Politik

Mach's gut, Angela Putin reicht Merkel zum Abschied Blumen

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Was Merkel nach zwanzig Kreml-Besuchen wirklich über Putin denkt, behält sie für sich.

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

In den 16 Jahren ihrer Kanzlerschaft redet Angela Merkel sehr viel mit Putin. Auch wenn sie bei ihren zwanzig Besuchen im Kreml wenig Handfestes erreicht hat: Das Gespräch mit Russland ist nie abgerissen. Zu dieser Maxime bekennt sie sich auch bei ihrem letzten Auftritt.

Lächelnd und mit einem Blumenstrauß geht Wladimir Putin auf Angela Merkel zu. Die Bundeskanzlerin ist am Mittag zu ihrem wahrscheinlich letzten Besuch in den Kreml gekommen - und der russische Präsident empfängt sie trotz der zuletzt frostigen Beziehungen zwischen Moskau und Berlin höflich und charmant.

In den langen Jahren des Regierens sind sich Merkel und Putin näher gekommen, als ihnen lieb sein dürfte. Über all die Jahre ertrug die Kanzlerin Putins Mischung aus Kraftmeierei und Charme mit jener spöttischen Distanziertheit, die sie sich für den Umgang mit allzu eitlen Männern angeeignet hat. Merkel ließ Putins Provokationen ins Leere laufen, sie nahm seine Machtspielchen hin und ließ doch das Gespräch nie abreißen, egal wie schlecht das Verhältnis gerade war. Auch beim letzten Treffen wirbt Merkel für eine Fortsetzung des Dialogs mit Russland trotz der aktuell "tiefgreifenden Differenzen".

Merkel und Putin - ein ungleiches Paar. Gut waren ihre Beziehungen nie, aktuell befinden sie sich in einem Zustand fortschreitender Entfremdung. Vertrauen ist zwischen beiden nicht gewachsen - eher eine Art Respekt, der darauf beruht, das beide wissen, was sie vom anderen zu erwarten haben.

Putin: "Sie bemüht sich ehrlich"

Der FDP-Außenexperte Alexander Graf Lambsdorff, ein langjähriger Kenner der deutsch-russischen Beziehungen, hält Merkel zugute, dass der Machtpolitiker Putin sie als Partnerin auf Augenhöhe akzeptiert hat. Merkel habe sich in ihrer 16-jährigen Amtszeit "viel Respekt verschafft, auch beim russischen Präsidenten Putin", sagt Lambsdorff.

Putin kann durchaus charmant sein im Verhältnis zur Kanzlerin. Mal überreicht er ihr Blumen, mal hilft er ihr in den Mantel. Wenn er sie freilich mal ärgern will, erschreckt er sie mit einem Hund - so geschehen 2007 mit seinem Labrador "Koni". "Ich vertraue ihr, sie ist ein sehr offener Mensch", sagte Putin vor einigen Jahren über Merkel. "Sie bemüht sich ehrlich darum, die Krisen beizulegen." Von der Kanzlerin sind ähnliche Äußerungen über Putin nicht bekannt.

Was Merkel persönlich von ihm denkt, behält sie für sich. Wenn sie ihm öffentlich Grenzen aufzeigen will, tut sie dies mit kühlem Spott - etwa 2012, als Putin bei einer gemeinsamen Veranstaltung verärgert über kritische Journalisten herzog und Merkel dem Kreml-Herrn trocken entgegnete: "Wenn ich immer gleich eingeschnappt wäre, könnte ich keine drei Tage Bundeskanzlerin sein." Das saß.

Bei Menschenrechten reagiert Putin genervt

Auch wenn politisch mit Putin oft nicht viel ging - Merkel setzte immer auf das Gespräch. Bei einem früheren Besuch in Moskau formulierte sie es einmal so: "Unsere Freundschaft wird nicht besser, wenn wir alles unter den Teppich kehren und nicht darüber diskutieren." Und wenn Merkel dann Themen wie Menschenrechte und Pressefreiheit unter dem Teppich hervorholte, reagierte Putin gerne mal demonstrativ genervt.

Geredet hat Merkel gewiss sehr viel mit Putin - der Besuch in Russland am Freitag ist ihr zwanzigster als Kanzlerin. Beim Reden hat sie allerdings wenig erreicht, moniert FDP-Politiker Lambsdorff: "Es ist Kanzlerin Merkel nicht gelungen, eine westliche Antwort auf das geopolitische Machtspiel und die gezielten Fake-News-Kampagnen Russlands zu entwickeln, die unser Wertesystem nachweislich stark beschädigen."

Was bleibt also vom Verhältnis der beiden? Wohl zumindest die Erkenntnis, dass es ein solches deutsch-russisches Duo nicht mehr geben wird. Beide sprechen die Sprache des jeweils anderen. Sie teilen die Erfahrung mit dem Leben in der untergehenden DDR, in der Putin als KGB-Offizier diente. Und allein die schiere Dauer ihrer Machtausübung sorgte dafür, dass die beiden zuletzt eine Sonderstellung auf der Weltbühne einnahmen.

Quelle: ntv.de, Von Peter Wütherich, AFP

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