Politik

Westliche Waffen zeigen Wirkung Was die Aufgabe der Schlangeninsel für Russland bedeutet

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Zu Beginn des Krieges erobern russische Truppen die strategisch wichtige Schlangeninsel. Nun geben Moskaus Streitkräfte das Eiland wieder auf. Für den Kreml ist es eine empfindliche Niederlage. Ohne westliche Waffenlieferungen wäre der ukrainische Erfolg aber wohl nicht möglich gewesen.

Während Russland von einer "Geste des guten Willens" spricht, geht die Ukraine von einem wichtigen militärischen Sieg für ihre Truppen aus: Nach gut vier Monaten hat die russische Armee ihren Rückzug von der ukrainischen Schlangeninsel im Schwarzen Meer bekannt gegeben. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, die Soldaten hätten ihre Mission erfüllt und seien nun abgezogen worden, um der Ukraine den Export von Getreide auf dem Seeweg zu ermöglichen.

Doch der wahre Grund dürfte ein anderer sein. Die russischen Soldaten hätten die Schlangeninsel verlassen, "da sie dem Feuer unserer Artillerie, Raketen und Luftangriffe nicht standhalten konnten", triumphierte der ukrainische Armeechef Walerij Saluschny bei Telegram. Laut Saluschny habe die in der Ukraine hergestellte Bohdana-Haubitze eine wichtige Rolle bei der Befreiung gespielt. Gleichzeitig dankte der General dem Westen für seine Unterstützung.

Auch zahlreiche Beobachter sehen in den jüngsten Waffenlieferungen an Kiew einen wichtigen Faktor für den Rückzug der russischen Truppen. Erst vergangene Woche erhielten die ukrainischen Streitkräfte aus den USA Mehrfachraketenwerfer vom Typ HIMARS. Die mobilen Waffensysteme können mehrere präzisionsgelenkte Raketen gleichzeitig auf Ziele in bis zu 80 Kilometern Entfernung abfeuern. Die Projektile sind zudem von Flugabwehrgeräten nur schwer abzufangen. Auch der Beschuss durch französische Haubitzen des Typs Caesar dürfte die Besatzer der Schlangeninsel vor Probleme gestellt haben. Die auf Lastwagen montierten Geschütze mit einem Kaliber von 155 Millimeter können Ziele bis auf eine Entfernung von 40 Kilometern präzise treffen.

Russischer Flotte fehlt die Luftabwehr

Die 35 Kilometer vor der Küste gelegene Schlangeninsel gilt als strategisch wichtiger Posten zur Überwachung der Seewege im nordwestlichen Teil des Schwarzen Meeres. Russland hatte das Eiland kurz nach Kriegsbeginn erobert und kontrollierte damit den Zugang nach Odessa. Nach dem Untergang des russischen Kreuzers "Moskwa" wurden neben dem Kurzstrecken-Flugabwehrsystem Panzir-S1 auch mehrere Tor-Systeme auf der Insel stationiert, um die russische Blockadeflotte zu schützen. Spektakuläre Fliegerangriffe der ukrainischen Luftwaffe wie im April waren dadurch nicht mehr möglich.

Doch in den vergangenen Tagen zeigten Drohnenaufnahmen heftige Explosionen auf der Insel. Offizielle Bestätigungen blieben zwar aus, doch Berichten zufolge kamen neben der ukrainischen Bohdana-Haubitze, von der nur ein einziges Exemplar existiert, auch die französische Caesar und US-amerikanische HIMARS zum Einsatz. Nachdem die ukrainischen Streitkräfte am Morgen die Zerstörung eines weiteren Panzir-S1-Systems gemeldet hatten, verkündete Moskau wenig später die Aufgabe der Insel.

Für den Kreml ist der Verlust der Schlangeninsel eine empfindliche Niederlage. Denn ohne die Luftabwehr auf der Insel ist die russische Flotte durch Drohnen- und Raketenangriffe verwundbar. Als Konsequenz werden sich Moskaus Schiffe noch weiter von der Küste entfernen müssen. Die Aufrechterhaltung der Seeblockade wird damit zumindest erschwert. Doch ein anderer Punkt dürfte mehr schmerzen: Die Räumung der Schlangeninsel führt Moskau vor Augen, dass die Lieferung westlicher Waffen an die Ukraine den Unterschied machen kann.

(Dieser Artikel wurde am Freitag, 01. Juli 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, jpe/AFP/rts/dpa

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