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Medium sei "flach und bösartig" Seehofer sagt zu Twitter "Servus"

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Sein Social-Media-Team mache das sehr seriös, sagte Seehofer zu seinem Abschied von Twitter.

(Foto: picture alliance/dpa)

Vor einem Jahr wagt sich CSU-Innenminister Horst Seehofer selbst auf Twitter - doch so richtig warm wird er mit der Plattform nicht. Jetzt erklärt er, warum das so ist - und verrät zu seinem 70. Geburtstag auf traditionellem Weg seine Lieblingsspeisen.

Mit Twitter ist CSU-Bundesinnenminister Horst Seehofer nicht richtig warm geworden. Kein Jahr nach seinem ersten Tweet hat er dem sozialen Netzwerk schon wieder den Rücken gekehrt. In seinem Ministerium gebe es ein Social-Media-Referat, die machten das sehr seriös, sagte Seehofer dem "Donaukurier" in einem Interview anlässlich seines heutigen 70. Geburtstags. "Gelegentlich schaue ich mir dann an, wie das kommentiert wird, und was ich da lese, ist oft dermaßen platt und flach, gehässig und bösartig - nein, von so einer Community möchte ich nicht Teil sein."

Das Bundesinnenministerium weist auf seinem Twitter-Konto vor allem auf Beschlüsse und Termine hin. "Mit der Reform des #Besoldungsstrukturenmodernisierungsgesetz wird der Verwaltungsaufwand verringert & Zulagen deutlich erhöht", hieß es dort kürzlich, oder auch: "Hohe Einsatzfähigkeit der #GSG9 der #Bundespolizei - BM Horst #Seehofer hat sich heute bei einem Besuch am Standort in #SanktAugustin vom Einsatzspektrum überzeugt".

*Datenschutz

Vor rund einem Jahr hatte Seehofer angekündigt, "wahrscheinlich Ende August (2018)" selbst twittern zu wollen. Er sehe sich dazu "jetzt gezwungen", weil er manche Wahrheiten sonst "nicht unter eine breitere Bevölkerung bekomme", sagte er damals. Tatsächlich setzte er seinen ersten Tweet dann im September ab. Oft machte er aber davon nicht Gebrauch, nur zwei Mal twitterte er überhaupt: einmal zu seinem Rücktritt als CSU-Chef und einmal, um Annegret Kramp-Karrenbauer zur Wahl zur CDU-Chefin zu gratulieren. Vielleicht hat er deswegen auch "nur" 10.400 Follower - im Vergleich zu den 60.500 des Bundesinnenministeriums.

Marmorkuchen, Eintopf und Suppe

Seine "Wahrheiten" bringt Seehofer also weiterhin über traditionellere Kanäle unter das Volk. In dem Geburtstags-Interview verriet der CSU-Politiker dem "Donaukurier" auch seine Lieblingsspeisen: "Ich mag noch immer Steinkuchen am liebsten. Da weiß meine Frau schon, dass ich einen Marmorkuchen meine." Eintopf sei auch sehr beliebt oder eine Suppe mit Gemüse und Würstchen. "Das war unsere Kindheit. Da ist in einem Haushalt mit vier Kindern und einem Vater, der im Winter arbeitslos war, nahrhaft gekocht worden. Man musste mit einfachen Zutaten satt sein", sagte Seehofer.

Seine Essensvorlieben seien auch eine schöne Verbindung zum Kanzleramt, wo es bei abendlichen Besprechungen im Regelfall auch ein Abendessen gebe. "Ich behaupte, dass es in Berlin nirgendwo eine bessere Verpflegung gibt als im Kanzleramt. Nicht so ein Eliteessen, wie die Leute meinen, sondern Königsberger Klopse und solche Dinge. Man geht satt von dannen."

Zum 70. Geburtstag soll's ruhig zugehen

Ganz einfach möchte Seehofer auch seinen runden Geburtstag gestalten: "Keine Feier, keinen Empfang, gar nichts", plant der Bundesinnenminister, wie er in einem Interview mit der "Bild am Sonntag" sagte. Stattdessen will er mit Frau und Kindern an einen geheimen Ort verschwinden. Was für ein Unterschied zu Seehofers 69. Geburtstag. Zu diesem stand wegen des Streits um die Asylpolitik sein Rücktritt von allen Ämtern - damals war er auch noch CSU-Chef - im Raum.

Seehofer klingt auch mit Blick auf den Migrationsstreit, der vor allem zwischen ihm und Kanzlerin Angela Merkel entbrannte sehr versöhnlich. Gegenüber dem "Donaukurier" sagte er: "Ich glaube, viele Menschen leben nach dem Motto: Einmal gestritten, immer gestritten. Wir hatten da einen ziemlich heftigen Diskurs, aber das hat an unserem gegenseitigen Respekt nichts geändert." Feinde seien er und Merkel keinesfalls. "Wir arbeiten ausgesprochen gut zusammen."

Derzeit wirkt Seehofer im Vergleich zu seinem vorherigen Geburtstag relativ fest im Sattel. Das könnte daran liegen, dass er mit der Abgabe des CSU-Vorsitzes im Januar einen Teilrückzug vollzogen hat. Am Ende der laufenden Legislaturperiode will er außerdem tatsächlich Ernst machen mit seinem in der Vergangenheit immer wieder angekündigten politischen Ruhestand. Anschließend will Seehofer ein Buch über sein politisches Leben schreiben und seine Modelleisenbahn wieder auf Vordermann bringen.

Quelle: n-tv.de, aeh/dpa/AFP

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