Leiden für Putins KriegGroßstadt geht es immer schlechter: Moskau schickt Belgorod mobile Klos
Russland nutzt die Region Belgorod für seinen völkerrechtswidrigen Krieg gegen die Ukraine. Kiews Streitkräfte wehren sich mit Luftangriffen. Die Situation in der Großstadt Belgorod ist mittlerweile prekär. Der Gouverneur will die Bevölkerung mit Propaganda bei Laune halten.
Belgorod ist wahrscheinlich die russische Stadt, die den Verteidigungskampf der Ukrainer gegen die Angriffe der Kreml-Truppen am meisten zu spüren bekommt. Immer wieder berichtet Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow auf Telegram von Drohnen- und Raketenattacken, bei denen es auch Tote und Verletzte geben soll. Die Probleme bei der Versorgung mit Strom, Wärme und Wasser sind dem Gouverneur zufolge gewaltig.
Am Mittwoch dankte Gladkow dem Gouverneur der Region Moskau für die Entsendung von 250 mobilen Toiletten. Diese seien eine enorme Hilfe, teilte er mit. In einem Video ist zu sehen, wie die Klos von Lkw gehoben werden. Hintergrund dürfte sein, dass die Spülungen in vielen Gebäuden nicht mehr funktionieren.
In sozialen Netzwerken machen zudem seit Wochen immer wieder Videos von Einwohnern die Runde, die abendliche Blackouts zeigen. Hochhäuser, in denen kaum Licht brennt, Straßen, die nur schwach von den Scheinwerfern fahrender Autos bestrahlt werden. Gladkow spricht in einem aktuellen Beitrag von Hunderttausend Menschen, denen Wärme, Wasser und Strom fehlen.
Experte: Ukraine will Druck ausüben
"Die Ukraine versucht den Druck, den die Russen auf sie ausüben, durch eine eigene strategische Luftkampagne gegen Russland zurückzugeben", sagte Militärexperte Oberst Reisner im Gespräch mit ntv.de. Mit den Angriffen auf Belgorod wolle man "direkten Druck auf die russische Bevölkerung ausüben". Die Front bei Wowtschansk grenzt im Süden der Region unmittelbar an Belgorod an. Die ukrainische Millionenstadt Charkiw liegt nur in der Luftlinie nur rund 70 Kilometer entfernt. Bis zu den Gefechten am Frontabschnitt von Kupjansk sind es von Belgorod aus nur rund 120 Kilometer.
Der Krieg war und ist von Belgorod seit Beginn des russischen Überfalls im Februar 2022 nie weit entfernt. Seine Telegram-Meldungen flankiert Gladkow immer wieder mit Propaganda. Die offiziellen russischen Verlautbarungen sehen die Schuld für die Situation in Belgorod wenig überraschend nicht im von Russland losgetretenen Krieg und den Attacken, die auch von der Region Belgord aus seit Jahren auf ukrainische Grenzgebiete wie Charkiw ausgeführt werden. Gouverneur Gladkow denkt offenbar nicht daran, dass die Belastungen sofort ein Ende haben könnten, wenn sich nur der Kreml auf einen Waffenstillstand einlassen würde.
Stattdessen freut sich Gladkow öffentlich, dass Bewohner aus der Region Belgorod zu den Waffen greifen würden - angeblich, um ihre Familien und Häuser zu verteidigen. Der Gouverneur spricht von Schmerz bei Müttern, Vätern und Ehefrauen und dem Verlust von geliebten Menschen. Man werde den Angehörigen der Gefallenen helfen, alle Schwierigkeiten zu bewältigen, "die ihnen auf ihrem Lebensweg begegnen", verspricht er - räumt aber auch ein, dass vielleicht nicht alles sofort gelöst werden könne.
Die "New York Times" schreibt in einem aktuellen Bericht unter Verweis auf Informationen von Militär- und Geheimdienstvertretern aus mehreren westlichen Ländern, dass der russische Präsident Wladimir Putin bereit sei, die Ukraine weiter anzugreifen. Die Rede ist von einer Zeitspanne von 18 Monaten bis zu zwei Jahren. Die jüngsten Verhandlungen in Genf endeten ohne größere Fortschritte. Russland lehnt einen sofortigen Waffenstillstand ab und fordert von der Ukraine den vollständigen Abzug aus den östlichen Regionen. Kiew lehnt dies ab.
