Ex-General sieht Putins Schwäche"Russland ist in keiner Weise unbesiegbar"

US-Präsident Trump will den Krieg in der Ukraine bis Juni beenden. Diese Frist hält Klaus Wittmann, Brigadegeneral a.D., für unrealistisch. Trump habe schon oft Fristen gesetzt, die folgenlos geblieben seien. Der Frieden hänge von Putin ab, der von seinen Zielen allerdings nicht abweiche.
Vor seiner zweiten Amtszeit als US-Präsident hatte Donald Trump erklärt, den Ukraine-Krieg binnen 24 Stunden zu beenden. Später setzte sein Team das Ziel auf 100 Tage. Jetzt gibt es eine neue Frist: Bis Juni will Trump eine Einigung zwischen Russland und der Ukraine sehen. Doch auch dieses Szenario werde nicht eintreten, "weil es von Putin abhängt und der will seine Ziele nicht ändern", sagte Brigadegeneral a.D. Klaus Wittmann im Ukraine-Talk bei ntv.
Die Ukraine dagegen wolle ihre Oblaste nicht abgeben. Abgesehen davon, dass die ukrainische Verfassung das nicht ermögliche, seien in der Region Donezk etwa 20 bis 21 Prozent des Territoriums noch nicht durch die Russen besetzt. Dort gebe es einen "Festungsgürtel aus verschiedenen Städten und Feldbefestigungen, die die russischen Streitkräfte in vier Jahren nicht haben durchbrechen können", so Wittmann. Wenn dieses Gelände kampflos an die Ukraine übergehe, "dann käme Putin aus dem Frohlocken gar nicht heraus". Ein zusätzliches Problem bestehe darin, dass das Gelände dann den Weg in Richtung der ukrainischen Hauptstadt Kiew freimache.
Putin mache seine Ziele durch Chiffren klar: "Befreiung" heiße, Zerstörung der ukrainischen Staatlichkeit und Identität, erklärt Wittmann, "Entnazifierung" heiße, ein Marionettenregime solle eingesetzt werden. "Entmilitarisierung" bedeute die Festschreibung der ukrainischen Wehrlosigkeit, und "Neutralität" sei ein anderes Wort für ein Vakuum, um den nächsten Angriff vorzubereiten.
Russlands Verluste sind hoch
Im Fall einer Friedenslösung sieht Wittmann eine große Herausforderung im Hinblick auf Sicherheitsgarantien. Für eine entmilitarisierte Zone müssten sich beide Seiten gut 30 Kilometer zurückziehen. Die Vorschläge zur Überwachung der Sicherheit aus der Luft oder zur Stationierung von Truppen in Nachbarländern werden laut dem Brigadegeneral a.D. nicht reichen: "Das ist alles nicht genug." Für Putin "ist Diplomatie Teil der Kriegsführung", denn er spiele weiter auf Zeit und führe den US-Präsidenten an der Nase herum.
Stattdessen rate er den Unterstützern der Ukraine, weiter auf den Zwei-Punkte-Plan der EU zu setzen, wie ihn die EU-Außenbeauftragte Katja Kallas schon im vergangenen Jahr vorgestellt hat: Russland weiter schwächen und die Ukraine stärken. "Unbesiegbar ist Russland in keiner Weise", so Wittmann. Die Verluste bei den Russen seien hoch. Im Winter gebe es kaum Schutz durch Laub. Auch Angriffe mit großen Kolonnen oder Fahrzeugen gebe es kaum. Stattdessen setze Russland auf kleine Truppen, die zu Fuß und mit Motorrädern unterwegs seien. "Und man kann nur sagen: Diese armen Soldaten, die rennen großenteils in ihr Verderben."
Der ukrainische Generalstab hat vor Kurzem neue Zahlen veröffentlicht, nach denen Russland seit Kriegsbeginn mehr als 1,2 Millionen Soldaten verloren haben soll. Die amerikanische Denkfabrik Center for Strategic and International Studies spricht von 325.000 gefallenen russischen Soldaten.
Die Verluste bei den Russen seien riesig, sagt auch Wittmann. Militärisch beenden könne Putin diesen Krieg nicht. Trotzdem versuche er weiter, seine Verhandlungsposition zu stärken und durch Propaganda das Bild eines Großangriffs auf die gesamte Front zu verbreiten. Dazu geht der Terror aus der Luft auf die ukrainische Bevölkerung weiter. Wittmann sagt: "Aufgeben ist keine Option", die Ukrainer würden zusammenhalten.