Politik

"Chaos", "Showveranstaltung" SPD-Manager will Pharma-Gipfel von Spahn

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Gesundheitsminister Jens Spahn soll schnell Maßnahmen für eine erhöhte Impfstoffproduktion ergreifen, heißt es aus der SPD.

(Foto: picture alliance/dpa)

Seit einigen Tagen wird in der EU gegen das Coronavirus geimpft, doch die Produktion und Auslieferung der ersehnten Impfdosen kommt auch in Deutschland nicht so schnell voran, wie erhofft. Der Gesundheitsminister soll für Tempo sorgen. Aber so einfach ist das nicht.

CDU-Gesundheitsminister Jens Spahn muss sich nach Ansicht der SPD-Fraktion stärker für mehr Impfstoff gegen das Coronavirus einsetzen und dafür mit Pharmafirmen kooperieren. Bei einem Gipfel mit allen in Deutschland produzierenden pharmazeutischen Unternehmen müsse Spahn klären, "welche Produktionsstätten bestehen und kurzfristig nutzbar gemacht werden können", sagte der Parlamentarische Fraktionsgeschäftsführer Carsten Schneider. "Der Bundesgesundheitsminister muss das Chaos um die Lieferung und Verteilung des Impfstoffes nun schnell beenden."

Spahn habe alle Möglichkeiten, weitreichende Maßnahmen zur Umstellung und Öffnung von Produktionsstätten der pharmazeutischen Industrie zu ergreifen, sagte Schneider. Wenn die erste Woche des neuen Jahres ohne Impfstofflieferung beginne, dränge sich der Verdacht auf, "dass der Impfbeginn eine Showveranstaltung war".

Zuletzt hatte es Wirbel um die Lieferungen der Impfdosen an die Bundesländer gegeben. Die nächste Charge soll nun am 8. Januar eintreffen. "Wir haben in Deutschland auch durch die staatliche Unterstützung einen Impfstoff gegen das Virus entwickelt. Es ist nicht akzeptabel, dass dieser Impfstoff nach dem Impfbeginn nicht mal in der angekündigten Menge zur Verfügung steht", kritisierte Schneider.

"Alles andere als trivial"

In der Debatte über das Tempo der Impfungen in Deutschland wies Spahn schon jüngst Kritik und Vorschläge zur Beschleunigung der Impfstoffproduktion durch Oppositionspolitiker zurück. FDP-Chef Christian Lindner hatte am Sonntagabend gefordert, Deutschland müsse rechtlich, wirtschaftlich, politisch und technologisch alles tun, damit schneller geimpft werden könne.

Lindner regte an, darüber nachzudenken, ob ein knapper Impfstoff wie der von Biontech nicht von anderen Herstellern in Lizenz produziert werden könnte. "Eine Produktion für einen Impfstoff ist hoch anspruchsvoll und hochkomplex, die kann man nicht mal eben per Lizenz bei einem anderen Unternehmen machen", sagte Spahn. Gerade auch für das Vertrauen in den Impfstoff ist es wichtig, dass alle Qualitätsanforderungen eingehalten würden, sagte der CDU-Politiker.

Das Mainzer Unternehmen Biontech arbeitet nach eigenen Angaben unter Hochdruck am Aufbau neuer Produktionskapazitäten für den Corona-Impfstoff. Die Produktion nun kurzfristig - möglicherweise auch durch Lizenzierungen an andere Hersteller - zu erhöhen, sei "alles andere als trivial. Da kann man nicht einfach umschalten, sodass statt Aspirin oder Hustensaft plötzlich Impfstoff hergestellt wird. Der Prozess braucht jahrelange Expertise und eine entsprechende bauliche und technologische Ausstattung", sagte die Biontech-Chefmedizinerin Özlem Türeci: "Es ist ja nicht so, als stünden überall in der Welt spezialisierte Fabriken ungenutzt herum, die von heute auf morgen Impfstoff in der nötigen Qualität herstellen könnten."

Momentan sehe es "nicht rosig aus, es entsteht ein Loch, weil weitere zugelassene Impfstoffe fehlen, und wir mit unserem Impfstoff diese Lücke füllen müssen", sagte Sahin. Deutschland werde aber "genug Impfstoff bekommen".

Quelle: ntv.de, ter/dpa