Politik

Das ist die neue Saarland-Chefin Rehlinger jagt CDU das nächste Bundesland ab

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Rehlinger jubelt am Wahlabend vor Parteimitgliedern.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die erste Wahl des Jahres geht an die SPD und das hat sie vor allem ihrer Spitzenkandidatin zu verdanken. Anke Rehlinger ist nahbar und belastbar und beschert mit ihrem Wahlsieg auch der Bundes-SPD etwas Rückenwind.

Nach Jahren auf dem zweiten Platz ist Anke Rehlinger die Machtübernahme im Saarland geglückt. In ihrem zweiten Anlauf gelingt es der SPD-Politikerin bei der Landtagswahl, den bisherigen CDU-Ministerpräsidenten Tobias Hans abzulösen - und das mit einem Tusch: Die SPD erobert mit voraussichtlich mehr als 43 Prozent nach mehr als 20 Jahren das Saarland zurück und kann auf eine absolute Mehrheit hoffen. Die Sozialdemokraten werden damit im Saarland erstmals seit der Wahlniederlage von Reinhard Klimmt im Jahr 1999 wieder in die Staatskanzlei einziehen.

Dabei sah es lange gar nicht gut für Rehlinger und die SPD aus - bis zur Bundestagswahl im September, bei der die SPD der Union nach 16-jähriger Kanzlerschaft die Macht abrang. Doch wenig später sagten Umfragen auch für das Saarland erstmals seit Jahren eine Wechselstimmung voraus. Im November überholte die SPD die CDU - vor der Wahl zog Rehlingers Partei in Umfragen auf 37 bis 39 Prozent davon, während die CDU auf 30 bis 31 Prozent abrutschte. Ein viel kritisiertes Wutvideo von sich vor einer Tankstelle dürfte der letzte Sargnagel für Hans Ambitionen gewesen sein.

Ein Groko-Sympathisantin

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Die 45-jährige Rehlinger steht seit 2014 an der Spitze des Landesministeriums für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr. Zudem ist sie stellvertretende Ministerpräsidentin in der scheidenden schwarz-roten Landesregierung. Die Ämter übernahm sie von ihrem Parteikollegen Heiko Maas, der in die Bundespolitik wechselte. 2017 trat sie zum ersten Mal als SPD-Spitzenkandidatin an, damals noch gegen CDU-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer.

Rehlinger macht keinen Hehl daraus, dass sie die im Saarland seit 2012 regierende große Koalition bevorzugt. "Ich habe seit jeher große Sympathien für die Groko", sagte sie jüngst im Fernsehduell des Saarländischen Rundfunks. Eine Zusammenarbeit mit der Linken schloss sie aus, weil die Partei "aktuell nicht regierungsfähig" sei. Ob im Saarland die SPD künftig alleine, mit den Grünen oder doch wieder mit der CDU regiert, bleibt abzuwarten. Auch ein Bündnis mit der FDP, wenn sie denn den Einzug schafft, scheint möglich.

Rehlingers Landesrekord steht

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Persönlich ist Rehlinger im Saarland schon seit langer Zeit deutlich beliebter als Hans. Bereits vor dem von der Coronapandemie geprägten Wahlkampf zeigte sie stets, dass sie offen auf Menschen zugehen kann. Die SPD-Politikerin kommt leicht mit ihnen ins Gespräch und wechselt ebenso gern wie schnell in den Dialekt. Auch eine Infektion mit dem Coronavirus im März bremste sie im Wahlkampf nicht aus.

"Es ist gut für einen erfolgreichen Wahlkampf, dass man vorher mal Leistungssport gemacht hat", sagte Rehlinger kürzlich in einem Interview und erinnerte damit an ihre sportlichen Erfolge in der Vergangenheit. Denn Rehlinger war einst eine der besten Leichtathletinnen des Saarlands. Ihr Landesrekord im Kugelstoßen von 16,03 Metern aus dem Jahr 1996 hält noch immer.

Wenn die Kleinen die Großen stützen

Die sportbegeisterte Rehlinger studierte schließlich Jura in Saarbrücken und begann, sich politisch zu engagieren. Seit 1998 gehört sie der SPD an. Sie war stellvertretende Juso-Vorsitzende, engagierte sich im Kreisverband Merzig-Wadern und ist seit 2018 Landesvorsitzende der SPD.

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Im Landtag sitzt Rehlinger bereits seit 2004. Nach Bildung der schwarz-roten Landesregierung wurde die Mutter eines Sohns im Mai 2012 zunächst Ministerin für Justiz sowie für Umwelt und Verbraucherschutz, bevor sie 2014 zur Wirtschaftsministerin und stellvertretenden Ministerpräsidentin aufstieg. Im Januar 2021 wurde die Trennung von ihrem Mann bekannt.

Der neue SPD-Bundeskanzler Olaf Scholz ließ sich im Wahlkampf im Saarland indes erst spät blicken. Auf seine Hilfe scheint Rehlinger aber auch nicht angewiesen zu sein - im Gegenteil. Ihre Popularität und das gute Wahlergebnis könnten der in Umfragen zuletzt mitunter etwas schwächelnden Bundes-SPD womöglich umgekehrt sogar Aufwind verschaffen. "Das Comeback der SPD, das wir bei der Bundestagswahl erlebt haben, das ist nicht einmalig bei der Bundestagswahl gewesen, sondern wir gewinnen auch danach noch Wahlen", jubelt SPD-Chef Lars Klingbeil nach den ersten Zahlen. Er macht aber auch deutlich, dass der Sieg in erster Linie auf das Konto der Saar-SPD und ihrer Spitzenkandidatin geht: "Es ist ein sensationeller Sieg, den wir dort im Saarland sehen. Er ist mit dem Namen Anke Rehlinger, mit der SPD im Saarland verbunden."

Quelle: ntv.de, shu/AFP

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