Politik

Al-Kaida-Ableger droht militärischer Großangriff Regierung würde Falludscha stürmen

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Stammeskrieger sollen gemeinsam mit der irakischen Armee die Islamisten der ISIL vertreiben.

(Foto: AP)

Das Wiedererstarken der Al-Kaida im Irak und die Eroberung Falludschas durch einen militärischen Ableger treiben die Spaltung des Landes voran. Die Regierung in Bagdad will dem nicht tatenlos zusehen und droht den Islamisten mit einem Großangriff.

Im Kampf um Falludscha kündigt die Regierung in Bagdad als letztes Mittel die Erstürmung der Stadt an. Zunächst solle aber weiter versucht werden, die der Al-Kaida nahestehenden Extremisten dort zu vertreiben. Ministerpräsident Nuri al-Maliki forderte Bewohner und Stammesanführer auf, "die Terroristen aus der Stadt zu werfen, um sich selbst das Risiko bewaffneter Kämpfe zu ersparen".

Eine konkrete Frist setzte der Regierungschef, der auch der Oberkommandierende der Streitkräfte ist, nicht, wie ein hochrangiger Vertreter der Sicherheitskräfte sagte. "Aber das Ende ist nicht offen. Wir werden nicht lange warten. Wir sprechen hier nur von ein paar Tagen." Denn je mehr Zeit vergehe, umso stärker würden die Extremisten.

Bei Kämpfen um die Vorherrschaft in der westirakischen Provinz Anbar wurden in den vergangenen drei Tagen mehr als 200 Menschen getötet. Gerungen wird auch um die  Vorherrschaft in der weiter westlich gelegenen Stadt Ramadi. Dort  waren den ganzen Montag über Gefechte in mehreren Stadtvierteln zu hören.

ISIL-Einheiten werden immer stärker

Die im vergangenen Jahr aus einem Zusammenschluss des irakischen und des syrischen Al-Kaida-Flügels hervorgegangene Gruppe Islamischer Staat im Irak und der Levante (ISIL) kontrolliert mittlerweile große Teile der überwiegend von Sunniten bewohnten Provinz Anbar. Diese grenzt an das Bürgerkriegsland Syrien, wo ebenfalls Al-Kaida-Kämpfer aktiv sind.

Falludscha ist mit 300.000 Einwohnern eines der Zentren Anbars. Die Bewohner sind gespalten in ihrer Haltung zu den Extremisten. So sagte ein Stammesfürst, man werde versuchen, die Al-Kaida-Extremisten zum Verlassen der Stadt zu bewegen. "Falludscha hat genug Blut und Tote gesehen. Wir haben genug von der Gewalt", fügte er in Anspielung auf die Schlachten hinzu, die vor allem 2004 in der "Stadt der Moscheen" tobten, als US-Truppen dort zwei Offensiven gegen Aufständische führten. Doch viele Bewohner halten zu den Extremisten, da sie sich von der Regierung des Schiiten Maliki unterdrückt fühlen.

Die USA haben Maliki bei der Bekämpfung der Al-Kaida Unterstützung zugesagt. Sie schlossen allerdings aus, erneut Soldaten in den Irak zu entsenden. Zwei Jahre nach dem Abzug der amerikanischen Truppen droht das Land in einer Welle der Gewalt zu versinken, die viele an die bürgerkriegsähnliche Phase von vor etwa sieben Jahren erinnert.

Quelle: ntv.de, ppo/dpa/AFP/rts