Zehn Tote, fast 100 VerletzteSchlechte Geheimhaltung? Russische Rakete trifft Rüstungstreffen bei Kiew

Auf einem Gelände in der Region um Kiew in der Ukraine findet ein Treffen der Rüstungsbranche statt. Der genaue Aufenthaltsort sei geheim gewesen, sagen Teilnehmer. Dennoch trifft eine russische Rakete das Übungsgelände und richtet verheerenden Schaden an. Es läuft ein Verfahren.
Bei einem russischen Raketenangriff in der ukrainischen Hauptstadt-Region Kiew sind mindestens zehn Menschen getötet und fast 100 weitere Menschen verletzt worden. Der Angriff mit einer ballistischen Rakete traf demnach ein Gelände, auf dem eine Veranstaltung der Rüstungsindustrie stattfand, wie ukrainische Behörden und Branchenvertreter mitteilten. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte auf Telegram, ein Rettungseinsatz in der Region Kiew sei im Gange. Er nannte das genaue Ziel des Angriffs nicht, fügte jedoch hinzu, dass Untersuchungen zur Klärung des Vorfalls liefen.
Dem kommissarischen Gouverneur der Region Kiew, Ruslan Olijnyk, zufolge traf die Rakete laut ersten Erkenntnissen ein privates Übungsgelände, auf dem Veranstaltungen stattfanden. Der ukrainische Branchenverband Rat der Rüstungsindustrie teilte mit, dass Vertreter der Branche vor Ort gewesen seien. Der Verband sei jedoch nicht der Organisator der Veranstaltung gewesen. Zudem seien Informationen über den genauen Aufenthaltsort der Teilnehmer im Vorfeld nicht veröffentlicht worden. Andere Quellen sprachen hingegen davon, dass die Ausstellung zuvor in Onlinenetzwerken angekündigt worden sei.
Die Staatsanwaltschaft leitete nach Angaben Krawtschenkos Ermittlungen wegen möglicher Fahrlässigkeit mit Todesfolge ein. Untersucht werde, wer die Veranstaltung beschlossen und Ort, Zeitpunkt und Ablauf genehmigt habe. Auch werde geprüft, ob die Gefahren angemessen bewertet worden seien.
Ein Berater Selenskyjs für Verteidigungsfragen kritisierte militärische Veranstaltungen, für deren Teilnehmer keine Schutzräume vorgesehen seien und die im Voraus in Onlinenetzwerken angekündigt würden.
Walerij Borowyk, der Gründer des ukrainischen Drohnenherstellers First Contact, erklärte im Gespräch mit ukrainischen Medien, die Rakete habe ein Übungsgelände getroffen, auf dem eine Rüstungsmesse veranstaltet worden sei. Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko teilte mit, es sei ein Verfahren wegen des Verdachts auf Amtspflichtverletzung bei der Organisation und Ausrichtung der Veranstaltung eingeleitet worden.
Seit Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 sind ukrainische Verantwortliche wiederholt in die Kritik geraten, weil sie militärische Veranstaltungen wie etwa Medaillenverleihungen ohne ausreichende Sicherheitsvorkehrungen organisiert hatten und diese Veranstaltungen dann Ziel russischer Angriffe wurden.
Die Ukraine verteidigt sich seit mehr als vier Jahren gegen einen russischen Angriffskrieg. Bemühungen um einen Frieden sind immer wieder gescheitert. Ein weiterer Termin steht bald an: US-Präsident Donald Trump und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beraten am 28. Juli in Washington. Das Treffen finde im Weißen Haus statt, teilte das US-Präsidialamt mit.