Politik

Berichte über direkte Gespräche Saudi-Arabien und Iran nähern sich an

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Der Bürgerkrieg im Jemen gilt als Stellvertreterkrieg zwischen dem Iran und Saudi-Arabien.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nach jahrelanger Eiszeit wollen die Erzrivalen Saudi-Arabien und Iran ihre diplomatischen Beziehungen wieder aufnehmen. Direkte Gespräche haben wohl bereits stattgefunden. Thema ist dabei der Stellvertreterkrieg der beiden Länder im Jemen - auf dessen Ende die USA dringen.

Vier Jahre nach dem Abbruch ihrer diplomatischen Beziehungen nähern sich die Erzrivalen Saudi-Arabien und Iran einem Zeitungsbericht zufolge wieder an. Ranghohe Vertreter beider Seiten hätten bereits Anfang des Monats direkte Gespräche für einen Wiederaufbau der Beziehungen aufgenommen, berichtete die "Financial Times" unter Berufung auf eingeweihte Regierungsvertreter.

Die erste Gesprächsrunde habe am 9. April in der irakischen Hauptstadt Bagdad stattgefunden und sei positiv verlaufen. Dabei sei es auch um die Luftangriffe auf Saudi-Arabien durch die Huthi-Rebellen aus dem Jemen gegangenen, die mit dem Iran verbündet sind. Der Bürgerkrieg im Jemen, in dem eine von Saudi-Arabien geführte Militärallianz die von den Huthis gestürzte Regierung unterstützt, gilt auch als Stellvertreterkrieg zwischen dem Iran und Saudi-Arabien.

Eine Stellungnahme beider Seiten zu dem Bericht war zunächst nicht zu erhalten. Der "Financial Times" zufolge bestritt ein saudi-arabischer Regierungsvertreter jegliche Gespräche. Der Bericht über die Gespräche kommt allerdings in einer Zeit, in der der neue US-Präsident Joe Biden auf ein Ende des Kriegs im Jemens dringt und an einer Rückkehr zum internationalen Atomabkommen mit dem Iran arbeitet.

Saudi-Arabien hatte den einseitigen US-Rückzug von dem Abkommen unter Bidens Vorgänger Donald Trump unterstützt und fordert strengere Atomauflagen für den Iran. Das Abkommen soll verhindern, dass die Islamische Republik an Atomwaffen gelangt. Der Iran bestreitet solche Bestrebungen. Das sunnitische Königreich Saudi-Arabien und der schiitische Iran ringen seit Langem um die Vormachtstellung in der Region.

Iran wählt neuen Präsidenten

Am 18. Juni finden im Iran Wahlen statt. Präsident Hassan Ruhani darf nach zwei Amtsperioden nicht mehr antreten. Mehrere ehemalige Generäle der Armee und der Revolutionsgarden wollen kandidieren. Ruhani riet ihnen jedoch davon ab. "Sicherlich ist die Aufgabe der Streitkräfte nicht nur militärischer Natur. Aber sie ist auch nicht, in die Politik einzusteigen", sagte er. Die beiden Streitkräfte im Iran, die Armee und die Revolutionsgarden, sollten die Souveränität des Landes verteidigen und den vom Volk gewählten Regierungen dienen, hieß es auf der Homepage des Präsidialamts. Das Lager der Reformer um Ruhani befürchtet, dass es im Iran zu einer Militärregierung kommen könnte. Verfassungswidrig sind solche Kandidaturen nicht. Die politische Unabhängigkeit gilt nach Auffassung von Experten für aktive Militärs, nicht aber für ehemalige Generäle.

Die Reformer selbst haben bislang keinen Kandidaten. Als mögliche Bewerber der Reformer gelten zwei Akteure: Ex-Präsident Mohammed Chatami (77) und Außenminister Mohammed Dschawad Sarif (61). Chatami darf aber nicht kandidieren, weil er wegen Kritik an der gefälschten Wahl von 2009 auf einer schwarzen Liste steht. Damit bliebe Sarif übrig, der bislang aber keine Bereitschaft für eine Kandidatur erkennen ließ.

Der Wahlausgang ist nach Ansicht vieler Experten weniger von den Kandidaten abhängig, sondern vielmehr von US-Präsident Joe Biden und dessen Iran-Politik. Falls die Verhandlungen zur Wiedereinbindung der USA ins internationale Atomabkommen mit dem Iran und zur Aufhebung der Sanktionen gegen das Land führen, hätten die Reformer gute Chancen. Andernfalls hätten wohl die Erzkonservativen und Hardliner - und auch die Generäle - bessere Karten.

Quelle: ntv.de, chf/dpa/rts

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