Politik

Weder Strom noch fließend Wasser Proteste in Havanna nach Blackout durch "Ian"

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Bei tropischen Temperaturen drohen in vielen Haushalten ohne Strom die ohnehin knappen Lebensmittel zu verderben.

(Foto: dpa)

Mit unbeschreiblicher Wucht fegt Hurrikan "Ian" auch über Kuba hinweg - und hinterlässt dort Tausende zerstörte Häuser und überflutet Straßen. Nun gehen die Menschen in der Hauptstadt Havanna auf die Straße, denn weder die Strom- noch die Wasserversorgung ist nach fünf Tagen wiederhergestellt.

Angesichts eines massiven Stromausfalls nach dem Hurrikan "Ian" hat es in Kuba den dritten Tag in Folge seltene Proteste gegeben. Auf der viel befahrenen Straße Línea in der Hauptstadt Havanna errichteten einige Anwohner des zentrumsnahen Stadtteils Vedado am Samstagabend (Ortszeit) mit umgekippten Müllcontainern eine Straßensperre. Ein paar Dutzend Teilnehmer demonstrierten dort auf Töpfe schlagend, weil sie seit fünf Tagen weder Strom noch fließendes Wasser hatten.

Militärvertreter des sozialistischen Einparteienstaats versuchten vor Ort, mit Zusicherungen zu beschwichtigen, es werde an der Reparatur der Leitungen gearbeitet. Sie wurden aber mit wütenden Beschwerden über die langsame Arbeit des Staates niedergeschrien. Manche Demonstranten forderten auch "Freiheit". Später riefen sich Regierungsgegner- und Befürworter gegenseitig Parolen zu.

Zivilpolizisten nahmen mindestens eine Person fest. Nach Berichten in sozialen Medien gab es auch in anderen Teilen Havannas Proteste. Der staatliche Stromanbieter UNE hatte zuvor mitgeteilt, das "Defizit in der Kapazität der Stromerzeugung" werde voraussichtlich den ganzen Tag andauern. Wie viele Menschen ohne Strom waren, wurde nicht mitgeteilt. Am Donnerstag hatte es geheißen, zehn Prozent der Anschlüsse in Havanna hätten Strom.

Wasserversorgung über elektrische Pumpen

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"Ian" war am Dienstag als Hurrikan der Kategorie 3 von 5 über den Westen des Karibiklandes hinweggefegt. Es gab Überschwemmungen, nach Regierungsangaben wurden Tausende Häuser und ein großer Teil der Infrastruktur der Tabakindustrie im wichtigen Anbaugebiet Pinar del Río zerstört. Es kam auch zu einem landesweiten Stromausfall. Bei vielen Menschen, auch in Gegenden der Hauptstadt, war die Stromversorgung bis Samstag nicht wiederhergestellt.

Betroffen war auch die Wasserversorgung, die über elektrische Pumpen funktioniert. Kubas Stromnetz war schon vor dem Sturm in schlechtem Zustand, es kommt zu häufigen Ausfällen. Diese waren auch ein Auslöser für Demonstrationen gegen die Regierung am 11. Juli 2021 - den wohl größten seit der kubanischen Revolution von 1959. Hunderte Teilnehmer wurden zu teils langen Haftstrafen verurteilt.

Quelle: ntv.de, jug/dpa

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