Politik

Polizist wird nicht angeklagt Schüsse von Ferguson bleiben ungesühnt

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Polizist Darren Wilson feuerte zehn Schüsse auf den 18-jährigen Michael Brown ab.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ein weißer Polizist erschießt einen schwarzen Jugendlichen. Die Tat in der US-Kleinstadt Ferguson löst Proteste gegen Rassismus und Ausschreitungen aus. Das Justizministerium in Washington kritisiert die örtliche Polizei hart. Doch die Schüsse bleiben ungesühnt.

Der US-Polizist, der in Ferguson im US-Bundesstaat Missouri einen unbewaffneten schwarzen Teenager erschossen und damit schwere Proteste ausgelöst hatte, wird auch von den amerikanischen Bundesbehörden nicht angeklagt. Es gebe keine Beweise, die gegen das rechtmäßige Verhalten des weißen Beamten sprächen, teilte das Justizministerium in Washington mit. Darren Wilson hatte ausgesagt, zum Zeitpunkt der Tat um sein Leben gefürchtet zu haben. Deshalb habe er auf den Jugendlichen Michael Brown geschossen. Die Bundesstaatsanwaltschaft prüfte, ob der Polizist mit seinen Schüssen eine Bürgerrechtsverletzung begangen hatte.

US-Medien hatten bereits vor Wochen berichtet, dass eine Anklage aber sehr unwahrscheinlich sei. Der Bericht des Justizministeriums bestätigte die Informationen nun. Die Familie von Brown äußerte sich enttäuscht darüber, dass der "Mörder unserer Sohnes nicht für seine Taten zur Verantwortung gezogen wird."

Wilson hatte den Jugendlichen im August in der Vorstadt von St. Louis erschossen. Das hatte landesweit Empörung sowie tagelange Unruhen in Ferguson ausgelöst. Die Polizei ging damals mit großer Gewalt gegen die Demonstranten vor, mehrfach fielen Schüsse. Es gab Verletzte. Im Dezember kam eine Geschworenenjury zu dem Urteil, dass keine Anklage gegen den Polizisten erhoben wird. Darauf brachen erneut Proteste aus.

Die Bundesbehörden beklagen Rassismus und Gewalt der Polizei

Wie die Geschworenen zogen auch die Bundesermittler Zeugenaussagen in Zweifel, denenzufolge Brown die Hände erhoben hatte, als Wilson schoss. Dieselben Zeugen hätten auch erklärt, dass der Teenager auf den Polizisten zugestürmt sei und dabei die Hände heruntergenommen habe, heißt es in dem Papier. Demonstranten in Ferguson und anderen US-Städten hatten bei Protestzügen stets "Hände hoch! Nicht schießen!" skandiert, um auf die Brutalität der Tat hinzuweisen.

Nach Darstellung der Staatsanwaltes in Ferguson hatte der Polizist den 18-Jährigen damals gebeten, nicht mitten auf der Straße zu gehen. Darauf sei der an das Fenster des Polizeiwagens getreten und habe nach der Waffe des Beamten gegriffen und ihn geschlagen. In dem Auto seien zwei Schüsse gefallen. Als er sich wieder von dem Wagen entfernt habe, sei Wilson ihm hinterher gelaufen. Es gebe Beweise, dass der Teenager sich umgedreht habe auf Wilson zugekommen sei. Der Polizist feuerte daraufhin zehn Schüsse ab. 

Allerdings stellte das Ministerium auch fest, dass bei der Polizei in Ferguson rassistische Vorurteile und exzessive Gewalt gegen Schwarze weit verbreitet sind. So würden die Beamten unverhältnismäßig viele Afroamerikaner wegen Verkehrssünden und kleiner Delikte kontrollieren und festnehmen. Die US-Behörden verlangten daher wesentliche Änderungen bei Polizei und Justiz.

Quelle: ntv.de, dka/dpa

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