"Das ist nicht ehrlich"SPD-Vize Zorn kontert Union: Längere Arbeit nutzt Wirtschaft nicht

In der Union wird immer wieder gefordert, die Deutschen sollen mehr und länger arbeiten. Kritik vom Koalitionspartner SPD daran gibt es nicht in dieser Häufung. Doch jetzt äußert sich der Vize-Fraktionsvorsitzende im Bundestag deutlich, Armand Zorn schlägt andere Maßnahmen vor.
Nach Ansicht des stellvertretenden SPD-Fraktionsvorsitzenden Armand Zorn reicht es nicht aus, die Arbeitszeit in Deutschland zu verlängern, um die Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Entscheidend sei vielmehr die Frage, wie Deutschland in 5, 10 oder 15 Jahren wettbewerbsfähig bleibe, sagte Zorn RTL und ntv. "Die Art und Weise, wie wir erfolgreich geworden sind, 'Made in Germany', funktioniert so nicht mehr und das müssen wir uns eingestehen", betonte der SPD-Politiker.
Mehr Arbeit allein sei dafür nicht der richtige Weg. "Den größten Produktivitätsgewinn erzielen wir doch nicht dadurch, dass Menschen länger arbeiten. Das ist nicht ehrlich", sagte Zorn. Wer glaube, "dass am Ende, wenn Menschen fünf, zehn Stunden mehr arbeiten, wir plötzlich wieder wettbewerbsfähig werden, wir plötzlich wieder Weltmarktführer werden", irre sich. "Das wird nicht so funktionieren."
Der Koalitionspartner CDU und insbesondere Bundeskanzler Friedrich Merz hatten in der Vergangenheit wiederholt betont, die Deutschen müssten mehr arbeiten. In einem Brief an die Fraktionen von CDU/CSU und SPD schrieb Merz, die Lage der Volkswirtschaft habe sich mit den bisherigen Maßnahmen "noch nicht hinreichend verbessert", die Lage sei "in einigen Bereichen sehr kritisch".
Zorn verwies hingegen auf die Entscheidungen der vergangenen Legislaturperiode. "Die größte Chance, die wir haben, ist durch Technologie, durch Digitalisierung. Das ist die Art und Weise, wie wir den größten Produktivitätsgewinn erzielen können." Das sei ein Startschuss gewesen, reiche aber nicht aus. "Genau an diesen Themen müssen wir weitermachen."
Zuletzt äußerte sich mit CSU-Chef Markus Söder ein hochrangiger Unionspolitiker pro Arbeitszeitverlängerung. Er halte es für nötig, dass die Deutschen länger arbeiten und sich seltener und kürzer krankschreiben lassen, sagte er zur "Bild"-Zeitung. Mit Blick auf die Finanzierungsprobleme der Rentenkasse sagte er: "Wenn wir immer mehr ältere und immer weniger jüngere Menschen haben, kann man das nur ausgleichen, indem Deutschland länger arbeitet. Und zwar generell in der Lebenszeit."
Nach Ansicht des Deutschen Gewerkschaftsbunds Bayern wird in Deutschland bereits heute viel gearbeitet. Vollzeitbeschäftigte kämen im Schnitt auf 41,4 Wochenstunden.