und Medien.

Quelle: ntv.de, nen/dpa/AFP

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