Politik

"Strukturierte" Truppen-VerlegungRutte erwartet US-Ankündigung zu geringerer Nato-Beteiligung

20.05.2026, 16:04 Uhr
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US-Präsident Trump hatte zuletzt den Abzug von Soldaten aus Europa auch als Drohung benutzt. (Foto: REUTERS)

Ende der Woche treffen sich die Nato-Außenminister. Es wird erwartet, dass die USA dort konkrete Aussagen zu ihrer künftigen Beteiligung am Militärbündnis machen. Dabei geht es vor allem um den Abzug von Soldaten aus Europa. Generalsekretär Rutte bemüht sich um Gelassenheit.

Die USA werden nach Angaben von Nato-Generalsekretär Mark Rutte eine Verringerung ihres Beitrags zu den Streitkräfteplanungen des transatlantischen Bündnisses ankündigen. Was genau angekündigt werde, dürfe er nicht offenlegen, sagte Rutte. Für die Nato seien die Ankündigungen allerdings nicht überraschend, betonte er und sagte, er erwarte eine "strukturierte" Verlegung von US-Truppen aus Europa. Die USA planen schon länger, sich geopolitisch mehr in Richtung des Indopazifiks zu orientieren und in diesem Zusammenhang Truppen aus Europa abzuziehen.

Nach Angaben von Rutte stehen die erwarteten Ankündigungen im Zusammenhang mit dem sogenannten Nato Force Model. Dieses ist der Rahmen, in dem die Bündnisstaaten nationale Streitkräfte benennen, die dem zuständigen Nato-Oberbefehlshaber für Operationen, Missionen und andere Aktivitäten des Bündnisses in Friedenszeiten zur Verfügung stehen. Zudem weisen die Nationen einen größeren Pool verfügbarer Kräfte aus, die bei Bedarf in einer Krise oder einem Konflikt eingesetzt werden können. Das Modell soll damit dazu beitragen, dass die Nato-Verteidigungspläne im Ernstfall schnell umgesetzt werden können.

Rutte erklärte, dass Gespräche über Anpassungen bereits seit einem Jahr geführt würden. "Deshalb gibt Europa so viel mehr aus – im Grunde, um die übermäßige Abhängigkeit von einem Verbündeten zu beenden", sagte er mit Blick auf das am Freitag geplante Treffen der Außenminister der Bündnisstaaten in Schweden. Es wird allgemein erwartet, dass die USA dort eine Ankündigung zu ihrer Beteiligung am Nato Force Model machen werden.

Diplomaten betonten, dass die Anpassungen nicht automatisch bedeuteten, dass die USA weitere Truppen aus Europa abziehen. Der US-General und Nato-Oberbefehlshaber Alexus Grynkewich hatte unlängst erklärt, dass über den von US-Präsident Donald Trump angekündigten Abzug von rund 5000 Soldaten hinaus kurzfristig keine anderen Ankündigungen zu erwarten seien. Eine Großzahl dieser Soldaten gehöre zu der Brigade, die nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine 2022 nach Deutschland verlegt worden war, und nun in die USA zurückkehrt. Langfristig sollte man aber durchaus mit weiteren Rückverlegungen rechnen, da Europa seine Fähigkeiten und Kapazitäten weiter ausbaue und mehr Verantwortung für die konventionelle Verteidigung Europas übernehme, ergänzte er.

US-Präsident Donals Trump hatte jedoch unter dem Eindruck des Iran-Kriegs und einer von ihm wahrgenommenen mangelnden Unterstützung durch die Nato-Verbündeten im Iran-Krieg auch erklärt, Washington werde die Zahl "noch deutlich stärker reduzieren". Zudem stoppte Washington die geplante Stationierung eines Fernfeuerbataillons mit Tomahawk-Marschflugkörpern in Deutschland. Die Entsendung von US-Streitkräften nach Polen wurde gestoppt und verzögert sich nun. All diese Ankündigungen führten in Europa zu Verwirrung über die tatsächlichen Zahlen und den Zeitrahmen.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa/AFP

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