Politik

Neue Internetplattform Sachsen sollen noch mehr streiten

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Lutz Bachmann und seine Pegida haben den Ruf Sachsens im Rest der Republik verändert.

(Foto: dpa)

Nirgends in Deutschland treibt das Flüchtlingsthema die Menschen so auseinander wie in Sachsen. Die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung hat dazu die Website lasst-uns-streiten.de geschaffen. Annette Rehfeld-Staudt von der Landeszentrale erklärt, warum sie sich noch mehr Auseinandersetzung wünscht.

n-tv.de: Man hat den Eindruck, dass sich die Sachsen besonders intensiv über Flüchtlingspolitik streiten. Ist das richtig?

Annette Rehfeld-Staudt: Ja, natürlich. Nach allem, was passiert ist. Die Flüchtlingspolitik ist auch in Sachsen das Hauptthema. Gerade die Vielzahl an Einwohner- und Informationsveranstaltungen der letzten Monate zeigt deutlich, dass das Thema die Sachsen bewegt.

Gerade im Internet pöbeln viele Menschen in völlig unangemessener Weise gegen Andersdenkende. Woran liegt das?

Ich denke, es liegt daran, dass sich die Menschen dort nicht ins Gesicht sehen. Die Hemmschwelle ist geringer, wenn man anonym bleiben kann. Und dann arten Diskussionen eben aus.

Nun rufen Sie die Sachsen dazu auf, im Internet zu streiten. Warum?

Es gibt einen riesigen Diskussionsbedarf, den wir auf unseren Veranstaltungen und im Netz bislang nicht genug bedienen können. Deswegen haben wir eine zusätzliche Plattform geschaffen, auf der sachliche Debatten über aktuelle, brennende Themen stattfinden können. Wir wollen keine mäandernde Diskussion, wie sie oft bei Facebook stattfindet. Wir sind aber der Meinung, dass kontroverse Diskussionen in geregelten Bahnen gewinnbringend sind.

Was wollen Sie besser machen als Facebook und Co.?

Die großen Unterschiede sind, dass wir ein Thema vorgeben, es transparente Regeln gibt und Moderatoren in die Diskussion eingreifen können. Ein weiterer Unterschied ist, dass die Beiträge bei uns archiviert und lange Zeit zugänglich gemacht werden. Bei Facebook gehen auch die interessanten Beiträge oft verloren. Darüber hinaus werden unsere Nutzer mit der jeweils konträren Meinung konfrontiert. Das Verharren in der "eigenen Welt" wird dadurch aufgebrochen.

Was sind das für Regeln? Und müssen die Nutzer so nicht Angst haben, dass sie von den Moderatoren zensiert werden?

Auf gar keinen Fall. Die Moderation bezieht sich nicht auf inhaltliche Vorgaben, sondern sorgt dafür, dass die Diskussion sachlich und ohne Beschimpfungen abläuft. Das sind ganz normale Gesprächsregeln, die Sie automatisch einhalten, wenn Sie zu jemandem von Angesicht zu Angesicht sprechen.

Und funktioniert es?

Wir haben jetzt zwei Wochen hinter uns. Über die große Beteiligung haben wir uns gefreut. Und wir mussten noch niemanden sperren und nur wenig in die Diskussion eingreifen. Ich lade alle Leute ein, auf die Plattform zu kommen und sich mit einem Profil anzumelden. So können wir in Kontakt bleiben.

Derzeit äußern sich auf der Plattform vor allem Befürworter einer Willkommenskultur gegenüber Flüchtlingen. Erreichen Sie die Skeptiker nicht?

Bis jetzt haben uns die Skeptiker auf allen Plattformen erreicht. Und auch auf der neuen Plattform sind sie. Vielleicht verhalten sich viele wegen der Regeln etwas zurückhaltender.

Wenn die Diskussion zu einem Ergebnis führt - was passiert dann damit?

Wenn eine These besonders stark diskutiert wird, können wir eine Veranstaltung dazu machen - also zum Beispiel Experten auf ein Podium einladen oder eine Tagung veranstalten. Wir werden die Erkenntnisse also in unsere sonstige Arbeit einbinden. Wer auf der Plattform mitdiskutiert und seine E-Mail-Adresse angegeben hat, wird eingeladen und kann seine Meinung anderen vortragen.

Derzeit gibt es eine Debatte darum, Facebook auf andere Regeln zu verpflichten, wie es mit problematischen Kommentaren umgehen soll. Was meinen Sie dazu?

Ich denke schon, dass Facebook darauf achten muss, was auf seiner Seite stattfindet und dass dort kein rechtsfreier Raum existiert. Bestimmte Grundregeln müssen einfach eingehalten werden: Sachlichkeit, Wahrhaftigkeit, Respekt, eindeutige Sprache, keine Aussagen unter der Gürtellinie, Einhaltung und Wahrung grundgesetzlicher Prinzipien.

Mit Annette Rehfeld-Staudt sprach Christoph Herwartz

Quelle: ntv.de