Politik

"Scheiß-Krieg, Scheiß-Krieg" Russische Konzertbesucher schreien gegen Krieg

50014790.jpg

Hunderte Menschen positionierten sich mit Sprechchören gegen den Krieg.

(Foto: picture alliance / dpa)

In Russland wird der Angriff auf die Ukraine offiziell nur als "militärische Spezialoperation" bezeichnet. Aus Angst vor hohen Strafen trauen sich viele Menschen nicht, sich klar gegen den Krieg zu positionieren. Auf russischen Konzerten werden nun aber immer mehr Stimmen gegen Putin laut.

Mit Anti-Kriegs-Sprechchören haben Besucher eines Konzerts in Russland für Aufsehen gesorgt. In sozialen Netzwerken veröffentlichten viele Nutzer am Wochenende ein kurzes Video, auf dem zu sehen ist, wie Hunderte Menschen vor einer Bühne immer wieder "Scheiß-Krieg, Scheiß-Krieg" rufen. Angaben unabhängiger Medien und bekannter Oppositioneller zufolge entstand die Aufnahme bei einem Auftritt der russischen Rockgruppe Kiss-Kiss in der Ostsee-Metropole St. Petersburg. Auch auf der Bühne steht mit Leuchtbuchstaben "Kiss Kiss" geschrieben.

Die Band, die sich auch in der Vergangenheit bereits gegen Russlands Krieg in der Ukraine positioniert hatte, äußerte sich zunächst nicht. Einige User sorgten sich, dass die Musiker nun möglicherweise juristische Konsequenzen befürchten müssen.

"Heimat ist nicht der Arsch des Präsidenten"

In der vergangenen Woche wurde in Russlands sozialen Netzwerken bereits ein Video von einem Konzert der Band DDT in der Stadt Ufa am Ural vielfach geteilt. Es zeigt, wie Frontmann Juri Schewtschuk ins Publikum ruft: "Heimat, meine Freunde, das ist nicht der Arsch des Präsidenten, den man ständig lecken und küssen muss. Die Heimat - das ist die arme Oma am Bahnhof, die Kartoffeln verkauft." Von den Konzertbesuchern erntete Schewtschuk dafür viel Applaus. Später wurde bekannt, dass gegen den Sänger nun Ermittlungen wegen der angeblichen Diskreditierung von Russlands Streitkräften laufen.

In Russland wird der Krieg gegen die Ukraine offiziell nur als "militärische Spezialoperation" bezeichnet. Wer angebliche "Falschnachrichten" über Russlands Armee verbreitet, dem drohen hohe Strafen. Soziale Netzwerke wie Twitter, Instagram und Facebook sind verboten und blockiert. Deshalb gelten die Zahlen über Zustimmung zu Putins Politik vor allem als Maßstab dafür, wie effektiv die vom Kreml gesteuerte Propaganda funktioniert. Berichtet wird ausschließlich von "Heldentaten" russischer Soldaten.

Quelle: ntv.de, can/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen