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Brücke stürzt in Genua ein Salvini kritisiert Sparvorgaben der EU

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Für Matteo Salvini steht die Sicherheit der Italiener an erster Stelle.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bei einem Brückenunglück in Genua kommen zahlreiche Menschen ums Leben. Wie es zu dem Einsturz des Teilstücks kommen konnte, ist noch unklar. Innenminister Salvini greift trotzdem indirekt die EU an. Und er verkündet massive Investitionen in die Infrastruktur.

Italiens Innenminister Matteo Salvini hat das Brückenunglück in Genua zum Anlass genommen, indirekt die Sparvorgaben der EU zu kritisieren. Der Politiker der rechtsextremen Lega stellte massive Investitionen in die marode Infrastruktur seines Landes in Aussicht. "Es gibt einen großen Teil Italiens, der sicher gemacht werden muss. Und wenn es ausländische Verpflichtungen gibt, die uns davon abhalten, das für die Sicherheit der Autobahnen benötigte Geld auszugeben... müssen wir uns fragen, ob wir diese Verpflichtungen weiterhin respektieren oder die Sicherheit der Italiener an die erste Stelle und zuvorderst stellen", sagte Salvini. "Natürlich werde ich die zweite Möglichkeit wählen."

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In der EU besteht schon länger die Sorge, dass sich die neue Regierung aus populistischer Fünf-Sterne-Bewegung und Lega in Italien über die Stabilitäts- und Schuldenregeln in der EU einfach hinwegsetzen könnte. Beide Parteien gelten als extrem europakritisch und hatten sogar einen Austritt aus der Euro-Zone in Erwägung gezogen. Dies ist nun nicht mehr Thema, allerdings streben beide eine tiefgreifende Änderung der Beziehungen zur EU an. Strikte Sparauflagen lehnen sie ab.

Italiens Infrastruktur ist nach jahrelanger Wirtschaftskrise stellenweise stark sanierungsbedürftig. Im März vergangenen Jahres starb ein Paar, als bei Ancona an der Adriaküste eine Autobahnbrücke auf ihr Auto stürzte. Im Oktober 2016 wurde ein Rentner in seinem Auto auf einer Schnellstraße zwischen Mailand und Lecco von Brückenteilen tödlich getroffen.

Bei dem aktuellen Brückeneinsturz in Genua kamen mindestens 35 Menschen ums Leben. Salvini sagte, es gebe etwa "30 bestätigte Tote und viele Schwerverletzte". Die vierspurige Autobahnbrücke im Westen der norditalienischen Stadt war gegen Mittag auf einer Länge von rund 200 Metern eingestürzt und hatte dabei Autos und Lastwagen mit in die Tiefe gerissen.

Derartiger Tod "ist nicht akzeptabel"

In der zur A10 gehörenden Morandi-Brücke klaffte eine riesige Lücke. Nach Angaben der Feuerwehr waren die Trümmer auf Bahngleise gestürzt. Bei dem unter der Brücke liegenden Stadtteil handelt es sich um ein von Industrie und Gewerbe geprägtes Gebiet.

Zunächst war unklar, ob unter den Opfern Deutsche waren. Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es, das deutsche Generalkonsulat in Mailand stehe wegen des Brückeneinsturzes in Genua "in engem Kontakt mit den italienischen Behörden, um Informationen, auch zu eventuellen deutschen Opfern, zu sichern".

Salvini sagte, er werde alles dafür tun, die Verantwortlichen für das Unglück ausfindig zu machen. "Es ist nicht akzeptabel, auf diese Weise in Italien zu sterben.". Er selbst habe die Brücke "Hunderte Male" überquert.

Quelle: n-tv.de, fzö/AFP

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