Politik

Auch andere Regionen betroffen Russland beschießt Lwiw und Odessa mit Raketen

Die Armee des Kremls greift nach Angaben der Ukraine Städte überall im Land an. In Lwiw breche die Stromversorgung nach dem Einschlag der Raketen teilweise zusammen, berichtet der Bürgermeister. Ein möglicher Grund für die Angriffe könnte das Ziel sein, westliche Waffen zu zerstören.

Städte in mehreren Regionen der Ukraine sind Ziel russischer Raketenangriffe geworden. Teile der Stadt Lwiw im Westen des Landes waren nach Medienberichten ohne Strom, nachdem nach Angaben von Bürgermeister Andrij Sadowyj drei Kraftwerke durch Raketen beschädigt wurden. In der Folge kam es nach seinen Angaben auch zu Problemen mit der Wasserversorgung, weil die Pumpen mangels Elektrizität ausfielen.

Raketenangriffe wurden außerdem aus Winnyzja im Zentrum, Odessa im Südwesten und Kirowograd im Zentrum des Landes gemeldet. Zum ersten Mal seit Beginn des russischen Angriffskrieges am 24. Februar wurde auch die Region Transkarpatien nahe der Grenze zu Ungarn mit einer Rakete angegriffen, wie Regionalgouverneur Viktor Mikita im Onlinedienst Telegram berichtete.

Bei einem russischen Angriff auf ein Koks-Werk in Awdijiwka in der ostukrainischen Region Donezk wurden nach Angaben von Regionalgouverneur Pawlo Kyrylenko mindestens zehn Menschen getötet und 15 weitere verletzt. Fünf weitere Menschen wurden nach seinen Angaben durch Beschuss in der Stadt Lyman getötet, vier in Wugledar, je ein Todesopfer gab es demnach in den Dörfern Welyka Nowosilka und Schandrygolowe. Der Angriff auf das Koks-Werk sei erfolgt, als die Arbeiter gerade Schichtende hatten und an einer Bushaltestelle warteten. "Die Russen wussten, worauf sie zielen", betonte Kyrylenko.

Selenskyj deutet Angriffe als Zeichen der Ohnmacht

Mit massiven Raketenangriffen auf ukrainische Eisenbahnanlagen will Russland nach Einschätzung der Kiewer Führung der Nachschub an westlichen Waffen stoppen. Das schrieb der Leiter des Präsidialamtes, Andrij Jermak, auf Telegram. Viele Landesteile waren von Explosionen erschüttert worden. Es werde aber nicht gelingen, den Nachschub an Rüstungsgütern aufzuhalten, sagte Jermak. "Es kommt alles an."

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Schwarze Rauchwolken hängen in Lwiw über einer Straße, an der nach dem Beschuss der Strom ausgefallen ist.

(Foto: picture alliance / AA)

Politisch deutete Präsident Wolodymyr Selenskyj die Angriffe als Zeichen einer Ohnmacht Moskaus. "Offensichtlich hat das russische Militär heute äußerst nervös auf unsere Erfolge reagiert", sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache in Kiew. Er berichtete von Angriffen mit Raketen auf Lwiw, Winnyzja, Odessa, das Kiewer Gebiet und das Umland von Dnipro. Ein klares militärisches Ziel sei aber nicht zu erkennen, wenn selbst Transkapatien im äußersten Westen an der Grenze zu Ungarn beschossen werde.

Die Russen kaschierten nur ihre Ohnmacht, "weil die Ukraine zu stark für sie ist", sagte Selenskyj. Die russische Armee habe mehr als 20 Raketen auf die Ukraine abgeschossen, schrieb der Kommandeur der ukrainischen Luftwaffe, Juri Ignat, auf Facebook. Viele Raketen seien von Langstreckenbombern über dem Kaspischen Meer abgefeuert worden. Die Luftabwehr der Ukraine habe ihrerseits acht feindliche Marschflugkörper abgefangen. Diese militärischen Details waren nicht unabhängig überprüfbar.

Auch Stahlwerk Asowstal unter Beschuss

Auch am Stahlwerk Asowstal in Mariupol gingen russische Truppen in die Offensive. Nach russischen Angaben hätten sich ukrainische Kämpfer eine Feuerpause zunutze gemacht und dort wieder in Stellung gebracht. Russland habe daher mit dem Beschuss dieser Stellungen begonnen, berichtete die Agentur RIA unter Verweis auf das Verteidigungsministerium. "Es wurde ein Waffenstillstand erklärt, Zivilisten wurden aus dem Gebiet von Asowstal evakuiert", hieß es. Dort stationierte Soldaten hätten das ausgenutzt. "Jetzt beginnen Einheiten der russischen Armee und der 'Volksrepublik Donezk' mit Artillerie und Luftunterstützung, diese Feuerstellungen zu zerstören."

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Aus dem belagerten Stahlwerk sind nach Angaben der Vereinten Nationen bislang etwa 101 Menschen evakuiert worden. Die meisten von ihnen seien nun in Saporischschja, wo sie humanitäre Hilfe erhielten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zeigte sich am Abend erleichtert über die Rettung von Zivilisten aus dem Stahlwerk und anderen Teilen Mariupols. "Endlich sind diese Menschen in völliger Sicherheit", sagte er in seiner Videobotschaft. Die Evakuierung sei unter großen Mühen, mit langen Verhandlungen und der Hilfe verschiedener Vermittler vorbereitet worden. Die Gruppe mit Frauen, Kindern und älteren Menschen wurde am Dienstag in die Stadt Saporischschja in ukrainische Obhut gebracht.

Die Ukraine bereitet bereits auf eine weitere Evakuierung von Zivilisten aus Mariupol vor. Als Treffpunkt für den Transport nannte die Gebietsverwaltung von Saporischschja in der Nacht ein großes Einkaufszentrum im Westen von Mariupol. Es liegt aber mehrere Kilometer entfernt vom Stahlwerk Asowstal. "Die Evakuierung findet mit Unterstützung der UN und des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz statt", teilte Gouverneur Oleksandr Staruch auf Telegram mit. Mariupol zählte vor dem russischen Angriffskrieg etwa 400.000 Einwohner. Nach Schätzungen harren noch 100.000 Menschen in der weitgehend zerstörten Stadt aus.

Quelle: ntv.de, lve/AFP

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