Politik

Mahnmal in Nähe des Reichstags Säule mit Holocaust-Asche errichtet

127294077.jpg

Die Säule birgt nach Angaben der Aktivisten Asche und Knochenkohle von Opfern der Nationalsozialisten.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Nachbildung des Holocaust-Mahnmals in der Nähe des Wohnhauses von AfD-Politiker Höcke sorgte bundesweit für Aufsehen. Nun macht das "Zentrum für politische Schönheit" mit einer weiteren Aktion von sich reden. Im Berliner Regierungsviertel prangert eine provisorische Säule die Verbrechen der Nazis an.

Vor dem Reichstagsgebäude hat das Künstlerkollektiv "Zentrum für politische Schönheit" (ZPS) eine sogenannte Gedenkstätte errichtet. Sie steht seit dem Morgen auf dem Gelände der ehemaligen Krolloper, in der die Reichstagsabgeordneten im März 1933 für das Ermächtigungsgesetz stimmten, eine wichtige Grundlage für die Diktatur der Nationalsozialisten.

"Es geht um die letzte deutsche Diktatur und darum, ob sie uns wieder droht", sagte ZPS-Gründer Philipp Ruch. Teil der Aktion ist eine Stahlsäule, die nach Angaben der Gruppe Asche von Opfern der Massenmorde der Nazis enthält. Diese sei in mehreren Ländern an Orten der Nazi-Verbrechen geborgen worden.

*Datenschutz

"Wir haben Tausende Quellen ausgewertet und sind den Spuren gefolgt", heißt es dazu auf der ZPS-Webseite. Die Asche der Ermordeten sei in Dämmen verbaut, auf Feldern verscharrt und in Flüsse gekippt worden. "Wir haben an 23 Orten 248 Bodenproben genommen und in Labore geschickt. In 175 der Proben fanden sich Hinweise auf menschliche Überreste." An einem der Orte fanden die Aktivisten nach eigenen Angaben metertief Asche und Knochenkohle. Die nun errichtete Säule berge "im Kernstück einen in alle Ewigkeit konservierten Bohrkern aus genau dieser Erde."

Das "Zentrum für politische Schönheit" ist bereits mehrfach mit Aktionen aufgefallen, die Aufsehen erregt haben. So hatte es vor gut zwei Jahren eine Nachbildung des Berliner Holocaust-Mahnmals in Nachbarschaft des Wohnhauses des AfD-Politikers Björn Höcke in Thüringen aufgestellt.

Opfer-Verbände bewerten Aktion unterschiedlich

Über der sogenannten Gedenkstätte ist der Schriftzug "Gedenken heißt Kämpfen" zu lesen. Und in Großbuchstaben "Keinen Schritt weiter! Hier begann die letzte deutsche Diktatur". Grablichter brennen, es gibt Blumensträuße, darüber hängen Zettel mit Texten wie "Vergesst sie nicht" oder "Gegen politischen Alzheimer in Deutschland". Nach Angaben der Polizei ist die Veranstaltung bis zum 7. Dezember angemeldet. Das Künstlerkollektiv hat allerdings angekündigt, Spenden sammeln zu wollen, um am kommenden Samstag ein Betonfundament für die Säule zu gießen, wenn genügend Geld dafür zusammenkommt.

Lea Rosh, Vorsitzende des Fördervereins "Denkmal für die ermordeten Juden Europas", nannte die ZPS-Aktion großartig. "Es ist ja eine politische Botschaft, die damit einhergeht. Es ist die Botschaft: Guckt hin, hier ist die Macht an die Nazis übertragen worden." Christoph Heubner, Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, kritisierte die Aktion hingegen: "Auschwitz-Überlebende sind bestürzt darüber, dass mit diesem Mahnmal ihre Empfindungen und die ewige Totenruhe ihrer ermordeten Angehörigen verletzt werden."

Quelle: n-tv.de, fzö/dpa

Mehr zum Thema