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Militärtribunal in Guantanamo Richter setzt 09/11-Prozessbeginn fest

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Bei den Anschlägen wurden fast 3000 Menschen ermordet.

(Foto: REUTERS)

Im September jähren sich die Anschläge vom 11. September 2001 zum achtzehnten Mal. Seit fast so langer Zeit sitzen fünf mutmaßlich Drahtzieher der Attentate in Guantanamo - ohne dass ein Gericht jemals über ihre Schuld entschieden hat. Doch nun bringt ein US-Richter den Stein ins Rollen.

Im US-Haftlager in Guantanamo soll im Jahr 2021 der Prozess gegen fünf mutmaßliche Beteiligte an den Planungen für die Anschläge vom 11. September 2001 beginnen. Ein Militärrichter habe den Beginn der Auswahl der Geschworenen für den Prozess gegen den mutmaßlichen 9/11-Drahtzieher Khalid Sheikh Mohammed und die vier weiteren Angeklagten für den 11. Januar 2021 festgesetzt, berichteten US-Medien.

Die fünf mutmaßlich an der Vorbereitung der Anschläge beteiligten Männer wurden in den Jahren 2002 und 2003 in Pakistan gefasst und später nach Guantanamo verbracht. Zum geplanten Prozessbeginn säßen die Angeklagten demnach fast zwanzig beziehungsweise 19 Jahre im für seine rauen Haftmethoden und Folter berüchtigten Gefangenenlager auf Kuba, ohne dass ein Richter bisher über ihre Schuld entschieden hat.

Dabei reicht die Anklageerhebungen gegen die fünf Männer bis 2012 zurück. Seitdem fanden aber lediglich Voranhörungen zur Vorbereitung des Prozesses statt. Das jetzt offenbar von dem Richter festgesetzte Datum für den Prozessbeginn bezeichneten mehrere Anwälte der Verteidigung bereits als unrealistisch. Auch sei das Lager in Guantanamo für einen Prozess von dieser Größe nicht geeignet, sagten sie dem US-Radiosender NPR.

Mitbewohner von Mohammed Atta angeklagt

Der Prozess soll vor einer Militärkommission stattfinden, die unter dem früheren Präsidenten George W. Bush eigens dafür eingesetzt worden waren, um im Rahmen des sogenannten "Kriegs gegen den Terror" Beschuldigte abzuurteilen. Es wäre der bislang erste Prozess vor einem dieser Sondertribunale. Ein solches Tribunal ist unter rechtsstaatlichen Aspekten stark umstritten. Zwar führte die Militärkommission unter Präsident Barack Obama Reformen durch, die Rechte der Angeklagten sind jedoch im Vergleich zu ordentlichen Gerichten weiterhin erheblich eingeschränkt.

Der Prozessbeginn ist auf genau acht Monate vor dem 20. Jahrestag der Anschläge, bei denen insgesamt fast 3000 Menschen in New York, bei Washington und im US-Bundesstaat Pennsylvania getötet worden waren, datiert. Khalid Sheikh Mohammed soll sich damit gebrüstet haben, die 9/11-Anschläge geplant zu haben. Zu den Angeklagten gehört auch Ramsi Binalshibh. Er hatte in der sogenannten Hamburger Terrorzelle mit Mohammed Atta, dem späteren Anführer der Todespiloten vom 11. September, zusammen gewohnt.

Quelle: n-tv.de, lou/AFP

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