Politik

Mehrheit für WochenarbeitszeitSelbst SPD-Anhänger unterstützen Abschaffung des Acht-Stunden-Tags

29.05.2026, 11:56 Uhr
00:00 / 04:12
DEU-Deutschland-Germany-Berlin-12-05-2026-Delegierter-mit-Schild-Die-Macht-fuer-die-Acht-8-Haende-Weg-vom-8-Stunden-Tag-als-Protest-waehrend-der-Rede-vom-Bundeskanzler-auf-dem-23-Ordentlichen-Bundeskongress-Deutscher-Gewerkschaftsbund-DGB-unter-dem-Motto-Staerker-mit-uns-in-Berlin-Germany-en-Delegate-with-Sign-Power-to-the-Eight-Hands-Off-the-8-Hour-Day-in-protest-during-the-Federal-Chancellor-s-speech-at-the-23rd-Ordinary-Federal-Congress-of-the-German-Trade-Union-Confederation-DGB-Deutscher-Gewerkschaftsbund-held-under-the-motto-Stronger-with-Us-Staerker-mit-uns-in-Berlin-Germany
Die Gewerkschaften lehnen die Einführung einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit ab. (Foto: picture alliance / Ipon)

Der Acht-Stunden-Tag ist gewissermaßen deutsches Kulturgut. Die Bundesregierung möchte die bisherige Regelung durch eine Wochenarbeitszeit flexibilisieren. Im RTL/ntv-Trendbarometer begrüßen auch Anhänger von SPD und AfD das Vorhaben. Nur eine Partei fällt aus dem Rahmen.

Eine Mehrheit der Bevölkerung kann sich mit der Abschaffung der strengen Arbeitszeit-Vorgaben und somit des Acht-Stunden-Tags anfreunden. Im RTL/ntv-Trendbarometer sagten 57 Prozent der Befragten, sie fänden es grundsätzlich richtig, diese Regelung abzuschaffen. Sie sprechen sich stattdessen für eine wöchentliche Höchstarbeitszeit aus, die erlaubt, dass Arbeitnehmer an einzelnen Tagen mehr als acht Stunden arbeiten können und dafür an anderen Tagen weniger.

Nach der geltenden Arbeitszeitrichtlinie darf die tägliche Arbeitszeit nur im Ausnahmefall mehr als acht Stunden betragen. Konkret heißt es in Paragraf 3 des Arbeitszeitgesetzes: "Die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten. Sie kann auf bis zu zehn Stunden nur verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden."

Die Bundesregierung plant eine Reform der Regelung: Statt des Acht-Stunden-Tags soll eine wöchentliche Höchstarbeitszeit kommen. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas will dazu in Kürze einen Gesetzentwurf vorlegen.

Dreifacher Widerspruch

Die Zustimmung zu der Reform fällt mit einer Ausnahme parteiübergreifend aus. Unter den Anhängern von CDU/CSU befürworten 74 Prozent eine Neuregelung des Arbeitszeitgesetzes. Auch die Wählerinnen und Wähler von SPD (61) und Grünen (58) unterstützen das Vorhaben, ebenso wie die Anhänger der AfD. Dort fällt die Zustimmung mit 51 Prozent jedoch denkbar knapp aus.

Die Anhänger der Linken sprechen sich dagegen mehrheitlich gegen die Flexibilisierung der geltenden Arbeitszeitregelung aus. Nur 37 Prozent fänden eine Änderung der gesetzlichen Arbeitszeitregelung grundsätzlich richtig. 61 Prozent lehnen eine wöchentliche Höchstarbeitszeit anstelle des Acht-Stunden-Tags ab.

Ähnlich ist die Stimmung in Ostdeutschland und unter Gewerkschaftsmitgliedern: 53 Prozent der Ostdeutschen und 53 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder sind gegen die Pläne der Bundesregierung. Die Gewerkschaften fürchten gesundheitliche Risiken: "Zu lange Arbeitstage führen nachweislich zu Krankheiten, die am Ende des Tages nicht nur Beschäftigten schaden, sondern auch der Wirtschaft und dem Gesundheitssystem", sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Jede Lockerung der Regeln würde einseitig die Arbeitnehmer belasten."

Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) schlägt als Kompromiss vor, die Arbeitszeit zunächst nur für bestimmte Berufe auszuweiten. "Wenn man zu große Sorgen um den Arbeitsschutz hat, könnte man in einem ersten Schritt die gesetzliche Anpassung auf Beschäftigte konzentrieren, wo keine Gesundheitsrisiken drohen: die Bürobeschäftigten", sagte der IW-Arbeitsmarktexperte Oliver Stettes ebenfalls den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Für die Umfrage hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa am 14. und 15. Mai 2026 im Auftrag von RTL/ntv 1004 Menschen befragt. Die statistische Fehlertoleranz beträgt +/- 3 Prozentpunkte.

Quelle: ntv.de, chr

RTL/ntv-TrendbarometerBärbel BasArbeitsmarktDie LinkeArbeitszeitenUmfragenGewerkschaften