Politik

Brasilien verspottet Präsidenten Putin lobt Bolsonaros "männliche Qualitäten"

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Putin und Bolsonaro vor einem Jahr beim Brics-Gipfel in Brasilien.

(Foto: imago images/ZUMA Press)

"Mut und Willenskraft": Zwei Eigenschaften, die kernige Männer gerne für sich reklamieren. Brasiliens Staatschef Bolsonaro gibt sogar damit an, dass sein russischer Kollege Putin ihm diese Qualitäten zuschreibt - und erntet deshalb reichlich Spott von seinen Landsleuten.

Mit einem Lob auf die "männlichen Qualitäten" des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro hat dessen russischer Kollege Wladimir Putin für Spott in Brasiliens Online-Netzwerken gesorgt. Bolsonaro verbreitete ein Video bei Facebook, in dem Putin ihm auf einem Online-Gipfel der Brics-Staaten attestiert, bei seiner Corona-Infektion im Juli die "besten männlichen Qualitäten wie Mut und Willenskraft bewiesen" zu haben.

Zahlreiche Internetnutzer machten sich daraufhin mit Memes über die Beziehung der beiden Staatschefs lustig. Auf Fotomontagen waren etwa Putin und Bolsonaro mit nackten Oberkörpern auf einem Pferd zu sehen.

Putin lobte bei dem virtuellen Treffen der Staats- und Regierungschefs von Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika zudem Bolsonaros Management der Corona-Pandemie, das viele Epidemiologen als chaotisch und unverantwortlich kritisiert hatten. Der brasilianische Präsident hatte sich im Juli selbst mit dem Coronavirus angesteckt, nachdem er bei zahlreichen öffentlichen Auftritten vor seinen Anhängern ohne Maske erschienen war.

"Notorisch homophob"

Reinaldo Azevedo, einer der angesehensten politischen Kommentatoren Brasiliens wies darauf hin, dass Putin ebenso wie Bolsonaro ein "notorisch Homophober" sei. Der rechtsradikale Staatschef Bolsonaro war in der Vergangenheit immer wieder mit schwulenfeindlichen Äußerungen aufgefallen.

Azevedo erinnerte auch daran, dass Bolsonaro die unerwartete Unterstützung aus Moskau nach der Wahlniederlage seines wichtigsten Verbündeten und Vorbilds, des US-Präsidenten Donald Trump, willkommen gewesen sein dürfte. Ebenso wie Trump hat Bolsonaro dessen Niederlage bisher nicht anerkannt und dem gewählten US-Präsidenten Joe Biden nicht zu dessen Sieg gratuliert.

Brics-Staaten könnten gemeinsam nach Impfstoff forschen

Auf dem Online-Gipfel der Brics-Staaten tagten Russland, Brasilien, Indien, China und Südafrika, um sich für eine faire und bezahlbare Verteilung von Impfstoffen einzusetzen, heißt es in der Abschlusserklärung. Effektive Impfstoffe müssten für alle zugänglich und bezahlbar sein, so die Moskauer Gipfelerklärung. Dafür seien gemeinsame internationale Anstrengungen nötig.

Kremlchef Wladimir Putin sprach sich bei dem wegen der Pandemie erstmals als Video-Konferenz organisierten Gipfel für ein gemeinsames Impfforschungszentrum aus. Moskau sei bereit, mit den anderen Ländern bei der Produktion russischer Corona-Impfstoffe zusammenzuarbeiten. Russland hat bereits zwei Impfstoffe gegen das Coronavirus für eine Anwendung in der breiten Bevölkerung freigegeben - gegen internationale Bedenken. Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping kritisierte die einseitigen Sanktionen gegen einzelne Staaten als unzulässige Einmischung in deren innere Angelegenheiten.

Zugeschaltet waren außerdem der indische Premierminister Narendra Modi sowie die Präsidenten Brasiliens und Südafrikas, Jair Bolsonaro und Cyril Ramaphosa. Die Brics-Staaten repräsentieren mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung und fast ein Viertel der globalen Wirtschaftsleistung. Das Kürzel Brics setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Länder zusammen.

Quelle: ntv.de, soe/AFP