Politik

"Fridays for Future"-Bewegung Schüler streiken auch am Feiertag

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Greta Thunberg mischte sich unter die Demonstranten in Rom.

(Foto: REUTERS)

Die freitäglichen Schülerprotestbewegungen sind einigen Politikern ein Dorn im Auge. Sie wünschen sich Demonstrationen für den Klimaschutz, ohne dass die Jugendlichen dafür die Schule schwänzen. Genau das setzen Tausende junge Menschen in Europa dann auch um.

Tausende Menschen sind am Karfreitag weltweit für mehr Klimaschutz auf die Straße gegangen. Allein in Rom versammelten sich mehrere Tausend überwiegend junge Leute - mit dabei die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg. "Wir werden unseren Kampf für unsere Zukunft fortsetzen", versprach die 16 Jahre alte Schülerin unter dem Jubel der Menge auf der zentralen Piazza del Popolo. Thunberg demonstriert seit vergangenem Sommer jeden Freitag - also meistens während der Schulzeit - für mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz. Ihr Schulstreik hat weltweit Menschen zu Demonstrationen unter dem Motto "Fridays for Future" inspiriert.

Auch in Deutschland versammelten sich in vielen Städten Hunderte Menschen, unter anderem in Berlin, München, Köln, Hamburg und Düsseldorf. "Die Klimakrise setzt nicht aus, wir auch nicht", schrieb die Aktivistin Luisa Neubauer auf Twitter. Die Schüler waren teilweise dafür kritisiert worden, dass sie während der Schulzeit demonstrieren und nicht in ihrer Freizeit.

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Thunberg warb in Rom für ein radikales Umsteuern in der Klimapolitik. Dafür reichten Wochen oder Monate nicht aus; es brauche Jahre, um etwas zu verändern. Wie entschlossen sie ist, machte sie auch in einem Interview klar: "In vielen Situationen schweige ich und sage nichts, aber wenn es etwas ist, was mich sehr bewegt, dann bin ich ein Rebell", sagte sie der Zeitung "Corriere della Sera". "Mit Greta retten wir den Planeten", skandierten Thunbergs Mitstreiter in Rom. Die neunjährige Aktivistin Alice sagte: "Wir müssen verstehen, dass wir jetzt handeln müssen." Eine Sprecherin der "Fridays for Future"-Bewegung in Italien sprach von rund 25.000 Teilnehmern.

Tatsächlich drängt die Zeit: Schon jetzt hat sich die Erde nach Befunden des Weltklimarats IPCC gegenüber der vorindustriellen Zeit um etwa ein Grad Celsius erwärmt. Die Jahre 2015 bis 2018 waren nach Analysen der Weltwetterorganisation die vier wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert. Geht es weiter wie bisher, ist Ende dieses Jahrhunderts die Welt wohl mindestens drei Grad wärmer.

Juncker ist die Bewegung "sympathisch"

Zu den fatalen Folgen gehören je nach Region mehr Hitzewellen, längere Dürren sowie mehr Stürme, Starkregen und Hochwasser. Um den Trend zu stoppen, muss der Ausstoß von Treibhausgasen etwa aus der Verbrennung von Kohle und Öl oder aus der Tierhaltung stark reduziert werden.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker lobte die Proteste der Schüler. Er halte es "für begrüßenswert, dass nach jahrelanger Erlahmung jugendlicher Protestkräfte endlich wieder junge Menschen auf die Straße gehen, weil sie sich Sorgen um unsere Zukunft machen", sagte Juncker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Insofern ist mir diese Bewegung sehr sympathisch."

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner forderte die Teilnehmer der freitäglichen Schulstreiks dazu auf, nach den von ihnen erhobenen Forderungen zu leben. Es sei gut, dass sich Jugendliche für das Klima engagierten, sagte sie den Funke-Zeitungen. Wichtig sei dabei, "dass sie das auch auf ihren eigenen Lebensstil übertragen", fügte die CDU-Politikerin hinzu. "Die Handy-Produktion, Klamotten, Ferienreisen - all das hat auch Auswirkungen auf das Klima." Indirekt kritisierte Klöckner, dass die Schüler während der Unterrichtszeit protestieren. "Saturdays for Future" statt Fridays for Future wäre "auch eine Möglichkeit", sagte sie.

Auch in Großbritannien gab es Protestaktionen für mehr Klimaschutz. Die Polizei nahm in London in fünf Tagen fast 600 Umweltaktivisten fest. Sie waren einem Aufruf der Bewegung Extinction Rebellion (Rebellion gegen die Auslöschung) gefolgt, unter anderem mit Sitzblockaden auf Straßen und Brücken friedlich für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. An der Aktion beteiligte sich auch die britische Schauspielerin Emma Thompson. Eine Drohung der Aktivisten, den Betrieb des Londoner Großflughafens Heathrow mitten in den Osterferien zu stören, blieb folgenlos.

Quelle: n-tv.de, fzö/dpa/AFP

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