Politik

Afrika-Truppe von "Putins Koch" Russische Söldner mischen in Libyen mit

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Auf dem Schlachtfeld tummeln sich viele: Hier ein Kämpfer der von den UN unterstützten Regierung.

(Foto: imago images / Xinhua)

Seit acht Jahren versinkt Libyen im Chaos. Inzwischen tummeln sich auf dem Schlachtfeld dort offenbar auch russische Söldner. Sie gehören der berüchtigten Wagner-Truppe eines Putin-Vertrauten an - und sind kampferfahren aus den Kriegen in Syrien und der Ukraine.

Eine private russische Söldnertruppe, die ein enger Vertrauter von Präsident Wladimir Putin führt, kämpft nun offenbar auch in Libyen. Dies berichten die Agentur Bloomberg und das Conflict Intelligence Team, eine Gruppe investigativer Blogger aus Russland.

Bloomberg zufolge sind mehr als 100 Söldner der sogenannten Wagner-Gruppe in der ersten Septemberwoche in Libyen angekommen. Zu ihren Aufgaben gehört es demnach, den Warlord Chalifa Haftar bei seinem Angriff auf die Hauptstadt Tripolis zu unterstützen. Laut einem Kommandeur der Söldner sind diese in Libyen bereits in Gefechte verwickelt. Mehrere sollen bereits gefallen sein.

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Bereiten gemeinsam Schulessen: Putin und sein Koch Prigoschin.

(Foto: AP, Alexei Druzhinin)

Kopf der Söldnertruppe ist der Oligarch Jewgenij Prigoschin, auch bekannt als "Putins Koch". Zu Sowjetzeiten saß er unter anderem wegen Raubs im Gefängnis, später machte er eine steile Karriere, bewirtete hohe Staatsgäste und den Präsidenten und wurde zu einer Art Proviantmeister der russischen Armee. Mittlerweile hat er sich zu einer Schlüsselfigur in Russlands expansiver Außenpolitik entwickelt: So betreibt er nicht nur eine Troll-Fabrik in St. Petersburg, vielmehr tummelten und tummeln sich seine Söldner auch in der Ukraine, in Syrien und in mehreren afrikanischen Ländern.

Das libysche Schlachtfeld, in das er nun seine Söldner schickt, ist längst heiß umkämpft. Die Türkei und Katar kämpfen aufseiten der von den UN anerkannten Regierung in Tripolis, während die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten General Haftar und dessen Gegenregierung unterstützen. Nach Angaben von westlichen Diplomaten soll die russische Söldner-Gruppe, die ein Kommandeur nach dem deutschen Komponisten Richard Wagner benannt hat, Haftar Artillerie-Unterstützung anbieten.

Auch der libysche Innenminister bestätigte offenbar die Anwesenheit der russischen Söldnertruppe. So erklärte Fathi Bashagha dem libyschen Fernsehsender Al-Ahrar am Montag, dass Haftars Streitkräfte erst sudanesische Soldaten beschäftigt hätten. "Nachdem diese versagt hatten, bauten sie auf Wagners Truppe."

Moskau hofft auf Gaddafis Sohn

Wie Bloomberg weiter schreibt, setzt Moskau auf einen Sieg Haftars. Offenbar sieht Russland auch eine Zukunft für Saif al-Islam al-Gaddafi, den flüchtigen Sohn des getöteten Diktators Muammar al-Gaddafi. Bereits im Mai wurden zwei Russen, denen Verbindungen zu Prigoschin nachgesagt werden, in Libyen verhaftet. Sie sollen Treffen mit Gaddafis Sohn und dessen Vertretern organisiert haben und versucht haben, Einfluss auf mögliche künftige Wahlen in dem ölreichen Land zu nehmen. Prigoschin selbst war bereits im November 2018 bei einem Treffen des russischen Verteidigungsministers Sergej Schoigu mit Haftar anwesend. Angeblich, so hieß es nachher, aus kulinarischen Gründen.

Seit dem Sturz Gaddafis im Jahr 2011 versinkt Libyen im Chaos. Rivalisierende Milizen liefern sich erbitterte Gefechte, die zwei Regierungen konkurrieren um die Macht. Im April starteten Truppen von General Haftar eine Offensive zur Eroberung von Tripolis. Seitdem wurden nach UN Angaben mehr als 1000 Menschen getötet und rund 120.000 vertrieben.

Der deutsche Botschafter kündigte erst kürzlich an, dass Deutschland Konsultationen über eine Libyen-Konferenz im Herbst begonnen habe. Kanzlerin Angela Merkel bot an, Schlüsselstaaten für eine Beendigung des Bürgerkrieges nach Berlin einzuladen. Die Bundesregierung fürchtet, dass ohne eine Lösung in Libyen die Sicherheitslage in ganz Nordafrika eskaliert - mit drastischen Folgen für die EU. Erst kürzlich warnte Merkel im Bundestag vor einem Stellvertreterkrieg in Syrien. Die Intervention russischer Söldner lässt hier nichts Gutes ahnen.

Quelle: ntv.de