Politik

Satelliten werden "geblendet"Russland produziert Starlink-Störsystem

29.08.2026, 11:45 Uhr
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Für die ukrainische Kriegsführung sind die Starlink terminals noch unverzichtbar. (Foto: picture alliance / Pacific Press)

Russland will Starlink in der Ukraine offenbar gezielt ausschalten: Ein neues mobiles Störsystem soll Kommunikation, Navigation und Drohnen stören. Doch wie wirksam die Technik an der Front tatsächlich ist, bleibt offen.

Russland startet offenbar die Massenproduktion eines Systems der elektronischen Kampfführung, das zur Störung des von der Ukraine eingesetzten Starlink-Systems dienen soll. Wie die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass berichtet, nutzt das System Volna Kupol Garant ein Funksignal, um Empfangsantennen der Satelliten zu "blenden" und so die Kommunikation zu den Starlink-Stationen am Boden zu beeinträchtigen.

Wie effektiv das System wirklich ist, ist unklar. Erste Berichte über das Volna Kupol Garant kursieren seit diesem Sommer. Der "Ukrainska Pravda" zufolge berichtete Serhii "Flash" Beskrestnov im Juni, dass das System vom russischen Unternehmen Russkii Kupol in Simferopol hergestellt wird. Beskrestnov ist Berater des ukrainischen Präsidenten und Experte für Funktechnik. Seinen Angaben zufolge hat die Zahl der russischen Anti-Satelliten-Systeme, die das Starlink-Signal stören können, deutlich zugenommen - und zwar nicht nur im Hinterland, sondern auch an der Front.

In der vergangenen Woche hatte der ukrainische Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gesagt, dass sowohl Russland als auch die Ukraine an Alternativen zum Satellitennetzwerk Starlink von US-Technologieunternehmer Elon Musk arbeiten. Moskau entwickle gemeinsam mit China ein entsprechendes System und rechne damit, das Projekt bis Dezember 2026 fertigzustellen. Kiew arbeite mit einem europäischen Land an einem ähnlichen Projekt und habe bereits mit Tests begonnen. Welches Land beteiligt ist, sagte er nicht.

Bewegliches System zur Blendung

Das System Volna Kupol Garant erzeugt Störungen in acht Satelliten-Datenübertragungsbändern zwischen 14 und 14,5 GHz mit jeweils einer Bandbreite von 62,5 MHz und deckt Berichten zufolge jeweils eine Fläche von etwa 20 Quadratkilometern ab. Innerhalb dieser Zone verlieren die Bodenstationen die Verbindung zum Satelliten, Internet und Navigation fallen aus, Drohnen werden "blind".

Eine Richtantenne mit Phased-Array-Technik könne Satelliten in rund 500 Kilometern Höhe gezielt anpeilen. Ziel sei es, ihre Empfangssysteme zu sättigen und Verbindungen in betroffenen Gebieten lahmzulegen. Nach einem Bericht von "BFM Tech" arbeitet die Technik mit einem schmalen Hochfrequenzstrahl und unterscheidet sich damit von klassischer Funkstörung. Der Effekt tritt demnach nicht sofort nach dem Abschalten des Signals ein: Die Satelliten bräuchten laut "Reuters" noch mehrere Minuten, um wieder normal zu arbeiten.

Ein einzelnes System ist den Berichten zufolge auf vier bis sechs Lastwagen montiert, von denen jeder mit zwei Antennen ausgestattet ist. Ein Lkw sorgt demnach für die Stromversorgung, ein anderer berechnet die Umlaufbahn des Satelliten und die erforderlichen Frequenzen, die übrigen senden Störsignale über Richtantennen.

Die ukrainischen Streitkräfte haben bereits einmal ein Volna Kupol Garant-Kampfführungssystem angegriffen. Der OSINT-Analyst Dnipro Osint (Harbuz) veröffentlichte Satellitenbilder eines zerstörten Systems bei der Militäreinheit Nr. 2156 im russischen Gelendschik.

Laut dem russischen Militärexperten Juri Knutow deckt das System schon jetzt den Landkorridor zur Krim und die Infrastruktur im Hinterland ab und erweise sich beim Schutz wichtiger Objekte als effektiv. Bislang sei die Reichweite aber noch begrenzt. Um große Gebiete, wie beispielsweise die gesamte "Novorossija"-Strecke abzudecken, wären zahlreiche ausgerüstete Fahrzeuge erforderlich.

Starlink spielt für die Kommunikation der ukrainischen Streitkräfte eine wichtige Rolle. Über dieses System laufen die Koordination, die Zielerfassung und die Übertragungen von Drohnen. Auch die russische Armee hatte Starlink-Terminals unter anderem für Drohnenangriffe genutzt. Das Unternehmen SpaceX, dass das Satellitennetzwerk Starlink bereitstellt, ergriff jedoch im Februar Maßnahmen, um die nicht autorisierte russische Nutzung zu unterbinden. Experten zufolge trugen die daraus entstandenen Kommunikationsprobleme dazu bei, die russische Armee an der Front zu schwächen.

Quelle: ntv.de, sba

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