Politik

Interview bei "RTL Direkt" Scholz will auch Kanzler der Ungeimpften sein

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Scholz schlug bei "RTL Direkt" auch persönlichere Töne an.

Gegen Ende eines langen und historischen Tages ruft der neue Bundeskanzler Scholz bei "RTL Direkt" einmal mehr dazu auf, sich impfen zu lassen. Doch er sagt auch Persönlicheres - etwa warum er Witze in der Öffentlichkeit vermeidet.

In seinem ersten ausführlichen RTL-Interview als Bundeskanzler hat Olaf Scholz die Menschen in Deutschland zur Impfung aufgerufen. "Es ist doch offensichtlich, was uns jetzt hilft", sagte er bei "RTL Direkt". "Dass sich möglichst viele Bürger impfen lassen." Das organisiere der Krisenstab unter General Carsten Breuer derzeit. Die Impfquote sei noch nicht hoch genug.

Scholz wiederholte, dass er für eine allgemeine Impfpflicht sei. Diese könne aber erst ab dem nächsten Jahr gelten. Jetzt müsse gewährleistet werden, dass alle, die eine Impfung wollten, sie auch bekämen. "Wir wollen irgendwann vor die Lage kommen und die Pandemie hinter uns lassen." Scholz lobte zudem seinen neuen Gesundheitsminister Karl Lauterbach als ausgewiesenen Experten und sagte auch, er werde sich weiter mit seiner Vorgängerin Angela Merkel austauschen.

Der SPD-Politiker sagte, er sei "unbedingt" auch der Kanzler der Ungeimpften. "Wenn man Kanzler ist, ist man für alle Bürgerinnen und Bürger verantwortlich, das empfinde ich auch."

Er finde nicht, dass Deutschland ein gespaltenes Land sei. Unterschiedliche Überzeugungen gehörten in der Demokratie dazu. Aber: "Wenn Bedrohungen dazu gehören, dann ist das eine Grenzüberschreitung. Fackelumzüge vor dem Haus einer Gesundheitsministerin sind etwas, das wir uns als Demokratinnen und Demokraten nicht gefallen lassen dürfen." Genau das war in Sachsen vor dem Haus der SPD-Politikerin Petra Köpping geschehen.

Froh über Zeit jenseits der Politik

Der neue Bundeskanzler schlug auch persönlichere Töne an. So erklärte er etwa, wie sich seine politische Einstellung seit seiner Zeit als Jungsozialist geändert hat. "Ich bin sehr froh, dass ich nach meiner Zeit als Jungsozialist in der SPD einfach mal eine Auszeit hatte, wo ich nur Anwalt war und mich nur um meine Mandanten gekümmert habe." Scholz war Experte für Arbeitsrecht. Das habe ihm ermöglicht, sich politisch neu zu orientieren. "Ich sage ausdrücklich, dass ich nicht zu den Leuten gehöre, die sagen, dass alles, was sie mit 22 Jahren gesagt haben, denken sie auch noch mit 63." Sein Anliegen sei es aber weiterhin, dass Gerechtigkeit Maßstab der Politik sei. "Es ist wichtig, dass man bei sich bleibt und sich nicht verstellt."

Vielen Wählern bislang unbekannt dürfte zudem die Tatsache gewesen sein, dass es im Wohnzimmer von Scholz und seiner Frau Britta Ernst keinen Weihnachtsbaum geben wird. Er habe schon früh damit angefangen, über Weihnachten und Neujahr "in die weite Welt" zu fahren, sagte er zur Begründung.

Auch erklärte er, warum er sich in der Öffentlichkeit Scherze verkneift. "Ein ironischer Witz, zu dem man zwei Bände Bücher dazugeben muss, um zu erklären, das war jetzt ein Witz, ist etwas, was schwierig ist. Es nehmen das viele Leute als bitteren Ernst und da bin ich schon mal reingefallen, weil ich dachte, das ist doch klar, dass das hier ein Scherz ist." Das sei so alle fünf bis zehn Jahre vorgekommen und da wolle er vorsichtig sein. Die Menschen würden ihn nun aber in allen Details kennenlernen.

Quelle: ntv.de, vpe

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