Politik

Sri Lankas Geheimdienst im Fokus Selbstmordattentäter verübten Anschläge

Sri Lanka wird von einer Anschlagswelle erschüttert. Fast 300 Menschen verlieren ihr Leben. Nun geben Ermittler erste Erkenntnisse bekannt. Derweil bittet die Regierung das Ausland um Hilfe. Kritische Fragen muss auch der eigene Geheimdienst beantworten.

Die verheerende Anschlagsserie auf christliche Kirchen und Hotels mit fast 300 Toten in Sri Lanka ist von Selbstmordattentätern ausgeführt worden. Das ergaben Untersuchungen der nahezu zeitgleichen Explosionen in drei Kirchen und drei Luxushotels, wie ein Forensiker des Verteidigungsministeriums Sri Lankas mitteilte. Zu den beiden späteren Explosionen in einem weiteren Hotel und einer Wohngegend in Vororten der Hauptstadt Colombo gab es zunächst keine näheren Angaben.

Derweil sind die Motive der Attentäter weiter unklar. Nach Polizeiangaben wurden inzwischen 24 Verdächtige festgenommen, die verhört würden. Auch einen Tag nach den Anschlägen hatte sich zunächst niemand zu den Angriffen bekannt. 

Vize-Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene machte Extremisten für die "terroristische Attacke" verantwortlich. In einer Fernsehansprache sagte Premierminister Ranil Wickremesinghe, dass alle Festgenommenen aus Sri Lanka stammten. Er wolle aber im Ausland um Unterstützung bitten, um herauszufinden, ob die Angreifer Verbindungen zum internationalen Terrorismus hätten. "Wir werden nicht zulassen, dass der Terrorismus in Sri Lanka sein Haupt erhebt. Alle Maßnahmen werden ergriffen, um den Terrorismus auszulöschen", sagte Wickremesinghe. Sri Lankas Geheimdienst hätten Hinweise auf einen möglichen Anschlag vorgelegen, sagte er weiter. Es müsse untersucht werden, warum keine entsprechenden Maßnahmen ergriffen worden seien.

Fast 300 Tote

Bei den Explosionen am Ostersonntag starben nach Polizeiangaben mindestens 290 Menschen, darunter auch mindestens 35 Ausländer aus mehreren Ländern. Unter den rund 450 Verletzten, die noch in Krankenhäusern behandelt wurden, waren 19 Ausländer. Die deutsche Botschaft in Sri Lanka steht nach Angaben von Außenminister Heiko Maas mit den lokalen Behörden in Kontakt und bemüht sich um Aufklärung, ob auch Deutsche betroffen sind.

Insgesamt hatte es am Sonntag mindestens acht Detonationen gegeben. Die Explosionen in den Kirchen und Luxushotels geschahen fast zeitgleich. In den Kirchen fanden gerade Ostergottesdienste statt. Dort gab es die meisten Opfer. Am Abend war in der Nähe des größten Flughafens der Insel, rund 30 Kilometer von Colombo entfernt, zudem ein Sprengsatz gefunden und entschärft worden, wie ein Sprecher der Luftwaffe mitteilte.

Die Regierung hatte eine landesweite Ausgangssperre verhängt. Zudem sperrte sie nach Angaben des Vize-Premiers vorübergehend den Zugang zu sozialen Medien. Auch nach Ende der Sperre blieben die Schulen und Universitäten zunächst geschlossen.

Der südasiatische Inselstaat im Indischen Ozean mit seinen tropischen Stränden ist ein beliebtes Touristenziel, auch für Deutsche und andere Europäer. Dort hatte es seit Jahren keinen größeren Anschlag gegeben. 2009 war ein 26 Jahre dauernder Bürgerkrieg zu Ende gegangen. Nur etwa sieben Prozent der Bevölkerung Sri Lankas sind Christen. Die Mehrheit der 20 Millionen Einwohner sind Buddhisten.

Das Auswärtige Amt aktualisierte kurz nach den Attacken seine Reisehinweise und bat Reisende, die Anschlagsorte weiträumig zu meiden, die lokalen Medien zu verfolgen, engen Kontakt zu Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften zu halten und Anweisungen von Sicherheitskräften Folge zu leisten.

Quelle: n-tv.de, jwu/dpa

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