Politik

Der Kriegstag im Überblick USA kündigen große Waffenlieferung an - Ukraine wehrt Angriffe im Donbass ab

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Die Ukraine erhält von den USA weitere Panzerabwehrraketen des Typs Javelin.

(Foto: IMAGO/SNA)

Die Welt blickt mit Sorge auf die Entwicklungen rund um das AKW Saporischschja. Zudem bereiten die russischen Besatzer im Süden der Ukraine ein Referendum vor, im Donbass gibt es weitere schwere Gefechte. Und: Die USA kündigen das bisher größte Paket an Waffenlieferungen an. Der 166. Kriegstag im Überblick.

Sorge wegen Atomkraftwerk Saporischschja

Angesichts neuer gegenseitiger Vorwürfe zwischen Russland und der Ukraine wächst international die Sorge um Europas größtes Atomkraftwerk Saporischschja. UN-Generalsekretär António Guterres warnte: "Jeder Angriff auf ein Atomkraftwerk ist eine selbstmörderische Angelegenheit." Das AKW im Süden der Ukraine, das unter russischer Kontrolle steht, wurde in den vergangenen Tagen mehrfach mit Raketen beschossen. Die beiden Kriegsparteien geben sich gegenseitig die Schuld.

Guterres verlangte, dass Experten der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEA) Zugang zu Saporischschja bekommen. Russland lehnt dies bislang ab. Der Kreml forderte vom Westen, seinen Einfluss auf Kiew geltend zu machen, damit das AKW nicht nochmals beschossen wird. Kremlsprecher Dmitri Peskow warnte vor katastrophalen Folgen für ganz Europa. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wiederum machte Moskau für die Raketenangriffe verantwortlich. Die eigenen Leute sollen die Russen zuvor in Bunkern in Sicherheit gebracht haben.

Russische Besatzer wollen Referendum abhalten

Im russisch besetzten Teil des Gebiets Saporischschja fiel unterdessen der Startschuss für ein Referendum zum Beitritt nach Russland. Der moskautreue Militärgouverneur Jewgeni Balizki unterzeichnete dazu einen Erlass. Einen Termin nannte er nicht. Unklar ist, wie eine solche Abstimmung, die die Ukraine nicht anerkennen würde, organisiert werden sollte. Selenskyj hatte bereits gewarnt, dass solche Abstimmungen alle Chancen auf Friedensverhandlungen zunichtemachen würden.

Selenskyj hofft auf weitere Waffen - Großes US-Paket angekündigt

Präsident Selenskyj deutete an, dass er bald mit weiteren Waffen aus dem Westen rechnet. "Nächste Woche erwarten wir Neuigkeiten von Partnern bezüglich der Hilfspakete. Gute Nachrichten!", sagte Selenskyj am Sonntagabend in einer Videoansprache. Die Waffenlieferungen seien Schlüssel der erfolgreichen Verteidigung. Die entsprechende Mitteilung folgte einen Tag später.

Die US-Regierung hat weitere Militärhilfen in Milliardenhöhe angekündigt. In dem eine Milliarde US-Dollar (980 Millionen Euro) schweren Paket seien unter anderem zusätzliche Munition für die Raketenwerfersysteme des Typs HIMARS und NASAMS sowie 1000 Panzerabwehrraketen vom Typ Javelin enthalten, teilte das Pentagon mit. Es handle sich um die bisher größte Waffenlieferung aus US-Beständen an die Ukraine. Insgesamt hätten die USA der Ukraine seit Antritt der Regierung von US-Präsident Joe Biden vor gut eineinhalb Jahren damit Waffen und Ausrüstung im Wert von rund 9,8 Milliarden Dollar zugesagt.

Zusätzlich will die US-Regierung die Ukraine mit weiteren 4,5 Milliarden Dollar (rund 4,4 Milliarden Euro) für den Staatshaushalt unterstützen. Mit dem Geld solle das durch Russlands "brutalen Angriffskrieg" verursachte Haushaltsdefizit gelindert werden, teilte die US-Behörde für internationale Entwicklung mit. Die Regierung der Ukraine werde die Mittel in Tranchen erhalten, beginnend mit einer Auszahlung von drei Milliarden im August. Die Mittel sollen dem Land über die Weltbank zur Verfügung gestellt werden. Die zusätzliche Finanzierung solle dazu beitragen, dass die ukrainische Regierung grundlegende Funktionen für ihre Bevölkerung aufrechterhalten könne, hieß es weiter.

Schwere Angriffe im Osten und Süden

In der ostukrainischen Provinz Donezk toben weiter schwere Kämpfe bei den Städten Bachmut und Awdijiwka. Östlich und südlich der Nachbarstädte Soledar und Bachmut seien russische Angriffe abgewehrt worden, teilte der ukrainische Generalstab mit. Ebenso seien russische Vorstöße östlich von Siwersk und südwestlich der Stadt Awdijiwka gescheitert.

Ukraine beschießt Brücke im besetzten Cherson

Im Süden des Landes haben ukrainische Truppen laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax erneut eine strategisch wichtige Brücke in der russisch-kontrollierten Stadt Cherson beschossen. Baumaschinen seien beschädigt worden, was die Wiedereröffnung der Brücke verzögere, meldete die Agentur unter Berufung auf einen Behördenvertreter. Die Brücke ist einer von nur zwei Übergängen, über die russische Streitkräfte Zugang zu einem Gebiet bekommen, das sie am Westufer des Flusses Dnipro in der Südukraine besetzt haben. Die ukrainischen Truppen haben die Brücke in den vergangenen Wochen mit von den USA gelieferten Hochpräzisionsraketen beschossen und versucht zu zerstören - womöglich zur Vorbereitung einer Gegenoffensive.

Moskau meldet Erfolge gegen HIMARS-Raketenwerfer

Indes haben die russischen Streitkräfte nach eigenen Angaben im Süden und Osten der Ukraine 19 in den USA hergestellte Raketen abgeschossen, die vom Mehrfachraketenwerfer-System HIMARS abgefeuert worden seien. Zudem seien in der Nähe des ostukrainischen Kramatorsk mehrere HIMARS-Fahrzeuge zerstört worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau weiter mit. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Ukraine meldet Ankunft erster "Gepard"-Panzer

Mittlerweile hat die Ukraine nach eigenen Angaben die ersten drei "Gepard"-Flugabwehrpanzer aus Deutschland erhalten. Sie würden zum Einsatz kommen, um wichtige Infrastruktur-Einrichtungen zu verteidigen, teilte das südliche Militärkommando mit. Das Waffensystem wird von einer dreiköpfigen Besatzung bedient und kann Ziele in einer Entfernung von bis zu vier Kilometern erreichen.

Pentagon: Bis zu 80.000 Russen in Ukraine-Krieg getötet oder verletzt

Nach Schätzungen des US-Verteidigungsministeriums sind auf russischer Seite 70.000 bis 80.000 Menschen getötet oder verletzt worden. Die russische Armee habe außerordentliche Verluste gemacht, weil das ukrainische Militär gut funktioniere und viel Unterstützung bekommen habe, sagte der Pentagon-Spitzenbeamte Colin Kahl. Er bezeichnete den Krieg als den "intensivsten konventionellen Konflikt in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg". Aktuelle Angaben der offiziellen Stellen in Russland zu Opferzahlen gibt es nicht.

Russische Provinzen werben um Freiwillige

Ungeachtet von bald sechs Monaten Krieg verzichtet der Kreml bislang auf eine offene Mobilisierung für die Armee - in der Provinz hingegen bilden die Behörden regionale Freiwilligenbataillone. "Nach unseren Berechnungen wurden in mindestens 20 Regionen Russlands schon mehr als 40 solcher Einheiten aufgestellt", berichtete die Tageszeitung "Kommersant". Experten sehen darin den Versuch von Gouverneuren, dem Kreml ihre Loyalität zu beweisen. Die Rekrutierung auf regionaler Ebene solle helfen, Personalmangel an der Front zu verringern.

London befürchtet Einsatz von Schmetterlingsminen im Donbass

Russland setzt höchstwahrscheinlich Antipersonenminen ein, um seine Verteidigungslinien im Donbass zu schützen. Dies berichtete das britische Verteidigungsministerium in seinem täglichen Ukraine-Update. Diese Minen könnten sowohl dem Militär als auch der Zivilbevölkerung vor Ort große Verluste zufügen. Laut den Briten versucht Russland höchstwahrscheinlich in Donezk und Kramatorsk, die verstreubaren Minen PFM-1 und PFM-1S einzusetzen. Die Schmetterlingsminen PFM-1 seien mit verheerender Wirkung im sowjetisch-afghanischen Krieg eingesetzt worden, wo sie angeblich eine große Zahl von Kindern verstümmelten, die sie für Spielzeug hielten.

Erster Getreidefrachter in türkischem Hafen

Erstmals seit Abschluss des internationalen Getreideabkommens erreichte ein Frachter aus der Ukraine seinen Zielhafen in der Türkei. Das unter türkischer Flagge fahrende Schiff "Polarnet" kam mit 12.000 Tonnen Mais in Kocaeli am Marmara-Meer an, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Insgesamt hat inzwischen etwa ein Dutzend Getreideschiffe ukrainische Häfen verlassen. Die Agrarexporte übers Schwarze Meer waren wegen des russischen Angriffskriegs seit Ende Februar blockiert. Am 22. Juli wurden unter UN-Vermittlung Abkommen unterzeichnet, um Ausfuhren aus drei ukrainischen Häfen zu ermöglichen. Die Wiederaufnahme der Exporte gilt als wichtig für die Stabilisierung von Lebensmittelpreisen auf dem Weltmarkt. Die Ukraine zählte bislang zu den wichtigsten Getreide-Exporteuren.

Weitere wichtige Texte zum Ukraine-Krieg:

Alle weiteren Entwicklungen können Sie in unserem Liveticker zum Ukraine-Krieg nachlesen.

Quelle: ntv.de, ses/dpa

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