Politik
8000 Menschen demonstrieren friedlich in Moskau.
8000 Menschen demonstrieren friedlich in Moskau.(Foto: REUTERS)
Dienstag, 01. Mai 2018

Sperrung von Messenger-Dienst: Russen protestieren gegen Internetzensur

Aus Angst vor Spionage wählen viele Nutzer verschlüsselte Messenger-Dienste. Sehr zum Ärger von Geheimdiensten. In Russland eskaliert der Streit um die App Telegram: Sie soll gesperrt werden. Dagegen protestieren nun Tausende Menschen in Moskau.

Tausende Menschen haben in Moskau gegen die Sperrung des beliebten Messenger-Dienstes Telegram in Russland protestiert. Polizei und Veranstalter gaben die Zahl der Teilnehmer an der Kundgebung im Zentrum der russischen Hauptstadt mit etwa 8000 an. Unter den Demonstranten war auch der Oppositionspolitiker Alexej Nawalny.

Die Menschen hielten Schilder mit Parolen gegen die Regierung hoch, schwenkten russische Fahnen und ließen Papierflugzeuge - das Symbol von Telegram - fliegen. In Sprechchören wurde der russische Präsident Wladimir Putin als "Dieb" beschimpft und ein freier Zugang zum Internet gefordert.

Nawalnys Frage "Seid ihr bereit, Widerstand zu leisten?" beantworteten die überwiegend jugendlichen Demonstranten mit einem lauten "Ja", bevor sie die auf Putin gemünzte Parole "Nieder mit dem Zaren!" riefen. Pawel Durow, Mitbegründer von Telegram, bezeichnete die Kundgebung im Internet als "beispiellos" und fügte hinzu: "Mit eurer Energie seid ihr dabei, die Welt zu verändern."

Katz-und-Maus-Spiel mit den Behörden

Richter hatten die Blockade von Telegram angeordnet, nachdem der Online-Dienst den russischen Geheimdiensten die Entschlüsselung privater Chats verweigert hatte. Die zuständige Behörde Roskomnadsor sperrte Millionen IP-Adressen, die zur Nutzung von Telegram verwendet wurden. Dadurch wurde auch die Tätigkeit vieler Unternehmen, einschließlich des Autobauers Volvo, beschränkt.

Allerdings lieferte sich der Dienst ein Katz-und-Maus-Spiel mit den Behörden. Telegram wechselt ständig auf die Server anderer Anbieter. Um das zu unterbinden, ließ Roskomnadsor vor rund zwei Wochen 16 Millionen IP-Adressen blockieren, von denen 13 Millionen den US-Großanbietern Google und Amazon gehören. Trotzdem war Telegram in Russland weiter verfügbar. Die Sperren legten aus Versehen aber andere Chatdienste wie Viber sowie Internethändler und einen Kurierdienst zeitweise lahm.

Putin-Gegner benutzen Telegram gerne für Mitteilungen oder um Protestaktionen zu koordinieren. Die Brüder Durow gründeten Telegram im Jahr 2013. Seitdem wuchs die Zahl der Nutzer weltweit auf mehr als 200 Millionen.

Quelle: n-tv.de