Politik

Welche Soldaten zieht Trump ab?Das sind die Aufgaben der US-Truppen in Deutschland

07.05.2026, 18:44 Uhr
imageVon Kevin Schulte
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Am-Ortsausgang-Ramstein-Miesenbach-weist-ein-Schild-Air-Base-geradeaus-Nach-den-wachsenden-Spannungen-zwischen-Praesident-Donald-Trump-und-Bundeskanzler-Friedrich-Merz-CDU-ordnet-die-US-Regierung-den-Teilabzug-von-Soldaten-aus-Deutschland-an-Rund-5-000-von-ihnen-sollen-in-den-naechsten-sechs-bis-zwoelf-Monaten-verlegt-werden
Die Ramstein Air Base ist einer von vielen amerikanischen Truppenstützpunkten in Deutschland. (Foto: picture alliance/dpa)

Ramstein, Grafenwöhr, Vilseck: Das US-Militär hat mehrere große Stützpunkte in Deutschland. Doch die Truppenstandorte sind bedroht. US-Präsident Trump möchte mindestens 5000 Soldaten aus Deutschland abziehen. Wo sind sie derzeit stationiert? Und was machen sie überhaupt hierzulande?

"Ami, go home" verlangen vor allem linke Kreise in der Bundesrepublik Deutschland seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Was bisher eine realitätsfremde Forderung war, könnte schon bald wahr werden - zumindest teilweise: Ende vergangener Woche kündigt das US-Verteidigungsministerium an, 5000 amerikanische Soldaten aus Deutschland abzuziehen. Donald Trump plant sogar einen größeren Abbau der Truppenpräsenz. "Wir werden die Zahl noch deutlich stärker reduzieren", sagt der US-Präsident.

Wie meistens bei Trump sind die Pläne offensichtlich noch nicht im Detail ausgearbeitet. Aber grundsätzlich scheinen Trump und sein Verteidigungsminister Pete Hegseth an einem Strang zu ziehen: Sie wollen amerikanische Soldaten nach Hause holen. Das hatte der US-Präsident schon in seiner ersten Amtszeit immer wieder angedeutet. "Da ging es darum, ein Drittel der amerikanischen Soldaten aus Deutschland abzuziehen. Das waren sehr konkrete Planungen, die nur deshalb nicht umgesetzt wurden, weil Trump die Wahl verloren hat", blickt Politikwissenschaftler Thomas Jäger im ntv-Interview zurück.

Drehkreuz in der pfälzischen Provinz

In Deutschland leben und arbeiten 35.355 amerikanische Soldaten laut Zahlen des Pentagons vom Dezember. Sie machen die Hälfte der insgesamt in Europa stationierten US-Soldaten aus. Nur in Japan sind die Vereinigten Staaten mit noch mehr Soldaten im Ausland vertreten. In Deutschland sind sie auf über 40 Standorte von US Army und US Air Force verteilt. Die Militärbasen verwandeln die Ortschaften in amerikanische Kleinode, mit eigenen Supermärkten und Fast-Food-Läden.

Die US-Truppen in Deutschland sind in fünf Garnisonen eingeteilt: Bayern, Rheinland-Pfalz, Ansbach, Stuttgart und Wiesbaden. Die amerikanische Luftwaffe unterhält zwei Hauptstützpunkte in Deutschland: Ramstein und Spangdahlem.

Einige US-Standorte sind riesengroß, andere winzig klein. Der größte und wichtigste amerikanische Militärstützpunkt außerhalb der USA ist die Ramstein Air Base in der Nähe von Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz. Sie ist das logistische Drehkreuz der US-Luftwaffe in Europa und der Nato. Von hier werden Truppen und Ausrüstung zu Einsätzen nach Osteuropa, Afrika und in den Nahen Osten weitergeleitet.

Auf dem Stützpunkt ist zudem die Nato-Kommandozentrale für die militärische Luftraumüberwachung aller europäischen Nato-Partner und eine Satelliten-Relaisstation für den Einsatz von US-Kampfdrohnen angesiedelt. "Die Piloten steuern die Drohnen meistens aus den USA heraus. Das heißt, sie geben ein Steuersignal, welches mit Glasfaserkabel über den Atlantik bis nach Ramstein übertragen wird. Und dort wird es quasi von Glasfaser auf Satellitenkommunikation umgestellt", erklärt Oberst Markus Reisner vom Österreichischen Bundesheer bei ntv. "Per Satellitenverbindung wird dann von Ramstein aus die Drohne im Iran, in Afghanistan und sonst wo gesteuert."

Atomwaffen an der Mosel

Ganz in der Nähe von Ramstein befindet sich auch das größte amerikanische Militärkrankenhaus außerhalb der USA: das Landstuhl Regional Medical Center. Nur wenige Kilometer entfernt, in Weilerbach, wird aktuell ein noch größeres US-Klinikum gebaut.

In der Nähe von Kaiserslautern gibt es mit dem Baumholder Army Airfield außerdem einen weiteren US-Militärflugplatz auf einem Nato-Truppenübungsplatz. In den angrenzenden Smith Barracks leben und arbeiten rund 5000 amerikanische Soldaten und ihre Familien. In Miesau, ebenfalls in der Pfalz, befindet sich zudem das größte Munitionslager der US-Armee in Europa.

Kurzum: Allein rund um Kaiserslautern leben insgesamt mehr als 50.000 US-Amerikaner - Soldaten, zivile Angestellte und ihre Familien. Zur Einordnung: Kaiserslautern selbst hat gerade mal 100.000 Einwohner.

Ebenfalls in Rheinland-Pfalz befindet sich der zweite große Luftwaffenstützpunkt der Amerikaner in Deutschland: Auf der Air Base Spangdahlem sind etwa 5000 Militär- und Zivilbeschäftigte tätig. Der Stützpunkt in der Eifel ist Heimat des 52. Jagdgeschwaders. Die Hauptaufgabe der rund 20 F-16-Kampfjets ist es, im Kriegsfall die feindliche Luftverteidigung auszuschalten.

Ein Sonderfall für die US-Luftwaffe ist der Stützpunkt in Büchel an der Mosel, ganz in der Nähe von Spengdahlem: Dabei handelt es sich eigentlich um einen deutschen Luftwaffenstützpunkt. Allerdings lagern hier amerikanische Atomwaffen im Rahmen der nuklearen Teilhabe der Nato.

Hauptkommando in Stuttgart

Die USA beschäftigen in Deutschland aber nicht nur operative Einheiten, sondern betreiben zusätzlich strategische Stützpunkte. Dazu zählt auch die Garnison Stuttgart. In der baden-württembergischen Landeshauptstadt befindet sich das Hauptquartier des U.S. European Command (EUCOM). Das ist das Oberkommando der amerikanischen Streitkräfte in Europa. Von den Patch Barracks in Stuttgart-Vaihingen aus werden alle US-Militäroperationen in Europa koordiniert. In den Kelly Barracks in Stuttgart-Möhringen sitzt das U.S. Africa Command (AFRICOM), welches sämtliche US-Militäroperationen in Afrika steuert.

Das Hauptquartier der Garnison Stuttgart sitzt in der Panzerkaserne Böblingen. Diese Militärgemeinde ist deutlich kleiner als die pfälzische bei Kaiserslautern, umfasst insgesamt aber immernoch etwa 20.000 Personen.

Ein weiteres Hauptquartier der US-Armee befindet sich in Wiesbaden. Die Lucius-D.-Clay-Kaserne in der hessischen Landeshauptstadt dient als zentraler Standort für alle US-Landstreitkräfte in Europa und Afrika. Seit 2022 werden hier auch sämtliche westliche Waffenlieferungen und Ausbildungsprogramme für die ukrainische Armee koordiniert.

Ebenfalls zur Garnison Wiesbaden gehören der Standort in Mainz-Kastel sowie der Dagger Complex in Darmstadt. In Mainz-Kastel ist die 56. Artillerie-Kommandoeinheit stationiert. Sie ist für den Einsatz von Hyperschallraketen zuständig. Darmstadt dient als Standort für ein militärisches Rechenzentrum.

Größter US-Truppenübungsplatz Europas

Die beiden weiteren US-Garnisonen auf deutschem Boden befinden sich in Bayern. In Mittelfranken ist die Garnison Ansbach beheimatet. Dazu zählen sechs Standorte und neun Kasernen. Besondere Bedeutung haben die Militärflugplätze in Ansbach-Katterbach und in der Nachbargemeinde Illesheim. Der dortige Flugplatz dient der US Army als Hubschrauberlandeplatz. Auf dem Arnsbach Heli Pad sind mehrere Transport- und Kampfhubschrauber der amerikanischen Heeresflieger stationiert. Rund 12.000 Soldaten, Zivilisten und Angehörige gehören zur Garnison Ansbach.

Die größte US-Garnison außerhalb der Vereinigten Staaten ist allerdings die USAG Bavaria. Fast 40.000 Amerikaner hat Washington nach Bayern geschickt; davon gehören rund 16.000 offiziell dem Militär an. Wichtiger Eckpfeiler der bayerischen Garnison ist der Truppenübungsplatz in Hohenfels bei Regensburg.

Das Hauptquartier der bayerischen Garnison befindet sich in Grafenwöhr in der Oberpfalz. Zu den Tower Barracks gehört das mit 220 Quadratkilometern größte US-Übungsgelände in Europa. Es ist zudem ein wichtiger Übungsplatz für Nato-Truppen. In Grafenwöhr ist auch das 7. Ausbildungskommando der US-Streitkräfte beheimatet.

Stryker-Brigade in Bayern stark gefährdet

Ebenfalls in der Oberpfalz liegen die Rose Barracks. So heißt der US-Stützpunkt in Vilseck. Hier ist das 2. Kavallerieregiment, die Stryker-Brigade stationiert, eine hoch spezialisierte, schnelle Eingreiftruppe. Laut des Bayerischen Rundfunks steht die Einheit im Fokus des amerikanischen Truppenrückzugs. Die 5000 Amerikaner würden vom Standort in Vilseck abgezogen, meldete der Sender Anfang der Woche und beruft sich dabei auf "exklusive Informationen".

Der frühere US-Präsident Joe Biden hatte die Stryker-Brigade erst 2022 nach Deutschland verlegt - als Reaktion auf die russische Invasion in der Ukraine. Die Brigade umfasst unter anderem Flugabwehr, Artillerie, Drohnen, Kampf- und Schützenpanzer, aber auch Pioniere.

Anders als die anderen Standorte dient Vilseck nicht in erster Linie den strategischen Interessen der USA. Der Stryker-Sitz in der Oberpfalz dient nicht zuallererst dazu, die militärische Macht der USA in weit entfernte Weltregionen zu projizieren. Das macht die Rose Barracks zum wahrscheinlichsten Ziel des amerikanischen Truppenrückzugs aus Deutschland.

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Redaktion: Caroline Amme, Christian Herrmann, Kevin Schulte

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Quelle: ntv.de

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