Politik

Kapitulationsbefehl aus Kiew Russland meldet komplette Einnahme von Asowstal

2022-05-20T194703Z_1085288172_RC26BU9XQGFZ_RTRMADP_3_UKRAINE-CRISIS-AZOVSTAL-SERVICEMEN.JPG

Auch die letzten Kämpfer aus dem belagerten Werk sollen sich nun ergeben haben, teilt das russische Verteidigungsministerium mit.

(Foto: REUTERS)

Einen Monat lang verteidigen Kämpfer des Regiments Asow das Stahlwerk von Mariupol gegen die russische Belagerung. Nach einem Befehl zur Kapitulation vom ukrainischen Generalstab meldet Moskau nun die vollständige Übernahme der Fabrik. Das Schicksal der Kommandeure ist ungewiss.

Die russische Armee hat die "vollständige Befreiung" des Asow-Stahlwerks im ukrainischen Mariupol nach der Kapitulation der letzten verbliebenen ukrainischen Soldaten gemeldet. "Heute am 20. Mai hat sich die letzte Gruppe von 531 Kämpfern ergeben", teilte Igor Konaschenkow, Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, auf Telegram mit. Insgesamt hätten sich seit Montag "2439 Nazis des Asow(-Regiments) und ukrainische Soldaten, die in der Fabrik festsaßen, ergeben". Präsident Wladimir Putin sei von Verteidigungsminister Sergej Schoigu über "das Ende des Einsatzes und die vollständige Befreiung des Kombinats (Asow-Stahl) und der Stadt Mariupol" informiert worden, hieß es weiter. Der Anführer des ukrainischen Asow-Regiments habe sich ergeben und sei in einem "gepanzerten Spezialfahrzeug" aus der Fabrik gebracht worden, um zu verhindern, dass er von feindseligen Einwohnern angegriffen werde.

Das Werk war das letzte Stück der strategisch wichtigen Stadt im Südosten der Ukraine, das noch nicht komplett unter russische Kontrolle gewesen war. Die Industriezone war seit dem 21. April von russischen Truppen blockiert gewesen. Die Asow-Kämpfer hatten immer wieder vergeblich um Hilfe von den ukrainischen Streitkräften gebeten.

Zuvor hatten die verbliebenen ukrainischen Verteidiger des Stahlwerks am Asowschen Meer erstmals erklärt, dass sie laut einem Befehl ihrer Armeeführung die Verteidigung der Stadt einstellen sollen. Dies sagte der Kommandeur des Nationalgarderegiments "Asow", Denys Prokopenko, in einer Videobotschaft. Damit sollten Leben und Gesundheit der Soldaten der Garnison geschützt werden.

Schicksal der Gefangenen unklar

Am Montag hatten sich bereits die ersten 264 Soldaten ergeben, darunter über 50 Schwerverletzte. Nach russischen Angaben kamen am Donnerstag weitere in Gefangenschaft. Die Kommandeure und einige Kämpfer hatten bis zuletzt die Stellung gehalten. Insgesamt wurde in Moskau stets von rund 2500 ukrainischen Kämpfern ausgegangen. Die Regierung in Kiew hingegen hatte deren Zahl nur mit 1000 angegeben. Bis zuletzt sprach die ukrainische Führung auch von einer "Rettungsoperation" statt einer Kapitulation und stellte einen baldigen Gefangenenaustausch mit Russland in Aussicht.

Für diese Hoffnungen fehlte allerdings bis zuletzt eine Bestätigung. So forderte der Vorsitzende des Außenausschusses der Duma, Leonid Slutski, für die Kämpfer die Todesstrafe. Auch der Chef des russischen Parlaments, Wjatscheslaw Wolodin, sprach sich gegen einen generellen Gefangenenaustausch aus. "Nazi-Verbrecher unterliegen keinem Austausch. Das sind Kriegsverbrecher, und wir müssen alles dafür tun, sie vor Gericht zu bringen", sagte der Duma-Chef Anfang der Woche. Die Generalstaatsanwaltschaft beantragte der Nachrichtenagentur Interfax zufolge beim Obersten Gericht bereits die Einstufung des Regiments Asow als Terrorgruppe. Die Verhandlung darüber solle am 29. Mai stattfinden, hieß es in Moskau.

Quelle: ntv.de, mau/AFP/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen