Politik

Wong über Lage in Hongkong "Regierung muss den Wahnsinn beenden"

Joshua Wong ist das Gesicht des Protestes in Hongkong. Während sich noch immer Demonstranten in der Polytechnischen Universität verschanzen, fordert er im Interview mit n-tv: "Die Weltführer müssen jetzt ein klares Signal an Präsident Xi Jinping senden."

n-tv: Herr Wong, wie ist die Lage an der Universität? Haben Sie Kontakt zu den Protestierenden, die dort weiter ausharren?

Joshua Wong: Ja, ich habe Kontakt. Sie harren dort weiter aus, weil sie keine Alternative haben. Es ist nach wie vor ein unerträglicher Vorgang, mit welcher Gewalt die Polizei auf dem Campus vorgegangen ist. Sie haben Gummigeschosse und Tränengas eingesetzt. Auch Ärzte und Schwestern sind verhaftet worden. Selbst in einem Krieg würden das Soldaten nicht machen. Die Regierung von Hongkong und die Polizei haben kein Respekt vor universellen Rechten. Das ist Wahnsinn. Und das alles ist nicht neu. Das ist der Grund, warum die Proteste weiter eskaliert sind.

Am Wochenende gibt es Wahlen in Hongkong. Sie sind vorab von den Wahlen ausgeschlossen worden. Warum ist es trotzdem wichtig, dass sie stattfinden?

Die Wahlen in Hongkong werden von Peking und der Kommunistischen Partei manipuliert. Sonntag ist der Tag, um ein Protestvotum abzugeben und zu zeigen, wie Hongkong denkt und die Welt wissen zu lassen, was wir von der Politik von Präsident Xi Jinping halten. Das wird unser Referendum. Wir werden von 80 Prozent der Bevölkerung unterstützt.

Die Proteste halten jetzt seit fünf Monaten an. Sie haben einiges erreicht, das Auslieferungsgesetz gestoppt. Aber gleichzeitig ist der Druck aus Peking immer größer geworden. Laufen Sie nicht Gefahr, dass Ihre Bewegung in eine Sackgasse läuft?

Hongkong ist seit 22 Jahren in einer Sackgasse. Das Ein-Staat-zwei-Systeme-Modell erodiert. Wir müssen und wir werden den Geist der Demokratie aufrechterhalten.

Haben Sie Angst vor einer Militär-Intervention Chinas?

Niemand würde das gut finden. Im Übrigen, die Armee ist ja schon präsent in Hongkong. Was wir überhaupt nicht brauchen, ist eine Wiederholung der Ereignisse von Peking auf dem Tiannanmen-Platz 1989. Die Weltführer müssen jetzt ein klares Signal an Präsident Xi Jinping senden. Hongkong steht in vorderster Linie, die liberalen Werte und die Freiheit zu verteidigen.

In den letzten Wochen ist die Gewalt der Proteste weiter eskaliert, auch auf der Seite der Protestierenden. Akzeptieren Sie das als letztes Mittel, wenn es anders nicht mehr geht?

Niemand möchte Gewalt sehen. Niemand. Aber wenn eine Regierung und deren Polizei Opfer verhöhnen und ihrerseits immer gewalttätiger gegen die Protestierenden vorgehen, dann verstehe ich, dass Barrikaden zur Selbstverteidigung errichtet werden. Wir müssen den Druck auf die Regierung erhöhen, diesen Wahnsinn zu beenden.

Vor zwei Monaten waren Sie in Europa, auch in Deutschland. Wie sehen Sie die Unterstützung aus dem Westen, was erwarten Sie vom Westen?

Der US-Kongress hat jetzt gezeigt, wie das geht. Der Westen darf nicht länger ruhig bleiben: Sanktionen gegen Personen, die für schwere Menschenrechtsverletzungen in Hongkong verantwortlich sind und ein Exportverbot von Tränengas, Gummigeschossen, Wasserwerfern und Handschellen an die Polizei in Hongkong.

Was ist Ihre größte Sorge für die Zukunft?

Wir müssen alles tun, dass wir die Autonomie Hongkongs erhalten.

Deutschland will nicht automatisch Huawei beim Aufbau eines 5G-Netzes ausschließen, wie sehen Sie das?

Peking nutzt Huawei für seine Expansionspläne. Die Welt sollte sich dessen bewusst sein. Huawei wird von der Kommunistischen Partei Chinas dominiert. Die Achtung von Privateigentum und die Achtung von freiem Informationsfluss sind weit von dem entfernt, was wir erleben.

Mit Joshua Wong sprach Dirk Emmerich

Quelle: n-tv.de

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