Politik

"Es geht nur ohne ihn weiter" Rösler hat keine Chance

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Landet die FDP bald auf dem Müll? Wenn sie die Landtagswahlen verliert, spräche viel dafür.

(Foto: dapd)

Scheitert die FDP bei den Landtagswahlen in NRW und Schleswig-Holstein, ist das womöglich das Ende der liberalen Partei. Das Schicksal von Parteichef Rösler hängt allerdings nicht mehr von diesen Abstimmungen ab. Wie auch immer diese ausgehen, sein politischer Abstieg ist unabwendbar.

Dass nach Parteitagen die Resümees der Führungspersönlichkeiten mit denen von Außenstehenden nicht übereinstimmen, ist normal, aus Sicht der Parteileute sogar meist zwingend. Nach dem Niebel nörgelt mit Boygroup passt jedoch gar nichts zusammen. Von "Aufbruch" ist in den offiziellen Verlautbarungen der Parteiführung um den Vorsitzenden Philipp Rösler die Rede. Hinter den Kulissen laufen gleichzeitig die Planspiele, was nach dessen Abgang passieren soll.

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Ein Abgang des Parteivorsitzenden Rösler könnte dem 66 Jahre alten Brüderle noch eine große Stunde bescheren.

(Foto: dapd)

Dass dieser Abgang naht, ist inzwischen außerhalb offizieller Verlautbarungen Konsens. Rösler steckt Gemäkel ein , dass man meinen könnte, er könne sich völlig frei fühlen. Doch sein Auftritt beim Parteitag war schwach. 70 Minuten lang quälte der Vizekanzler die Delegierten mit einer FDP sucht Profil , die allgemein als uninspiriert wahrgenommen wurde. Sein neuer Generalsekretär Patrick Döring bekam mit 72 Prozent der Stimmen gerade einmal ein Höflichkeitsergebnis zustande.

Erfolg in den Ländern wäre Röslers Ende

"Wenn die FDP es bei den Landtagswahlen nicht schafft, ist fast schon egal, wer Vorsitzender ist", sagte der Berliner Politikwissenschaftler Oskar Niedermayer im Gespräch mit n-tv. Dann wäre die FDP als Partei tot. Nur ein Erfolg in NRW und Schleswig-Holstein kann nach Ansicht des Politologen die FDP noch retten.

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NRW-Spitzenkandidat Christian Lindner hat in Wolfgang Kubicki einen starken Förderer gefunden.

(Foto: REUTERS)

Ihr derzeitiger Vorsitzender hat dagegen keine Chance mehr, politisch zu überleben. Er wird der Verlierer sein, egal, ob seine Partei bei den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen die Fünf-Prozent-Hürde schafft oder nicht. Gerade erfolgreiche Landtagswahlen wären besonders schlimm für den glücklosen Vorsitzenden. In einem solchen Fall würden die FDP-Chefs von NRW und Schleswig-Holstein, Christian Lindner und Wolfgang Kubicki, die Früchte des Ruhms ernten. Ihr Erfolg - den Rösler als Parteivorsitzender natürlich wünschen muss - würde als klares Votum gegen ihn selbst gewertet werden. "Kubicki und Lindner haben sich deutlich abgesetzt, wenn sie gewinnen, hieße das, es geht nur ohne Rösler weiter", prophezeit Niedermayer.

Strategisch vereint, inhaltlich gespalten

Während Kubicki und Lindner in ihrer gemeinsamen Abneigung gegen Rösler eine strategische Allianz eingegangen sind, steht als dritter starker Mann in der FDP auch noch Rainer Brüderle bereit. In Karlsruhe verstand es Brüderle am besten, die Mitglieder mit seiner Rede zu begeistern. Er wie auch Lindner bestreiten derzeit, Ambitionen auf den Bundesvorsitz zu haben. Für den derzeitigen Fraktionschef im Bundestag Brüderle spricht nach Ansicht des Politikwissenschaftlers Niedermayer aber viel. "Er hat die Fraktion hinter sich und vertritt immer noch die traditionelle Kernklientel der FDP", meint Niedermayer.

Würde jedoch Lindner, gestärkt durch einen Erfolg in Nordrhein-Westfalen, nach dem Parteivorsitz greifen, hätte der doppelt so alte Brüderle wohl ein Problem. Denn Lindner wäre dann genau der Retter geworden, zu dem er schon jetzt von manchen hochstilisiert wird. Ob der NRW-Kandidat den Parteivorsitz jetzt schon übernehmen würde, ist momentan allerdings schwer zu sagen. Laut Oskar Niedermayer könnte der 33-Jährige sich erst einmal zurückhalten. "Er ist jung genug, um noch zu warten."

Das größte Problem für die FDP wird die inhaltliche Ausrichtung sein. Die drei populären Zugpferde der Partei - Lindner, Kubicki und Brüderle - haben völlig verschiedene Ansätze für die Zukunft der FDP. Kubicki befürwortet einen starken Staat, Lindner dessen Rückzug. Brüderle vertritt ganz die traditionellen FDP-Werte. Damit vertritt momentan keiner der drei eine berauschende neue politische These. Röslers auf dem Parteitag ausgegebene Losung von der letzten verbliebenen Partei der Mitte ist allerdings ebenso nichtssagend.

Quelle: n-tv.de

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