Politik

Doch kein Abzug aus Duma? Rebellen dementieren Einigung in Ost-Ghuta

a78c570d35a0e1e4a37eed0fcd97e6e9.jpg

Rebellen verlassen Duma in Bussen - eine Rebellengruppe will jedoch "standhaft" bleiben.

(Foto: REUTERS)

Ost-Ghuta steht vor der Einnahme durch die syrische Armee. Auch eine letzte Rebellengruppe soll einem Abzug zugestimmt haben. Doch diese dementiert das. Man wolle "standhaft" bleiben, heißt es. Dabei sind andere Kämpfer längst auf den Weg gen Norden.

Die Rebellengruppe Dschaisch al-Islam bestreitet eine Einigung mit der syrischen Führung über den Abzug aus ihrer letzten Bastion im Gebiet Ost-Ghuta. "Dschaisch al-Islam hat beschlossen, standhaft zu bleiben", sagte ein Vertreter der islamistischen Rebellengruppe am Sonntag. "Die Idee eines Abzuges liegt nicht auf dem Tisch."

Allerdings begannen die Rebellen laut staatlichen Medienberichten mit dem Abzug. Zwei Busse sollten die ersten Kämpfer der Gruppierung Dschaisch al-Islam und ihre Angehörigen aus der früheren Rebellenhochburg bei Damaskus bringen, berichtete das syrische Staatsfernsehen. Ihr Ziel sei die Stadt Dscharabulus in Nord-Syrien, die noch von Rebellen kontrolliert wird.

Staatliche Medien hatten zuvor bereits berichtet, die Gruppe, die die Stadt Duma dominiert, habe offenbar eine Kapitulationsvereinbarung geschlossen. Die Kämpfer würden in ein von Rebellen kontrolliertes Gebiet im Norden des Landes gebracht. Auch die oppositionelle Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete die Einigung. Solche Berichte seien psychologische Kriegsführung, sagte dagegen der Vertreter von Dschaisch al-Islam. Sie sollten dazu dienen, die Rebellen zur Aufgabe zu zwingen.

Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, rund 1200 Kämpfer von Failak al-Rahman, einer anderen Rebellengruppe, hätten bereits zusammen mit ihren Familien Duma verlassen. Sie seien am Sonntag mit 24 Bussen weggebracht worden. Die Rebellen würden in Richtung der von ihnen gehaltenen Region Idlib im Nordwesten des Landes aufbrechen. Zuvor hatten bereits andere Rebellengruppen die Region verlassen.

Am Samstag hatte die syrische Armee erklärt, sie habe das Gebiet Ost-Ghuta nahezu vollständig zurückerobert. Gegner der Regierung kontrollierten die Region nahe der Hauptstadt Damaskus seit 2012. Für die Regierung würde die Einnahme des Gebietes einen weiteren wichtigen Erfolg im Bürgerkrieg bedeuten. Für die Opposition ist es hingegen die schwerste Niederlage seit dem Verlust der Rebellengebiete der nordsyrischen Großstadt Aleppo im Dezember 2016.

Ost-Ghuta ist für die Regierung strategisch bedeutend, weil die Rebellen von hier aus die Hauptstadt bedrohten. Immer wieder feuerten Milizen Granaten auf Damaskus ab. Unterstützt von der verbündeten russischen Luftwaffe hatte Syriens Armee Mitte Februar die heftigste Angriffswelle auf Ost-Ghuta seit Beginn des Bürgerkriegs im März 2011 begonnen. Bilder von Tod und Zerstörung schockten die Welt. Mehr als 100.000 Zivilisten flohen aus dem Gebiet.

Quelle: n-tv.de, mli/rts/dpa

Mehr zum Thema