Politik

Clinton erklärt Hackerangriffe "Putin hatte Beef gegen mich"

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Hillary Clinton am 9. November, als sie ihre Niederlage gegen Donald Trump einräumte.

(Foto: AP)

Die US-Geheimdienste gehen davon aus, dass Russland hinter den Hackerangriffen im US-Präsidentschaftswahlkampf steckt. Ziel sei gewesen, Donald Trump zu helfen. Hillary Clinton sieht noch ein weiteres Motiv.

Die unterlegene US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton hat dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vorgeworfen, die Hackerangriffe im Wahlkampf aus Rache angezettelt zu haben. Das berichtet die "New York Times".

Bei einer Dankes-Veranstaltung für Wahlkampfspender in Manhattan sagte Clinton, die Hackerangriffe hätten das Ziel gehabt, "unsere Demokratie zu untergraben" und seien von Putin angeordnet worden, "weil er sauer auf mich ist". Wörtlich sagte sie, Putin habe "a personal beef" gegen sie. ("Beef" bedeutet in diesem Zusammenhang Streit und wird hauptsächlich mit der Hip-Hop-Szene in Verbindung gebracht.)

Laut "Washington Post" stimmen frühere Berichte nicht, die Bundespolizei FBI habe in dieser Frage eine andere Einschätzung als die amerikanischen Geheimdienste. FBI-Chef James Comey und Geheimdienstchef James Clapper stimmten der Einschätzung der CIA zu, dass Russland mit seinen Hackerangriffen auch das Ziel verfolgt habe, Donald Trump zum Sieg zu verhelfen.

Die Enthüllungsplattform Wikileaks hatte im Präsidentschaftswahlkampf E-Mails veröffentlicht, die offensichtlich aus Hackerangriffen stammen. Diese Angriffe richteten sich gegen die Spitze der Demokratischen Partei sowie gegen Clintons Wahlkampfchef John Podesta. Aus den Mails ging beispielsweise hervor, dass die demokratische Politikerin Donna Brazile, die als Kommentatorin bei CNN arbeitete, vor einem TV-Duell im Vorwahlkampf Fragen an das Clinton-Wahlkampfteam geschickt hatte.

"Das war ein Angriff gegen unser Land"

Größere Skandale wurden von Wikileaks mit diesen Mails nicht aufgedeckt. Allerdings trugen die Mails dazu bei, dass im Wahlkampf immer wieder über Clintons Spender an der Wall Street, über ihre von Banken bezahlten Redeauftritte und ähnliches berichtet wurde. Russland bestreitet, für die Hacks verantwortlich zu sein. Trump teilt diese Sichtweise; er nannte den Vorwurf, "lächerlich".

Clinton sagte bei ihrem Auftritt in Manhattan, Putin habe sie öffentlich dafür verantwortlich gemacht, Proteste in Russland angefacht zu haben. Es gebe eine "direkte Verbindung zwischen dem, was er damals gesagt hat, und dem, was er in diesem Wahlkampf gemacht hat".

Sie bezog sich dabei offenbar auf Proteste gegen die nach Ansicht der Demonstranten gefälschten russischen Parlamentswahlen im Dezember 2011. Clinton, die damals US-Außenministerin war, hatte sich der Sichtweise der russischen Bürgerrechtler angeschlossen und eine Untersuchung der Wahlergebnisse gefordert. Putin warf Clinton seinerzeit vor, den Demonstranten ein "Signal" gegeben zu haben, um seine Macht zu untergraben. "Wir müssen uns vor diesen Einmischungen in unsere inneren Angelegenheiten schützen", sagte Putin damals.

"Das war nicht nur ein Angriff auf mich und meinen Wahlkampf", sagte Clinton vor den Spendern. "Das war ein Angriff gegen unser Land. Das geht weit über normale politische Belange hinaus. Hier geht es um die Integrität unserer Demokratie und die Sicherheit unserer Nation."

Neben den Hackerangriffen machte sie auch die öffentliche Ankündigung von FBI-Direktor Comey, noch einmal in der E-Mail-Affäre zu ermitteln, für ihre Wahlniederlage verantwortlich. Wähler in den Swing States hätten sich wegen dieser Ankündigung kurz vor der Wahl gegen sie entschieden, so Clinton. Diese Ermittlungen endeten, wie eine erste Untersuchung ein paar Monate zuvor, ohne Ergebnis. Eine Anklage gegen Clinton, weil sie in ihrer Zeit als Außenministerin eine private Mail-Adresse benutzt hatte, gab es nie.

Quelle: n-tv.de, hvo

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