Politik

Regierung im Umfragehoch Schotten sehnen sich nach Unabhängigkeit

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Brexit und Corona-Krise verschaffen den Anhängern einer Unabhängigkeit Schottlands großen Zuspruch. (Archivbild)

(Foto: picture alliance/dpa)

Der britische Premier Johnson hat dem Vereinigten Königreich versprochen, dass die Insel mit dem Brexit aufblühen werde. In Schottland blüht derzeit aber vor allem die Unzufriedenheit mit London und die Sehnsucht nach der EU. Eine Umfrage zeigt die Befürworter der Unabhängigkeit in einem Umfragehoch.

In Schottland steuert die regierende Nationalpartei einer Umfrage zufolge auf eine Rekordmehrheit bei den Wahlen im Mai zu. Damit bekommt ein neuer Vorstoß für die Unabhängigkeit von Großbritannien starken Rückenwind. Derzeit kann die SNP von Partei- und Regierungschefin Nicola Sturgeon mit 71 von 129 Sitzen im schottischen Parlament rechnen - acht Mandate mehr als bei der vorigen Regionalwahl 2016. Das geht aus einer Erhebung von Marktforschern hervor, die die Zeitung "The Scotsman" veröffentlichte. Die SNP hat bislang nur 2011 einmal mit 69 Sitzen eine absolute Mehrheit gewonnen.

Sturgeon hat bereits angekündigt, bei einem starken Abschneiden ein weiteres Unabhängigkeitsreferendum anzustreben. Der britische Premierminister Boris Johnson müsste allerdings einem neuen Referendum zustimmen. Er hat bereits erklärt, dass er dafür keine Notwendigkeit sehe, nachdem die Schotten 2014 mit 55 zu 45 Prozent gegen eine Loslösung gestimmt hatten. Allerdings haben der von den Schotten beim Brexit-Referendum 2016 mehrheitlich abgelehnte EU-Ausstieg und die Kritik am Corona-Krisenmanagement der Regierung in London die Unterstützung für die SNP gestärkt. Die meisten Umfragen zeigen, dass eine Mehrheit nun für eine Abspaltung ist. Laut der aktuellen Savanta-ComRes-Erhebung würden 57 Prozent bei einem neuen Referendum dafür stimmen. Dieser Wert liegt nur knapp unter einem Rekordhoch.

"Johnson spielt mit dem Feuer"

Führende SNP-Politiker warnten die Regierung in London davor, ein neuerliches Referendum zu unterdrücken. "Die Regierung spielt mit dem Feuer, wenn sie versucht, die Demokratie in Schottland zu blockieren", hatte Angus Robertson, ehemaliger Vizechef der regierenden Schottischen Nationalpartei, jüngst gesagt. "Wenn sie weiterhin mauert, wird die Mehrheit für die Unabhängigkeit eher weiter wachsen."

Robertson kritisierte Johnsons Haltung als anti-demokratisch. "Als Demokrat muss man hinnehmen, dass andere Parteien gewinnen, dass die eigene Argumentation verliert. Das entspricht der demokratischen Realität." Auf die Frage, ob die Staatsform des Vereinigten Königreichs passend ist für das 21. Jahrhundert, laute die richtige Antwort nicht, eine Abstimmung zu verhindern oder zu verbieten. "Das entspricht nicht dem Gedankengut des 21. Jahrhunderts, das widerspiegelt eher das 18. oder 19. Jahrhundert", sagte Robertson. Der Politiker kündigte an, die Unabhängigkeit und der erneute Beitritt zur Europäischen Union würden im Mittelpunkt des Wahlkampfs stehen. "Das ist der größte Binnenmarkt der Welt, und wir wollen dabei sein", sagte Robertson, der jahrelang SNP-Fraktionschef im britischen Parlament war und nun einen Pro-Unabhängigkeits-Thinktank leitet.

Quelle: ntv.de, mau/rts