Politik

Rückzug von Putin angeordnet? Selenskyj erklärt Lyman für "vollständig geräumt"

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In Lyman werden prorussische Flaggen wieder entfernt.

(Foto: Oleksiy Biloshytskyi via REUTERS)

Russland gibt in einer weiteren Niederlage gegen die ukrainische Armee die strategisch wichtige Stadt Lyman auf. Laut Präsident Selenskyj befindet sich die Stadt vollständig unter ukrainischer Kontrolle. Das Schicksal der russischen Soldaten ist weiter offen.

Nach dem Rückzug russischer Truppen aus Lyman in der Ostukraine hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die vollständige Kontrolle über die strategisch wichtige Stadt verkündet. Seit 12.30 Uhr (13.30 Uhr MESZ) sei die Stadt "vollständig geräumt", sagte der Präsident in einem nur zehn Sekunden langen Video.

Der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, hatte am Samstag den Rückzug bekannt gegeben und den Schritt mit der Gefahr einer Einkesselung begründet. Zuvor hatten ukrainische Behörden von rund 5000 eingekesselten russischen Soldaten gesprochen. Weiterhin unklar ist, wie viele Soldaten getötet oder in Gefangenschaft geraten sind.

Lyman liegt im östlichen Gebiet Donezk. Mit dem Fall der Stadt öffnet sich für die ukrainischen Truppen der Weg Richtung Kreminna und Swatowe. Beide Städte liegen im Gebiet Luhansk und gelten - speziell Swatowe - als wichtige Verkehrsknotenpunkte. Anfang des Sommers hatte die russische Armee das Gebiet Luhansk für "befreit" erklärt.

Putin selbst für Rückzug verantwortlich

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Die Militärexperten des renommierten Institute for the Study of War sehen in dem Rückzug russischer Truppen aus Lyman "mit ziemlicher Sicherheit" eine bewusste Entscheidung von Russlands Präsident Wladimir Putin. Nicht die Militärkommandos hätten entschieden, dass die Frontlinien nahe der Städte Kupjansk oder Lyman nicht verstärkt werden, sondern der Präsident selbst, hieß es in einer ersten Analyse. Es deute darauf hin, dass sich Putin vielmehr um die Sicherung strategischer Gebiete in den Regionen Cherson und Saporischschja kümmern wolle.

Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht nannte die Einnahme von Lyman einen "riesigen Erfolg" für die Ukraine. Die russische Armee sei dadurch "extrem geschwächt" worden, sagte sie der ARD. Allerdings schränkte sie ein: "Das ist ein toller Erfolg, aber das ist noch kein Wendepunkt." Die Ukraine müsse weiter unterstützt werden. "Wir müssen leider damit rechnen, dass dieser Krieg noch Wochen und Monate dauert."

Quelle: ntv.de, mba/dpa/rts

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