Politik

Heftige Proteste in Dagestan Russische Region lehnt sich gegen Putins Pläne auf

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In vielen Städten, wie hier in St. Petersburg, ging die Polizei brutal gegen Anti-Kriegs-Demonstranten vor.

(Foto: dpa)

In ganz Russland gehen Menschen gegen die Teilmobilmachung auf die Straße. Aus der Teilrepublik Dagestan zeigen Videos besonders heftige Proteste, auch Warnschüsse sind zu hören. In der muslimisch geprägten Region werden offenbar besonders viele Männer eingezogen.

Bei einem Protest gegen die Mobilmachung von Reservisten sind Polizisten laut Bürgerrechtlern in der russischen Teilrepublik Dagestan im Kaukasus mit Warnschüssen gegen Demonstranten vorgegangen. Im Dorf Endirej blockierten Anwohner eine Straße, um so die von Russland Präsident Wladimir Putin angeordnete Teilmobilisierung zu behindern, wie die unabhängige Organisation OVD-Info mitteilte.

Auf Videos ist zu sehen, wie Polizisten Gewehre in die Luft richten, dann sind Schüsse zu hören. Auch Gerangel zwischen Anwohnern und Beamten ist zu sehen. Laut dagestanischen Medien war der Protest eine Reaktion darauf, dass aus dem Dorf 110 Männer in den Krieg gegen die Ukraine gezwungen wurden.

Später wurden in sozialen Netzwerken Videos geteilt, die Proteste auch in Dagestans Hauptstadt Machatschkala zeigen sollen. Auf einem ist zu sehen, wie ein Polizist einem bereits festgenommenen Mann ins Gesicht schlägt. Ein anderer Clip zeigt, wie Frauen vor einen fahrenden Einsatzwagen rennen, um ihn aufzuhalten. Weitere Videos zeigen, wie vor allem Frauen gegen die Teilmobilmachung protestieren. Sie rufen "Nein zum Krieg" und verfolgen einen Polizisten, der vor ihnen davonrennt. Der "Guardian"-Korrespondent Andrew Roth berichtete, Dagestan entwickle sich zum "Hotspot des Zorns". Manche Orte würden die Rekrutierung ihrer jungen Männer nicht zulassen, schrieb er auf Twitter.

Angesichts jüngster Niederlagen seiner Armee hatte Kreml-Chef Putin am vergangenen Mittwoch angeordnet, nun auch Reservisten zum Kampf in der Ukraine zu verpflichten. Seitdem herrscht bei vielen Russen große Panik. Der russische Angriffskrieg dauert bereits seit mehr als sieben Monaten an.

Das muslimisch geprägte Dagestan gehört zu den Regionen Russlands, aus denen Beobachtern zufolge besonders viele Männer eingezogen werden. Aktivisten beklagen, dass Angehörige ethnischer Minderheiten besonders stark von der Mobilmachung betroffen sind und sprechen deshalb teils sogar von "ethnischen Säuberungen".

In ganz Russland protestierten Menschen am Wochenende gegen die Teilmobilmachung. Nach Angaben von OVD-Info sind dabei mehr als 740 Menschen in 32 Städten festgenommen worden. Die russische Polizei ging teils brutal gegen Teilnehmer der von den Behörden verbotenen Anti-Kriegs-Proteste vor. Aus St. Petersburg wurden in sozialen Netzwerken Videos veröffentlicht, die zeigten, wie Männer in Kampfuniform und mit Helm auf Demonstranten einknüppelten. OVD-Info berichtete unter Berufung auf Augenzeugen, dass die Sicherheitskräfte Elektroschocker einsetzten.

Quelle: ntv.de, chf/dpa

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