Politik

Präsident lebt in eigener WeltRussische Armee stellt Putin 15 Mal in Folge bloß

03.09.2026, 09:26 Uhr
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Moskaus Streitkräfte sollten die ukrainische Region Donezk eigentlich schon mehrfach eingenommen haben. (Foto: IMAGO/SNA)

Wladimir Putin hat in der Regel seine ganz eigene Sicht auf den Krieg, die fernab der Realität ist. Er fabuliert über Eroberungen, die es nicht gibt - und setzt seit Jahren Fristen, die seine Armee nicht einhalten kann. Trotzdem geht der Kremlchef seinen Weg weiter.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat laut dem Institut für Kriegsstudien (ISW) kürzlich auf einer Pressekonferenz erneut die Leistungen der Streitkräfte des Landes übertrieben. So behauptete er, diese würden das Tempo der Eroberungen in der Ukraine erhöhen und die Einnahme der Region Donezk schreite planmäßig voran. Dass allerdings überhaupt nichts nach Plan läuft, lässt sich allein daraus erkennen, dass der russische Präsident in den vergangenen Jahren immer wieder Fristen für die Einnahme von Donezk gesetzt hat, die nie eingehalten wurden. Laut ISW waren es "nicht weniger als 15 verschiedene Fristen".

Auf der jüngsten Pressekonferenz behauptete der russische Diktator zudem, seine Truppen hätten im vergangenen Monat 15 Ortschaften in Donezk mit einer Fläche von 270 Quadratkilometern eingenommen. Das ISW kommt in seinen Auswertungen auf circa 73 Kilometer - zählt man infiltrierte Gebiete hinzu, sollen es rund 104 Kilometer sein.

An der gesamten Front sollen die russischen Streitkräfte lediglich auf einer Fläche von etwa 90 Quadratkilometern Stellungen konsolidiert oder Gelände eingenommen haben. Die Ukraine ist insgesamt circa 600.000 Quadratkilometer groß, wovon rund ein Fünftel unter Kontrolle der russischen Besatzer steht.

Auch über die Lage im Ort Swjatohirsk nördlich von Slowjansk soll Putin Lügen verbreiten. So erzählte er, Swjatohirsk sei eingenommen worden. Ganz anders sieht es das ISW nach der Auswertung von Belegen. Demnach waren die Russen auf dem Höhepunkt ihrer jüngsten Vorstöße im späten Frühjahr und frühen Sommer 2026 höchstens auf 13 Kilometer an den Ort herangekommen. "Angesichts der laufenden ukrainischen Gegenoffensivoperationen im Raum Lyman, deren vollständiges Ausmaß weiterhin unklar ist, dürfte die derzeitige russische Frontlinie sogar mehr als 13 Kilometer von Swjatohirsk entfernt sein."

Eine ebenfalls völlig aus der Luft gegriffene Behauptung sieht das ISW in der Erzählung der angeblichen Einkesselung von 13 ukrainischen Bataillonen mit insgesamt 5000 Soldaten am Ostufer des Oskil-Stausees bei Pisky-Radkiwski. "Das ISW hat keine Belege beobachtet, die darauf hindeuten, dass russische Streitkräfte in dem behaupteten Gebiet überhaupt präsent sind."

Putin hält seine Einschätzung für objektiv

Putin beharrte bei der Pressekonferenz laut der US-Denkfabrik darauf, dass die ukrainischen Verteidigungsstellungen entlang der gesamten Frontlinie zusammenbrechen würden. In Russland finden solche Erzählungen Gehör. Dort gibt es keine Medien oder Stimmen, die den Behauptungen des russischen Präsidenten widersprechen. Allerdings dürfte auch der russischen Bevölkerung nicht entgangen sein, dass die Region Donezk schon vielfach eingenommen werden sollte und alle öffentlich genannten Fristen dazu gerissen wurden. Insgesamt dauert die Vollinvasion nun schon viereinhalb Jahre, der Krieg insgesamt zwölf Jahre.

"Putin dürfte sich bewusst sein, dass er angesichts der aktuellen Realitäten auf dem ukrainischen Schlachtfeld den Eindruck erweckt, von der Lage abgekoppelt zu sein", schreibt das ISW. Deswegen soll der Kremlchef erzählt haben, seine Informationen über die Lage auf dem Schlachtfeld aus "einer Vielzahl von Quellen" zu erhalten, darunter vom russischen Generalstabschef Gerassimow sowie von nahezu allen russischen Geheimdiensten und Behörden, die am Krieg beteiligt seien. Gerade Gerassimow ist allerdings in der Vergangenheit vielfach damit aufgefallen, abstruse Falscherzählungen zum Krieg zu verbreiten.

Putin erzählte dennoch, seine Einschätzung der Lage auf dem Schlachtfeld sei ziemlich objektiv. "Diese Äußerung erfolgt vor dem Hintergrund zunehmender Beschwerden russischer Militärblogger und Soldaten, wonach das russische Militär von ungenauen und übertriebenen Berichten geplagt werde, die innerhalb der Befehlskette an Vorgesetzte weitergegeben würden", so das ISW.

Auch nach den Auswertungen der ukrainischen Analysten von Deepstate hat Russland in den vergangenen Monaten nur minimale Geländegewinne erzielt. Zudem konnten die Ukrainer Gebiete von den Invasoren befreien. Für jeden besetzten Quadratkilometer verliert Russland in der Regel Hunderte Soldaten.

Quelle: ntv.de, rog

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