Persönliches Treffen abgelehntSelenskyj nennt die Antwort von Putin "schwach"

Nach verstärktem militärischen Druck auf Moskau schlägt Selenskyj ein persönliches Treffen mit dem russischen Präsidenten vor. Dessen Absage kommt postwendend. Für den ukrainischen Präsidenten ist die Art von Putins Antwort kein Zeichen von Stärke.
Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hat die Reaktion des russischen Präsidenten Wladimir Putin auf seinen Vorschlag für ein Treffen als "schwach" bezeichnet. "Leider entscheidet sich die russische Seite erneut für den Krieg - jeder hat die heutige Antwort gehört", erklärte Selenskyj am Abend. "Eine schwache Antwort. Er will den Krieg einfach nicht beenden", fügte Selenskyj hinzu, nachdem Putin den Vorschlag Selenskyjs zurückgewiesen hatte.
In seiner Rede beim internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg hatte der Kreml-Chef zuvor gesagt, er sehe "keinen Sinn" in einem solchen Treffen, solange kein Friedensabkommen vorliege. "Lassen Sie die Experten arbeiten und Lösungen erarbeiten, und dann können wir uns treffen", fügte er hinzu. Selenskyj hatte zuvor in einem offenen Brief an Putin ein persönliches Treffen mit dem russischen Staatschef vorgeschlagen. Der Vorschlag hatte die Unterstützung wichtiger Verbündeter gefunden, darunter US-Präsident Donald Trump und der französische Präsident Emmanuel Macron.
Putin äußerte sich auch zu einem möglichen Ende des Ukraine-Krieges - und bekräftigte erneut die russischen Maximalforderungen. "Die militärischen Aktionen werden eines Tages enden, davon gehen wir aus", sagte Putin. "Zweifellos werden sie enden, sobald wir die Ziele erreicht haben, die wir uns gesetzt haben." Moskau fordert unter anderem, dass die Ukraine die gesamte Donbass-Region abtreten soll, was Kiew strikt ablehnt.
Putin räumt wirtschaftliche Probleme ein
Putin hatte in St. Petersburg wirtschaftliche Probleme in Russland eingeräumt, zugleich aber westliche Äußerungen dazu zurückgewiesen. "Ja, die wirtschaftliche Dynamik ist derzeit verhalten", sagte Putin. Gleichzeitig zeigte er sich überzeugt, dass Russland weiter gestärkt werde. "Von allen Seiten hören wir Kritik, dass bei uns alles zusammengebrochen sei", sagte Putin in seiner Rede bei dem auch "russisches Davos" genannten Forum. Mit einem Seitenhieb gegen die EU fügte Putin an, Russland sei nun "auf das gleiche Niveau gesunken", auf dem sich die Länder der Eurozone seit Jahren befänden.
Putins Rede beim Petersburger Wirtschaftsforum war mit Spannung erwartet worden. Kurz zuvor hatte die Ukraine Energie- und Militäranlagen in der Stadt mit Drohnen angegriffen. Kiew zufolge zielten die Angriffe darauf ab, die für Moskau bedeutsame mehrtägige Wirtschaftskonferenz zu stören. Kiew hatte seine Angriffe auf die für Russland enorm wichtige Energieinfrastruktur zuletzt verstärkt, darunter auf Öllager, Raffinerien und Exportterminals. Dadurch drohen Moskaus wichtigster Einnahmequelle erhebliche Beeinträchtigungen.
Gut eine Woche vor dem G7-Treffen im französischen Evian kommt Selenskyj am Sonntag mit Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Macron und dem britischen Regierungschef Keir Starmer in London zusammen. Dabei soll es um die weitere Unterstützung der Ukraine und den verstärkten Druck auf Russland gehen, wie das französische Präsidialamt mitteilte.