Politik

Präsident wirkt orientierungslos Republikaner echauffieren sich über Biden-Auftritt

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Auf Joe Biden sind stets alle Augen gerichtet.

(Foto: IMAGO/UPI Photo)

Zuckende Hände bei Merkel oder der sich an den Stuhl klammernde Putin - ungewöhnliche Körperbewegungen werden bei Spitzenpolitikern vor allem von der Opposition in regelmäßigen Abständen seziert. In den USA arbeiten sich die Republikaner derzeit an einem Auftritt Joe Bidens ab.

Mit einem Bühnenabgang der unkonventionellen Art hat US-Präsident Joe Biden den Spott der Republikaner auf sich gezogen. Der 79-Jährige hatte seine Rede auf der Global Fund Conference in New York unter dem Beifall des Publikums beendet, als er sich vom Rednerpult abwandte. Er ging ein paar Schritte, wobei er beide Arme behutsam vor sich hielt, als er abrupt stehen blieb und zurückblickte. Biden wirkte benommen und schaute sich um, bevor er entweder das Publikum oder sein Sicherheitsteam fragte, wie er die Bühne verlassen sollte.

Für die Republikaner ist diese Szene ein gefundenes Fressen. Schon seit Amtsantritt arbeiten sich prominente Politiker an der Frage ab, ob Biden fit genug ist, um die USA zu führen. "Erschreckend. Das ist unser Oberbefehlshaber", schrieb der texanische Senator Ted Cruz auf Twitter und teilte den Videoclip. "Joe Biden ist auf der Bühne völlig verloren. Beängstigend und traurig", schrieb Cruz' Kommunikationsbeauftragter Steve Guest.

Wenige Tage zuvor hatte sich US-Präsident Biden in einem Interview zu mutmaßlichen gesundheitlichen Problemen geäußert. "Schaut mich an. Wenn Sie denken, dass ich nicht die Energie oder die geistige Schärfe habe, dann ist das eine Sache", sagte er auf CBS. "Ich respektiere die Tatsache, dass die Leute sagen, 'Du bist alt'. Aber ich denke, es kommt darauf an, wie viel Energie man hat und ob die Arbeit, die man macht, mit dem übereinstimmt, was eine Person jeden Alters tun könnte oder nicht."

Dem heutigen Präsidenten war bereits im Wahlkampf 2020 vorgeworfen worden, mentale Schwächen zu zeigen. Verbale Aussetzer, Versprecher oder Verwechslungen: Bei öffentlichen Auftritten gebe Joe Biden zuweilen das Bild eines tattrigen Alten ab, erklärte der politische Gegner. Donald Trump und seine Kampagne versuchten damals, Biden als unzurechnungsfähig darzustellen und Bidens Konzentrationsschwäche bloßzustellen. Die Trump-Kampagne produzierte gleich mehrere Videos, die Biden als vermeintlich dement verunglimpften. Aber auch als Präsident sorgte Joe Biden immer wieder für irritierende Bilder. So im April 2022, als er einem imaginierten Gastgeber die Hand ausstreckte oder im August 2022, als er innerhalb von Sekunden vergessen zu haben schien, dem demokratischen Mehrheitsführer im Senat, Chuck Schumer, bereits die Hand gereicht zu haben.

Auch Putin unter der Lupe

Dabei wird der Gesundheitszustand des amerikanischen Präsidenten traditionell engmaschig und regelmäßig überprüft. Auch über den aktuellen Gesundheitszustand Joe Bidens, der vor wenigen Wochen eine zweite Corona-Infektion überstanden hatte, gibt das Weiße Haus regelmäßig Updates heraus.

Vor allem Auftritte älterer Spitzenpolitiker werden nicht nur in den USA immer wieder kritisch beäugt. Mediziner erklären dann regelmäßig, dass kurze Videosequenzen nicht ausreichen, um per Ferndiagnose mögliche Erkrankungen zu diagnostizieren. Oder auch auszuschließen.

So wurde in den vergangenen Monaten auch immer wieder der Geisteszustand des 69-jährigen Wladimir Putin infrage gestellt. Videos von öffentlichen Auftritten, bei denen sich der russische Präsident krampfhaft am Stuhl festhält und unkontrolliert mit dem Fuß zu zucken scheint, bieten Ärzten zufolge jedoch keine ausreichenden Hinweise auf eine Erkrankung wie Parkinson.

Auch in Deutschland war der Gesundheitszustand von Ex-Kanzlerin Angela Merkel ein mediales Thema. Ihre Zitteranfälle in den letzten Jahren ihrer Kanzlerschaft führte die heute 68-Jährige nach eigenem Bekunden unter anderem auf den Tod ihrer Mutter zurück. Sie sei in der Zeit sehr erschöpft gewesen, und der Tod habe sie doch mehr mitgenommen, als sie zunächst gedacht habe, sagte Merkel in einem Interview. Ihr erster Zitteranfall, bei einem Empfang des ukrainischen Staatspräsidenten Wolodymyr Selenskyj in der prallen Sonne, war zudem durch Dehydrierung begünstigt gewesen.

Quelle: ntv.de, mba

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