Politik

Von Staatskonzernen abberufen Russland schickt Angestellte zu "Militärschulung"

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Bauarbeiter in Russland. Im Oblast Leningrad werden offenbar Staatsangestellte einberufen (Archivbild).

(Foto: IMAGO/ITAR-TASS)

Der Kreml bemüht sich aggressiv um Freiwillige, die der Armee im Krieg gegen die Ukraine dienen. Staatskonzerne im Westen Russlands müssen einem Bericht zufolge Mitarbeiter freistellen. Die müssten aber nicht an die Front, sondern zu einer "militärischen Umschulung".

Die Behörden der Region um Sankt Petersburg geben staatlichen Unternehmen offenbar die Anweisung, männliche Mitarbeiter im Alter von 18 bis 60 Jahren zu einer "militärischen Umschulung" zu schicken. Einem Bericht der "Nowaja Gaseta Europe" zufolge fragen Regierungsbeamte im Oblast Leningrad die Unternehmen zunächst, auf wie viele Angestellte sie verzichten können. Daraufhin würden die Ämter Einberufungsbescheide herausgeben.

Am nächsten Tag müssten sich die Männer mit ihren Unterlagen und den wichtigsten Utensilien bei der örtlichen Einberufungsstelle einfinden. Von dort würden sie zu den Militärstützpunkten geschickt. Ein Vertreter des Rekrutierungsbüros erklärt der "Nowaja Gaseta Europe", dass die Männer zur "Reparatur von Ausrüstung", die aus der Ukraine eintreffe, geschickt würden. Demzufolge müssten sie nicht an die Front gehen.

Ein Bus mit rund 20 Männern, die umgeschult werden sollten, habe gestern die Stadt Gatschina südlich von Sankt Petersburg verlassen, berichtet ein Korrespondent der unabhängigen Nachrichtenseite. Vor der Abfahrt habe dieser mit einem Mann gesprochen, der nach eigenen Angaben unangekündigt einberufen wurde. "Am 1. August, als ich nicht bei der Arbeit war, bekamen meine Chefs Besuch", zitiert "Nowaya Gaseta Europe" den Mann. Sie hätten die Anweisung erhalten, ihn am nächsten Tag zum Einberufungsbüro zu schicken.

"Ich komme rein, sie geben mir die Vorladung und sagen mir, dass ich morgen ins Büro kommen muss, von wo aus ich zu einer Militäreinheit gebracht werde", wird der Mann zitiert. "Sie haben nicht gesagt, zu welcher. […] Sie haben uns gesagt, dass wir nicht in die Ukraine gehen werden." Er selbst sei auf Militärmechanik spezialisiert und habe vor drei Jahren seinen Militärdienst beendet, aber unter den Rekrutierten seien auch Köche. Ein anderer Mann gab laut dem Korrespondenten an, für den Konzern Elektropribor zu arbeiten und keine militärische Vorerfahrung zu haben.

Die russischen Behörden haben keine allgemeine Mobilisierung ausgerufen. Dafür müsste Präsident Wladimir Putin sein Land erst offiziell in den Kriegszustand eintreten lassen. Noch spricht der Kreml aber nur von einer "militärischen Spezialoperation" in der Ukraine. Gleichzeitig bemühen sich die Einberufungsämter aggressiv um Freiwillige.

Quelle: ntv.de, mdi

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